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Im Spinnhus : Robby und Charlie liefern die Wolle

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Im Wapelfelder „Spinnhus“ verarbeitet Karin Teske nicht nur die Wolle von Schafen, sondern auch von Border Collies. An 30 alten Spinnrädern kann die alte Handwerkskunst erlernt werden. Außerdem webt Karin Teske Stoffe und schneidert daraus Mode.

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erstellt am 17.Okt.2013 | 06:00 Uhr

„Spinnen hat einfach etwas Mystisches.“ Das steht für Karin Teske fest, die sich mit ihrem „Spinnhus“ einen lang gehegten Traum erfüllt hat. Genauer gesagt: „Ich hab mir das Handwerkszeug für das Ausleben meines Traums erworben.“ So richtig werden die Träume von Karin Teske erst dann wahr, wenn sich ihr „Spinnhus“ nun mit vielen Gleichgesinnten füllt, denen sie das Spinnen und Weben beibringen sowie Sagen und Märchen zum Thema Spinnen erzählen kann.

„Ich spinne seit 2006“, sagt Karin Teske, „da war ich Ende 40 und wollte was Neues versuchen.“ Auch in beruflicher Hinsicht gab es zu dieser Zeit eine grundlegende Veränderung für die gebürtige Berlinerin: Bis dahin in der Rechtsabteilung der Berliner Stadtreinigungsbetriebe angestellt, ließ sich Karin Teske zur Frauenvertreterin des großen Kommunalunternehmens wählen und absolvierte zusätzlich eine Ausbildung zur Mediatorin. Auch die eigene Freizeitgestaltung wurde umgekrempelt. Die Landesdamenleiterin der Sportschützen Berlin-Brandenburg hängte ihre Sport- und Jagdflinten an den Nagel und fing an, „alte Dinge zu sammeln“, nämlich Spinnräder. In der Wollwerkstatt der Zitadelle in Berlin-Spandau erlernte Karin Teske das Spinnen und Weben.

„Früher war ich Sportschützin und Jägerin, und von da an hab ich nur noch gesponnen“, erzählt Karin Teske, die immer noch von ihren wöchentlichen Kurstreffen in der Spandauer Zitadelle schwärmt: „Da hat man nicht nur das Spinnen gelernt, sondern konnte auch runterfahren und den Kopf frei bekommen.“ Genau diese Erfahrung wollte Karin Teske gern auch anderen Menschen vermitteln; es sollten aber noch sieben Jahre vergehen, bis sie ihr eigenes „Spinnhus“ eröffnen konnte.

Nachdem sie bereits seit 2001 ein Wochenendhaus in Wapelfeld besaßen, entschlossen sich Karin Teske und ihr (Anfang 2013 verstorbener) Ehemann im vergangenen Jahr, ganz nach Wapelfeld zu ziehen und sich dort ein neues Eigenheim zu bauen: eben jenes „Spinnhus“, von dem Karin Teske schon so lange geträumt hatte. Der Neubau sei nun mehr ein „Spinnschloss“ geworden, meint die Berlinerin mit Blick auf ihr neues Zuhause, das ausreichend Platz für ihre inzwischen auf über 30 Exemplare angewachsene Spinnräder-Sammlung bietet. Das Wollvlies, das als Ausgangsmaterial fürs Spinnen benötigt wird, liefern die Nachbarschafe von Hans Deising und die Schafe der Arche Warder, bei deren Schafschurtagen Karin Teske Stammgast ist. „Ich bin nun auch auf den Hunde gekommen“, merkt die Neu-Wapelfelderin mit Blick auf den Schal an, den sie aus den Haaren der Nachbar-Border-Collies „Robbie“ und „Charly“ angefertigt hat.

Das beim Spinnen fabrizierte Wollgarn verarbeitet Karin Teske auch gleich weiter, indem sie Westen, Jacken und Socken strickt, während an Webstuhl und Webrahmen vorwiegend Schals, Stolen und Capes entstehen. Rohmaterial für Knöpfe besorgt sich die Spinnexpertin am Fleischtresen von Edeka, wo sie nach geeigneten Rinderknochen Ausschau hält, die sie dann in „norddeutsches Elfenbein“ umfunktioniert. Karin Teske erzählt gern Sagen und Märchen rund ums Spinnen, hat auf diese Weise unter anderem eine „Zeit für Erinnerung“ der Kirchengemeinde Hohenwestedt (2008) gestaltet und war auch schon ehrenamtlich im „Haus Lerchenfeld“ der Cura in Hohenwestedt und im „Meritus-Haus“ in Osterrönfeld zu Gast.

Das Kursprogramm im Spinnhus verspricht „Spinnen + Weben + Mehr“ und richtet sich an alle, die lernen möchten, wie man „selbst den Faden spinnt, das Tuch webt oder das Gesponnene und Gewebte zu einem schicken Kleidungsstück verarbeitet.“ „Aus eigener Freude möchte ich anderen Menschen dieses wunderschöne alte Handwerk näher bringen: von Anfang bis Ende, vom geschorenen Schaf bis zum fertigen Kleidungsstück“, sagt Teske, „das ist das Entschleunigungsprogramm von Wapelfeld.“


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