Santa Claus vom Kanal : Rot-Weiß-Bart – Möhdings Paraderolle

Der Rendsburger Weihnachtsmann mit einem der Wunschzettel, die ihm die Kinder jedes Jahr massenhaft zukommen lassen. Ob die Wünsche erfüllt werden, stellt sich am 24. Dezember heraus.
Der Rendsburger Weihnachtsmann mit einem der Wunschzettel, die ihm die Kinder jedes Jahr massenhaft zukommen lassen. Ob die Wünsche erfüllt werden, stellt sich am 24. Dezember heraus.

Dieser Rauschebart ist in der Stadt weltberühmt: Auf den vielleicht beliebtesten Rendsburger wartet an den Weihnachtstagen wieder Schwerstarbeit.

shz.de von
24. Dezember 2017, 08:00 Uhr

Der Mann hat magische Kräfte. Er verzaubert die Menschen. Wenn der Weihnachtsmann durch die Rendsburger Innenstadt spaziert, verändert sich die Mimik der Passanten sofort. Selbst mürrisch dreinschauende Zeitgenossen können sich ein Lachen nicht verkneifen. Eine Kitagruppe beobachtet die Gestalt in Rot mit kollektiver Faszination. Väter bitten um ein Foto ihrer Kinder Seite an Seite mit dem Rauschebart. Alteingesessene Rendsburger, die ihn gut kennen, rufen aus der Entfernung „Hallo, Weihnachtsmann!“ und winken. Lothar Möhding grüßt zurück, winkt ebenfalls und lacht. Sein größtes Geschenk ist die Fröhlichkeit.

Bereits im fünften Jahrzehnt schlüpft der 70-jährige Rendsburger in seine Paraderolle. Sie ist ihm wie auf den Leib geschrieben. Der Bart ist echt, die Aura auch. Alle Jahre wieder schultert Möhding den Jutesack, poliert die Stiefel, zupft die Pelerine zurecht, eine Art Schulterumhang mit Kapuze, und stapft durch die Innenstadt, um Groß und Klein zu beglücken. Der Heilige Abend morgen ist für den Santa Claus vom Kanal der Höhepunkt des Winterhalbjahrs. „Ich schaffe das Pensum nur, weil ich in der heiligen Nacht mit meinem Schlitten und mit Rudi fliegen kann. Sonst könnte ich gar nicht so viele Kinder besuchen.“ Rudi, das Rentier, transportiert die Geschenke. Möhding bringt die Herzenswärme. Die trägt er in sich.

Wer den Ratsherrn in der Nebenrolle seines Lebens live erleben will, hat in diesem Jahr nur noch heute und morgen Gelegenheit. Am Sonnabend hat sich der Weihnachtsmann im Büdelsdorfer Rondo angekündigt. Von 11 bis 14 Uhr können Kinder in der Mall des Einkaufszentrums basteln, ab 14.30 Uhr wird ein Knusperhäuschen zum Abriss freigegeben. Die Süßigkeiten dürfen geplündert werden. Dazu erzählt Lothar Möhding Geschichten. Ab 16 Uhr dreht Liedermacher Stefan Schauer die Musik auf. Große und kleine Besucher sind zum Mitsingen und Tanzen eingeladen.

Am darauffolgenden Tag, Heiligabend von 10.30 bis 11.30 Uhr, besucht der Weihnachtsmann den Schiffbrückenplatz. „Es gibt Süßes, nix Saures“, verspricht er. Nach der Visite an der Eisbahn bleiben ihm und Rentier Rudi ein paar Stunden, um Kraft zu schöpfen für die Hausbesuche am Nachmittag und frühen Abend. Die Stationen? Weiß der Himmel. In den vergangenen Jahren führte die Route über Borgstedt, Fockbek und Nübbel nach Rendsburg, unter anderem in die Stadtteile Hoheluft und Parksiedlung. Beschert wird im 20-Minuten-Rhythmus. Kinderwünsche nimmt der Weihnachtsmann auch noch am Tag vor Heiligabend entgegen. Und das geht so: „Wunschzettel abends auf die Fensterbank legen – und wenn er am nächsten Morgen nicht mehr da ist, haben die Wichtel ihn mitgenommen“, verrät Möhding. Funktioniert aber nur bei artigen Kindern. Und bei Gabenbringern wie Lothar Möhding. Für den Busfahrer im Ruhestand ist es bereits die 43. Saison – und nicht die letzte. Vier Jahre will er noch dranhängen, bis zum „75.“. Und danach? Weihnachten ohne Möhding mit Rot-Weiß-Bart? Aus „Ho-ho-ho!“ würde „Oh-oh-oh!“ Dieses traurige Bild mag sich kein Rendsburger ausmalen.

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