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Super-Stimmung in der Nordmarkhalle : Rock-Fans wollen „Tempel“ behalten

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Charly-Schreckschuss-Band und Zuschauer sind sich einig: Geschichtsträchtiger Veranstaltungsort soll erhalten bleiben.

„Die Legende lebt!“ Treffender lässt sich der Auftritt der Charly-Schreckschuss-Band im Bullentempel nicht charakterisieren. Das soll es künftig nicht mehr geben? Ein letztes Aufbäumen vor dem Schluss? „Der Bullentempel sagt Tschüss“. Das große Abschlusskonzert soll am 27. Dezember stattfinden. Ein Glück, dass damit nicht die Charly-Schreckschuss-Band gemeint ist, sondern das voraussichtliche Ende der Bullentempel-Kneipe. „Unser eventuell letztes Konzert im Bullentempel. Wollen wir das?“ fragte Charly Beutin das Publikum vorab. Deutlich und laut vernehmbar war das „Nein“ aus dem Publikum. Auch eine deutliche Forderung an die Stadtverwaltung, diesen besonderen und für Rendsburg typischen Kulturort unbedingt zu erhalten. Er ist beliebt und keinesfalls so renovierungsbedürftig wie das Haus. „Hier wurde und wird Rendsburger Rockgeschichte gelebt, und das soll auch weiter so sein“ sind Charly Beutin und seine große Fangemeinde überzeugt.

Dass diese Forderung begründet ist, zeigten Charly Beutin und seine Mannen. Von der ersten Sekunde an wurde auf feinste Weise gerockt und gejazzt, wurden gekonnt Grenzen überschritten, deutsche Texte mit Tiefgang und persönlichem Zeitbezug gesungen. Sogar Scat-Jazz-Stimmenakrobatik von Charly Beutin kam darin vor. Alles selbst getextet und komponiert: Das Leben eines aktiven Musikermenschen, mit Höhen und Tiefen, Träumen und Enttäuschungen. Ein Gedankenfilm aus 40 Jahren, in bester Art handgemacht und bis zur kontrollierten Ekstase von der Band gelebt: Musiker-Urgesteine, die sichtlich große Freude daran hatten, sich und das Publikum mit auf Gedankenreisen zu nehmen und sich dabei auch selbst virtuos herauszufordern. Einmalig! Alle spielten alles auswendig. Der kraftvolle, transparente, auch laute Live-Sound war schon eine Extra-Klasse für sich, erzwang ganz anderes Musikerleben als der sonst so weit verbreitete Klangnebel aus dem Smartphone.

Beutin und seine Band verständigten sich unmerklich, aber perfekt: Egal ob E-Piano/Akkordeon-, Gitarren-, Schlagzeug-, Bass-, Gitarrensolo oder Improvisation: Alles funkte auf den Punkt genau zusammen. Ein Vorbild erster Güte. Dafür gab es Kennerbeifall zwischendrin. Dazu die ungewohnt musikalische Breite und Abwechslung im Programm, das auch Schmusetitel und Mitklatsch-Songs sowie Jazzig-Swingendes bot.

Auch Helge Schmid (58) aus Rendsburg gehört zu den Fans von Charly Beutin und der Schreckschuss-Band. „Früher gefiel mir der Name „Schreckschuss“ nicht. Erst nach einer Massage bei Rainer Beutin habe ich verstanden, was dahinter steckt: Gute, handgemachte Musik, tolle Musiker und unheimlich viel Herzblut! Ich bin froh, dass man das hier hören kann und dass Rendsburg so eine Begegnungsstätte hat. Das darf man nicht aufs Spiel setzen.“

Drei Zugaben. Die dritte ungeplant. „Jeden Tag hab ich den Blues, ob es mir mies geht oder gut, er klopft an meiner Tür und sagt ich will herein..., ja hast Du den Blues, dann bist Du nie mehr allein.“ Eine kraftvolle Ermutigung, sich dem Schicksal nicht hinzugeben. Damit waren sich alle einig: Es wäre fatal, wenn es diesen geschichtsträchtigen Konzertort nicht mehr gäbe. An Charly Beutin soll es nicht liegen: Er macht mit seiner Schreckschuss-Band weiter, würde – wenn es denn passt – im nächsten Jahr sehr gern wieder im Bullentempel auftreten.

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