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Landeszeitung

11. Dezember 2017 | 20:35 Uhr

Insolvenz : Ruinöse Immobilien-Geschäfte

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Nach der Insolvenz von vier Firmen der Rendsburger Unternehmensgruppe Hartmann und Partner ergeben sich Fragen. Wie konnte es dazu kommen? Was wird aus den Mitarbeitern? Welche Auswirkungen gibt es für Versicherungsnehmer, für die die Hartmann-Gruppe als Makler tätig war? Und wie geht es weiter mit dem Uhrenblock?

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erstellt am 21.Sep.2013 | 12:08 Uhr

Nach der Insolvenz von vier Firmen der Rendsburger Unternehmensgruppe Hartmann und Partner ergeben sich Fragen. Wie konnte es dazu kommen? Was wird aus den Mitarbeitern? Welche Auswirkungen gibt es für Versicherungsnehmer, für die die Hartmann-Gruppe als Makler tätig war? Und: Wie geht es weiter mit dem Uhrenblock, einem prägenden Gebäude in Rendsburg?

Von dem Insolvenzantrag betroffen sind die Hartmann und Partner Holding GmbH, der Wirtschaftsdienst für das Schornsteinfegerhandwerk und die Versicherungsdienste GmbH sowie die Union Service GmbH. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Amtsgericht Neumünster den Rechtsanwalt Justus von Buchwaldt.

„Die drei in der Holding angesiedelten Unternehmen sind wirtschaftlich intakt und erzielen jährlich ansehnliche Ergebnisse“, sagte der Rechtsanwalt. Das Problem: Das Geld wurde an die Muttergesellschaft abgeliefert. Dietmar Hartmann, der Gesellschafter der Holding, hat dem Unternehmen in den vergangenen Jahren für Immobiliengeschäfte in erheblichem Maße liquide Mittel als eigentlich rückzahlbare Darlehen entzogen und die Gesellschaft stark verschuldet, heißt es in einer Pressemitteilung des Insolvenzverwalters.

Die bekannteste Hartmann-Immobilie ist die Blomenburg bei Selent. Das ehemalige Jagdschloss wurde bis 2004 mit Millionenaufwand saniert und zu einem Technologiezentrum ausgebaut. Die Kalkulation sah eine Auslastung von 80 Prozent vor – in der Realität waren es 30 Prozent. Die Insolvenz folgte 2009. Auch die Vermarktung von 180 voll erschlossenen Grundstücken nahe der Blomenburg wurde zu einem Millionengrab. Es gab genügend Interessenten. Zu Vertragsunterschriften aber kam es kaum, weil Hartmann den neuen Eigentümern seine Vorstellungen von der Grundstücks- und Hausgestaltung vorschreiben wollte. Zu Hartmanns Immobilien in Rendsburg gehören unter anderem Geschäftshäuser in der Hollesenstraße, Wohnhäuser in Eidernähe, ein großer Gebäudekomplex in der Graf von Stauffenberg-Straße und der Uhrenblock in der Kaiserstraße, der zu den prächtigsten Gebäuden in der Stadt gehört. Die Familie Hartmann übernahm das riesige Haus mit 8500 Quadratmetern Nutzfläche 1982 und ließ es aufwändig restaurieren. Knapp die Hälfte des Hauses wird für Wohnungen genutzt, es gibt Arzt- und Anwaltspraxen, ein Restaurant und ein Fitness-Studio. Der Uhrenblock ist zudem Hauptsitz der Hartmann und Partner-Holding – alle Gebäude und Grundstücke sollen bis über ihren Wert hinaus belastet sein. Für den Insolvenzverwalter sind die Immobilien kein Thema. „Der Uhrenblock ist voll vermietet und stellt wohl kein Problem dar“, sagte Justus von Buchwaldt.

Der vorläufige Insolvenzverwalter hat für die knapp 100 Beschäftigen Insolvenzgeld beantragt, rund 100 Versicherungen über die Entwicklung informiert und bereits Gespräche mit möglichen Käufern geführt. Auf die Versicherungsnehmer hat das Verfahren keinen Einfluss. Sie haben ihre Verträge direkt mit den Versicherungen geschlossen. Die Hartmann-Gruppe trat nur als Maklerin auf und bekam dafür Provisionen.

„Ich bin zuversichtlich, dass es bis zur Verfahrenseröffnung der Insolvenz am 1. November zu Abschlüssen kommt“, sagte von Buchwaldt. Bis dahin wird der Betrieb wie gewohnt fortgesetzt.

Wie es danach mit den belasteten Hartmann-Immobilien weitergeht, ist noch ungeklärt.

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