Historie : „Royal Navy“ demonstrierte ihre Macht

Gegen 14 Uhr am 11. November 1918 passierte das 170 Meter lange Schlachtschiff „Hercules“ auf dem Weg nach Kiel die Stadt Rendsburg. Das Schiff galt als Stolz der britischen Marine. Diese Zeichnung wurde am 25. Januar 1919 in der Londoner Wochenzeitschrift „Sphere“ veröffentlicht. Wie die Redaktion schrieb, ist die Zeichnung nach der Skizze eines Augenzeugen angefertigt worden.
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Gegen 14 Uhr am 11. November 1918 passierte das 170 Meter lange Schlachtschiff „Hercules“ auf dem Weg nach Kiel die Stadt Rendsburg. Das Schiff galt als Stolz der britischen Marine. Diese Zeichnung wurde am 25. Januar 1919 in der Londoner Wochenzeitschrift „Sphere“ veröffentlicht. Wie die Redaktion schrieb, ist die Zeichnung nach der Skizze eines Augenzeugen angefertigt worden.

Vor 100 Jahren: Schlachtschiff passierte Rendsburg

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20. Februar 2018, 10:25 Uhr

Das war keine gewöhnliche Kanalpassage, wie sie die Rendsburger tagtäglich erleben, sondern eine wahre Machtdemonstration, als am Mittwoch, 11. Dezember 1918, das nahezu 170 Meter lange britische Schlachtschiff „Hercules“ in Begleitung von nicht weniger als vier Zerstörern durch den „Kiel Canal“ in Richtung Kiel pflügte. Damit wollte die Royal Navy des Vereinigten Königreiches stellvertretend für die Alliierten der deutschen Politik und der Öffentlichkeit vor Augen führen: Hier kommen wir, die Sieger!

Genau einen Monat zuvor, also am 11. November 1918, war mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens zwischen dem Deutschen Reich und den alliierten Mächten der Erste Weltkrieg nach vier Jahren und 16 Millionen Toten zu Ende gegangen. Die Siegermächte stellten eine Reihe von Bedingungen, deren Einhaltung von Kommissionen überwacht werden sollten. Um die Marinekommission der Entente in die deutschen Kriegshäfen Wilhelmshaven und Kiel zu bringen, wurde demonstrativ ein Flottenverband zusammengestellt mit dem Schlachtschiff „Hercules“ im Zentrum – ganzer Stolz der britischen Marine. Am 3. Dezember 1918 verließ die Gruppe ihren Stützpunkt in Schottland mit dem ersten Ziel Wilhelmshaven. Die Inspektion dort nahm mehrere Tage in Anspruch. In Wilhelmshaven wie auch später in Kiel lehnte es die Kommission ab, mit Soldatenräten zu verhandeln.

Bei der Fahrt durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal passierten das von vier Schrauben angetrieben Schlachtschiff und seine Begleitung gegen zwei Uhr mittags Rendsburg – ein Schauspiel der besonderen Art für die Menschen, die das Ufer auf der Stadtseite bevölkerten. Am frühen Abend wurde Kiel erreicht. „Die Passage des Kiel Canals war ein ebenso denkwürdiges wie historisches Ereignis“, schrieb ein britischer Marineoffizier später in seinen Erinnerungen.

Und: „Die Leute an den Ufern waren meistens eher gleichgültig als neugierig, aber winkende Hände und Lächeln von Frauen und Kindern waren keineswegs selten. An den Ufern waren auch Kriegsgefangene zu sehen, meist Russen, aber in der Nähe der hohen Brücke bei Rendsburg raste ein langer Eisenbahnzug mit vermutlich heimkehrenden britischen Soldaten, die uns zujubelten und Fahnen schwenkten.“

Im Gegensatz zu den deutschen Zeitungen berichteten die britischen Blätter und Magazine ausführlich über den Auftrag der Marinekommission in Deutschland und die Fahrt der „Hercules“. Dabei stand die Kanalpassage im Mittelpunkt. Die Londoner Wochenzeitschrift „Sphere“ mit dem Untertitel „An Illustrated Newspaper for the Home“ veröffentlichte den Beitrag am 25. Januar 1919 und ergänzte ihn um eine ganzseitige Zeichnung. Darauf ist das Schlachtschiff „Hercules“ mit der markanten Hochbrücke im Hintergrund zu sehen. Am rechten Bildrand sieht man – wie vom Zeitzeugen beschrieben – Menschen, die mit Hüten und Tüchern den Schiffsbesatzungen zuwinken. Ein ähnliches Motiv stellte die „Birmingham Gazette“ in ihrer Ausgabe vom 24. Dezember 1918 auf die Titelseite.

Das erst fünf Jahre zuvor fertiggestellte Brückenbauwerk, ein wahres Meisterwerk der Ingenieursbaukunst, schien das besondere Interesse der Sea-Lords von der Insel gefunden zu haben.

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