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Rost-Befall Lauf-Kundschaft Ausschalt-Knopf

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Rost frisst Geld. Die heruntergekommene Brücke über dem Sundewitter Weg reißt den Rendsburger Haushalt weiter in die Tiefe. Der Übergang innerhalb der Schleife muss ersetzt werden, und ein fast 60 Jahre alter Vertrag verpflichtet die Stadt dazu, die Hälfte der Kosten zu übernehmen. 1,4 Millionen Euro aus dem Nichts – für einen Schaden, der an anderer Stelle, nämlich bei der Deutschen Bahn, verursacht wurde. Die Brücke wurde schlicht vernachlässigt. Wäre sie wie die Eisenbahnhochbrücke rechtzeitig gepflegt worden, müsste man jetzt keinen Neubau finanzieren. Nun ist der Schaden da, und Rendsburg zieht den Schwarzen Peter. Bleibt zu hoffen, dass das Teil bis zum Beginn der Bauarbeiten noch hält. Die Bahn beruhigt: alles sicher, die Züge können fahren. Wer die Brücke aus der Nähe betrachtet, bekommt Zweifel. Jedes Auto mit einem solchen Rostbefall wäre längst aus dem Verkehr gezogen worden.

Die Entwicklung der Innenstadt ist so, wie sie ist. So lange das Hertie-Haus eine Ruine bleibt, wird es der südliche Teil des Zentrums schwer haben, den Trend zum Leerstand umzukehren. Es liegt ja auch nicht allein an der Kaufhaus-Immobilie, dass die Laufkundschaft wegbleibt. Städte in ganz Deutschland haben mit diesem Problem zu kämpfen. Der Initiative einiger Geschäftsleute rund um den Altstädter Markt ist zu wünschen, dass sie Früchte trägt. Der gemütliche Platz ist viel zu schade, um vom Treiben in der Stadt abgehängt zu werden. Immerhin, eine positive Nachricht kommt vom Stadtsee-Ufer: Die Post versicherte, dem Standort am Jungfernstieg treu bleiben zu wollen, obwohl am Gebäude „Zu verkaufen“-Schilder kleben. Man habe noch lange gültige Mietverträge, die man erfüllen wolle, so ein Sprecher.

Einige Besonderheiten der Stadt nehmen die Rendsburger schon gar nicht mehr wahr. Kaum ein Bürger schert sich noch um das Glockenspiel am Alten Rathaus. Völlig zu Unrecht – wie unsere Kollegin bei ihren Recherchen zur Titelgeschichte feststellte. Als Bürgermeister Pierre Gilgenast mit ihr in den Dachstuhl stieg, um sich das Glockenspiel aus der Nähe anzusehen, zog der Verwaltungschef alte Zeitungsausschnitte hervor. Einer erschien 1974, zwei Jahre vor der Einweihung des Instruments. Die Rendsburger waren um Vorschläge gebeten worden, welche Melodien am Alten Rathaus erklingen sollten. Einige empfahlen, an den Tagen der Ratsversammlung „Üb immer Treu und Redlichkeit“, „Wer soll das bezahlen“ und „Hätten wir lieber das Geld vergraben“ spielen zu lassen. Aus heutiger Sicht ist dieser Liste nun wirklich nichts hinzuzufügen.

Und dann hatte unsere Kollegin noch eine Spezialfrage: Sie habe gehört, dass es im Ratssaal einen Knopf gibt, mit dem man das Bimmeln während der Sitzungen ausschalten kann, damit die Gespräche nicht gestört werden. Gilgenast schaute sie an, lachte und antwortete: Nein, aber wenn es einen solchen Knopf geben würde, dann würde man die Glocken bei gewissen Wortbeiträgen eher an- als ausschalten. Wohl wahr.

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erstellt am 08.Aug.2014 | 11:59 Uhr

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