Rendsburg-Eckernförde : Sanierungsstau für Kreisstraßen von 37 Millionen Euro

Die Kreisstraßen sind im Durchschnitt sechs Meter breit. Begegnen sich Lastwagen oder Trecker, muss einer auf die Bankette ausweichen. Deshalb brechen die Straßenränder häufig von außen her auf, wie hier die K82 bei Nienborstel.
Die Kreisstraßen sind im Durchschnitt sechs Meter breit. Begegnen sich Lastwagen oder Trecker, muss einer auf die Bankette ausweichen. Deshalb brechen die Straßenränder häufig von außen her auf, wie hier die K82 bei Nienborstel.

165 Kilometer sind in Rendsburg-Eckernförde in schlechtem Zustand.

shz.de von
19. Juni 2014, 10:59 Uhr

Jetzt haben es die Politiker schwarz auf weiß: 165 der 500 Kilometer Kreisstraßen sind in einem so schlechten Zustand, dass sie umgehend mit einer kompletten Deckenerneuerung saniert werden müssten. Das berichtete Ingo Kreutzfeldt vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr gestern dem Umwelt- und Bauausschuss im Kreishaus. Gegenüber der letzten Untersuchung des Landesbetriebs im Jahr 2009 sind demnach noch einmal 74 Kilometer in dieser Kategorie hinzugekommen. Den Sanierungsbedarf bezifferte er auf rund 37 Millionen Euro bis 2025. „Das wird die große finanzielle Herausforderung der nächsten zehn Jahre“, sagte Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer zur Landeszeitung.

Schlaglöcher, Risse, Wellenbildung, abbrechende Ränder – die Zustandserfassung betrifft ausschließlich die Fahrbahndecken. Je nachdem, wie groß die Schäden sind, hat der Landesbetrieb die Straßen in fünf Kategorien eingeteilt. 95 Kilometer sind seit 2009 in gutem Zustand geblieben. Die Strecken der mittleren Kategorien haben sich seitdem von 295 auf 240 Kilometer verringert. Als „schlecht“ und sogar „sehr schlecht“ waren damals 91 Kilometer eingestuft worden – heute sind es 165.

Den Zuwachs an Strecken in schlechtem Zustand erklärt Fachdienstleiter Hans-Joachim Paulsen mit dem zunehmenden Verkehr, besonders von Lastwagen und immer schwereren landwirtschaftlichen Maschinen. Das habe einen größeren Verschleiß der Kreisstraßen zur Folge, die zum Teil auf uralten Wegen aufbauten.

Zu den Straßen mit den stärksten Schäden zählen beispielsweise die Kreisstraße 44 zwischen Krummenort und dem Flugplatz Hohn, die K45 zwischen Nortorf und Brammer sowie die K30 zwischen Emkendorf und Schülldorf. Die K21 zwischen Todenbüttel und der L127 hingegen wird etwa weitgehend der besten Kategorie zugerechnet.

Die mittleren Kategorien haben nicht in dem Maße abgenommen wie die schlechteste Kategorie zugenommen hat. „Das liegt daran, dass der Kreis in den vergangenen Jahren zusätzliche Mittel für die Deckenerhaltung bereitgestellt hat“, sagte Kreutzfeldt. Am Ende der Stufen zeige sich jedoch der tatsächliche Sanierungsstau. „Mit den Finanzmitteln ist es gerade so zu schaffen, die guten Straßen auf einem entsprechenden Niveau zu halten“, erklärte Martin Kurowski vom Kreis-Bauamt im Gespräch mit der LZ. „Um das Streckennetz zu erhalten, brauchen wir in den nächsten zehn Jahren 3,7 Millionen Euro jährlich“, fasste Kurowski die Situation im Kreis zusammen. Damit würden die 165 Kilometer schlechter Straße zumindest nicht ansteigen. Den Anteil des Kreises schätzt das Bauamt auf rund 1,8 Millionen Euro jährlich, wenn das Land die Bauarbeiten zu 60 Prozent fördert. Zum Vergleich: In den Jahren 2011 bis 2013 sind jährlich 1,5 Millionen Euro in die Kreisstraßen gesteckt worden (Kreisanteil: 500 000 Euro). Im laufenden Jahr sind es insgesamt 3,1 Millionen, davon trägt der Kreis 1,4 Millionen.

„Das sind erschreckende Summen“, fasste der Vorsitzende des Umwelt- und Bauausschusses, Reimer Tank (CDU), die Stimmung zusammen. Jürgen Peter Speck (CDU) aus Alt Duvenstedt wurde deutlicher: „Was wir daraus lernen ist doch, dass wir deutlich mehr Geld in die Hand nehmen müssen, um einen besseren Zustand der Kreisstraßen zu erreichen.“ Nun muss darüber diskutiert werden, wie hoch diese Summe sein muss. Am Rande der Sitzung zeigte sich Armin Rösener (Grüne) sicher, dass deshalb auch über eine Erhöhung der Kreisumlage nachgedacht werden müsse: „Schließlich haben alle etwas von intakten Kreisstraßen. Auch der öffentliche Nahverkehr profitiert davon.“

Ingo Kreutzfeldt machte jedoch deutlich, dass eine Grenze nach oben berücksichtigt werden müsse, um die Kapazitäten des Landesbetriebs nicht zu überschreiten. „Wir müssen unsere Schularbeiten also ganz genau machen“, sagte Reimer Tank angesichts der komplizierten Lage.

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