Machtkampf : Sabrina Jacob wirft das Handtuch

Zwei Minuten nach der Wahl: Ex-Bürgermeisterin Sabrina Jacob und SPD-Fraktionsvorsitzender David Schacht.
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Zwei Minuten nach der Wahl: Ex-Bürgermeisterin Sabrina Jacob und SPD-Fraktionsvorsitzender David Schacht.

Nach der Bürgermeisterwahl: Unterlegene Kandidatin gibt Mandat zurück und übt Kritik an Wählergemeinschaft.

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17. Juni 2018, 10:35 Uhr

Schacht-Audorf | Nach ihrer Niederlage bei der Bürgermeisterwahl hat Sabrina Jacob (SPD) gestern ihren Rückzug aus der Politik in Schacht-Audorf angekündigt. „Ich gebe mein Mandat als Gemeindevertreterin zurück.“ Im Kreistag will sie weiter mitarbeiten. 52 Jahre hatte die SPD den Bürgermeister gestellt. Zwei Jahre war Jacob im Amt, bis die Gemeindevertretung am Donnerstag bei ihrer ersten Sitzung nach der Kommunalwahl Beate Nielsen (CDU) wählte (wir berichteten).

Die SPD hat neun, die CDU acht Sitze. Nielsen verdankte ihren Sieg den drei Stimmen der Allgemeinen Schacht-Audorfer Wählergemeinschaft (ASW). Jacob zufolge wusste die gesamte SPD bis zum Abend nicht, wie sich die ASW entscheidet. „Die ASW und die CDU haben sich abgesprochen.“ Das will Jacob aus Äußerungen von ASW-Mitgliedern kurz vor Sitzungsbeginn herausgehört haben. Nach der Abstimmung beantragte sie eine Pause und zog sich für etwa 15 Minuten zurück. „Ich bin sehr enttäuscht. Das war eine miese Grätsche von hinten. So geht man nicht miteinander um. Von uns wurde erwartet, offen aufeinander zuzugehen. Das ist keine Einbahnstraße.“

Die ASW-Fraktionsvorsitzende Christiane Retzlaff entgegnete: „Es war kein Geheimnis.“ Nach Gesprächen mit beiden Parteien habe nur die CDU Interesse an einem Bündnis signalisiert. „Die SPD hat sich nicht gemeldet.“ Jacob hätte Tage vor der Wahl bei interfraktionellen Planungen zur Besetzung der Ausschüsse sehen können, dass die CDU bei einem Sieg von Nielsen der ASW Posten abgeben wollte. Solche Angebote seien von der SPD nicht gekommen. Jacob rückte in der Sitzung nach ihrer Niederlage von den Absprachen ab und beantragte die Wahl der Ausschussmitglieder.

Retzlaff: „Wir haben uns die politische Entscheidung in den vergangenen Wochen nicht leicht gemacht.“ Sie bescheinigte Jacob eine gute Arbeit. Die ASW habe aber gegen sie gestimmt, um das „politische Gleichgewicht wieder herzustellen“. „Wir haben die Chance für eine Wende gehabt und haben sie genutzt.“ Die Nähe zwischen ASW und CDU sei groß. Beide wollen vor einer Sanierung der Dorfstraße eine Abschaffung der Ausbaubeiträge prüfen. Die von der SPD angestrebte Campingplatz-Erweiterung lehnen sie ab.

Nielsen brachte ihre Freude über ihren Sieg zum Ausdruck: „Ich stelle mich gern der neuen Aufgabe.“ CDU und ASW hätten viele Jahre gemeinsam in der Opposition zusammengearbeitet. „Das verbindet sehr.“

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