Rendsburg : Rund 400 Lehrstellen sind noch frei

Im Bäckerhandwerk sind im Kreisgebiet noch zwölf stellen frei.
Im Bäckerhandwerk sind im Kreisgebiet noch zwölf stellen frei.

Besonders im Einzelhandel werden viele Auszubildende gesucht. Arbeitsagentur wirbt bei Unternehmen für Bewerber mit schlechten Noten.

shz.de von
24. Juli 2015, 06:00 Uhr

Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres am 1. August gibt es im Kreis Rendsburg-Eckernförde noch rund 400 freie Lehrstellen. Diese Lücke entsteht nach Angaben der Arbeitsagentur einerseits, weil Jugendliche nicht über den Tellerrand ihres Wunschberufes hinaus schauen. Andererseits haben viele Bewerber zu schlechte Noten in ihren Zeugnissen, sodass die Unternehmen kein Interesse an ihnen haben. Deshalb fordert die Agentur die Arbeitgeber auf, auch schwache Absolventen zu Vorstellungsgesprächen einzuladen – und bietet ihnen Ausbildungsassistenten an.

Die größte Kluft gibt es im Einzelhandel: Allein im Ausbildungsberuf zur Verkäuferin sind noch 110 Stellen frei. Auch angehende Kaufleute im Einzelhandel werden noch in 62 Fällen gesucht. Hinter dem Tresen von Bäckereifilialen wollen viele junge Leute auch nicht stehen, denn im Ausbildungsberuf Bäckereifachverkäufer sind noch 75 Stellen unbesetzt. Die Backstube selbst scheint beliebter zu sein: Dort suchen nur zwölf Meister noch einen Lehrling.

Auch am Gastronomiegewerbe ist das Interesse nicht sonderlich hoch. Dort werden noch 29 Auszubildende zu Restaurantfachleuten gesucht, unter Hotelfachleuten sind es 27. Auf eine Lehre zum Koch haben noch 33 junge Menschen eine Chance.

Die Situation bessert sich nur langsam. Ende Juni waren es noch 589 unbesetzte Stellen im Kreis. Die Agentur für Arbeit Neumünster hat festgestellt, dass die Berufswünsche der Jugendlichen häufig nicht mit dem Angebot an Ausbildungsstellen übereinstimmen. „Es besteht dann oftmals nicht die Bereitschaft, über berufliche Alternativen nachzudenken“, teilt Andrea Julke, Sprecherin der Agentur, mit. Einen weiteren Grund sieht die Arbeitsagentur darin, dass die Schulabgänger schlichtweg nicht mit dem Bus zur Arbeit fahren können, weil die richtige Verbindung fehlt. „Da viele Jugendliche auf dem Land wohnen und noch nicht selbst mobil sind, sind sie auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Diese passen dann nicht zu den Arbeitszeiten im Betrieb“, so Julke.

Ein dritter Grund für die hohe Zahl offener Stellen sind schlechte Zensuren: „Bewerberprofile passen nicht immer zu den Anforderungen der Arbeitgeber. Für diesen Fall appellieren wir an Arbeitgeber, auch schwächeren Bewerbern eine Chance zu geben“, sagt Andrea Julke. Diese Jugendlichen haben ihr zufolge „auf den zweiten Blick oft mehr drauf“. Nicht immer spiegeln Schulnoten deren Stärken wider. Gerade diese Bewerber brauchten eine Chance, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Arbeitgebern, die das versuchen wollen, bietet die Agentur die „assistierte Ausbildung“ an, damit die Jugendlichen ihre Lehre abschließen können. Dazu erhalten sie Nachhilfe, unter anderem zum Abbau von Sprachdefiziten, wenn es sich um Ausländer handelt. „Die Unterstützung wird individuell auf die Bedürfnisse des Betriebes ausgerichtet“, heißt es in einem Informationsblatt der „assistierten Ausbildung“.

In den bei Jugendlichen ohnehin beliebten Berufen ist die Lücke um einiges kleiner. So werden im gesamten Kreis Rendsburg-Eckernförde derzeit nur acht Lehrlinge zum Kraftfahrzeugmechatroniker gesucht. Auch Stellen als angehende Floristen, Industriekaufleute und Zahntechniker sind rar – hier ist nur jeweils eine noch frei. Ebenso sieht es in der Altenpflege aus.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen