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Lesung in Gross Vollstedt : Rühmkorfs Briefwechsel – gelesen von zwei Weggefährten

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

2008 starb der Peter Rühmkorf. Sein Briefwechsel mit Marcel Reich-Ranicki ist jetzt als Buch erschienen – und wurde von zwei Männern gelesen, die ihn beide gekannt haben.

Seine Position machte Stephan Opitz gleich zu Anfang deutlich: „Ich bin hier Partei. Peter Rühmkorf war ein richtig großer Dichter“. Der Kieler Literaturprofessor hatte den Lyriker und Essayisten gekannt, war mit ihm gut befreundet gewesen. Jetzt ist er einer von zwei Testamentsvollstreckern des 2008 gestorbenen Rühmkorfs, hat jene 287 Briefe gesichtet, die dieser mit Marcel Reich-Ranicki gewechselt hat, und die Korrespondenz in einem Buch veröffentlicht, das vielfach amüsant einen Blick auf ein Kapitel deutscher Literaturgeschichte liefert. Unterhaltsam war auch die Lesung aus „Der Briefwechsel“ im Landgasthof in Groß Vollstedt, bei der Opitz den Part von Reich-Ranicki übernahm (mit leicht rollendem R), und Frank Trende jenen von Peter Rühmkorf.

Auch der in Groß Vollstedt lebende Autor und Landeskundler Trende kannte den Dichter. Er war persönlicher Referent unter der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin Eva Rühmkorf und wird im Buch erwähnt. Als der Sozialdemokrat später für den CDU-Ministerpräsidenten Reden schreiben musste, kommentierte der Dichter dies mit den Worten: „Frank, hör auf zu jammern. Wir sind beide nur Arbeiter. Ich muss auch für die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreiben.“

Ein Los, das Rühmkorf immer wieder beklagte – obwohl er von Reich-Ranicki, dem damaligen Leiter der FAZ-Literaturredaktion, sowohl als Rezensent als auch als Lyriker geschätzt wurde. „Mein Lieber, das ist sicher, Sie schreiben wunderbare Briefe“, bescheinigte ihm der „Literaturpapst“ außerdem und fügte – wie unter die meisten Schreiben – hinzu: „Es grüßt Sie herzlichst Ihr Marcel Reich“. Rühmkorf wiederum titulierte ihn als „Sehr geehrter Herr Ranicki“. Denn, so betonte Stephan Opitz, „dieser Briefwechsel dokumentiert keine Freundschaft, sondern Arbeit für und mit Literatur“.

Da fordert Ranicki wiederholt Texte ein („Ich lese Ihre Briefe sehr gern, aber Ihre druckbaren Manuskripte wären mir lieber“), fühlt sich der Dichter zu Unrecht gedrängt („Weil ich nie etwas hinwichse, sondern immer Grundlagenforschung mitliefre“). Beide sind Meister des Wortes. Es entsteht ein Briefwechsel, der die Besucher im voll besetzten Saal des Landgasthofes zum Nachdenken und Schmunzeln brachte, so dass sie nach nur einer Stunde keineswegs genug gehört hatten. „Die Ehepaare haben sich geschätzt, das wissen wir aus Erzählungen von beiden Seiten“, erklärte Stephan Opitz. Dennoch kam es 2000 zu einem Bruch, der erst fünf Jahre später wieder gekittet wurde – auch dies durch den Schriftverkehr dokumentiert.

So wie Rühmkorf von Ranicki gefördert wurde, wurde auch der Abend im Landgasthof gefördert – von der Sparkasse Mittelholstein sowie dem Handel- und Gewerbeverein. Eine gute Tat.

> „Der Briefwechsel“, herausgegeben von Stephan Opitz und Christoph Hilse, 334 Seiten, Wallstein Verlag, 22,90 Euro

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erstellt am 27.Apr.2015 | 18:31 Uhr

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