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American Football : Ritter ohne Furcht und Tadel

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die neu gegründeten Knights stehen in den Startlöchern. In diesem Jahr gehen erstmals American Footballer aus Rendsburg an den Start.

Das klassische Bild eines Ritters hat jeder vor Augen: kräftige Männer mit Helm und Schwert in metallischer Rüstung. Der Vergleich zum American Football liegt nahe, allerdings kommen diese „modernen Ritter des Sports“ mir ihrem Schutzpanzer und ihrem Helm ohne Schwert daher. Das Arbeitsgerät der Footballer ist ein eiförmiger Ball. Und der fliegt zukünftig auch durch Rendsburg.

Der 14. Mai 2013 wird als der Tag in die Geschichte eingehen, an dem sich der erste Football-Verein in Rendsburg gegründet hat – die Rendsburg Knights. Ein Name, der in der alten Garnisonsstadt Rendsburg auf der Hand liegt und weniger mit dem eingangs angestellten Vergleich zu tun hat. Im anstehenden Frühjahr starten die Rendsburger in ihre Premierensaison. In der Landesliga des American Football-Verbandes Schleswig-Holstein (AFVSH) gehen die Knights dann auf die Jagd nach Touchdowns und Fieldgoals.

Der Weg dorthin aber war, ist und bleibt äußerst beschwerlich, wie Georg Ahrens zu berichten weiß. Der frisch gewählte 1. Vorsitzende des neuen Vereins runzelt die Stirn, wenn er über die Hindernisse spricht, die es zu überwinden galt. Zunächst mussten die Mitgliedschaften im Landes- und Kreissportverband organisiert werden, um im AFVSH aufgenommen zu werden. „Wir sind ja keine Sparte eines bereits existierenden Clubs, sondern ein eigenständiger Verein. Wir mussten alle notwendigen Voraussetzungen allein bewerkstelligen“, erklärt Ahrens. Die Frage, warum er und seine Mitstreiter nicht diesen Weg gegangen sind und sich einem anderen Club angeschlossen haben, ist schnell beantwortet: „Uns wollte einfach keiner haben. Also haben wir uns dazu entschieden, alles selber auf die Beine zu stellen“, so Ahrens weiter. Und die Resonanz gibt den Machern recht. „Der Zulauf ist überwältigend“ verrät der Vorsitzende. Es scheine geradezu so, als ob viele nur darauf gewartet hätten, die beliebteste Sportart in den USA auch endlich in Rendsburg aktiv betreiben zu können. Sieben Trainer und 46 Spieler umfasst das Team mittlerweile und beim Showtraining auf dem Rendsburger Herbst fanden die Knights regen Anklang. „Diese Veranstaltung hat uns sehr geholfen und uns in unserem Tun bestärkt“, sagt Ahrens, der gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Tanita Ahrens, Marco Rüter und Florian Voss die Geschicke lenkt.

Seitdem läuft das Training und damit spricht Ahrens einen weiteren schwierigen Punkt an. Denn wer sich ein wenig mit American Football auskennt weiß, dass eine Mannschaft mindestens 40 Spieler umfasst, die im Idealfall von mehreren Trainerteams gecoacht wird. Schon allein daraus ergibt sich ein gewisser Platzbedarf, was besonders jetzt im Winter ein Problem darstellt. „Die Hallenzeiten in Rendsburg sind zumeist vergeben. Im Moment bleibt uns nur die kleine Halle des Helene Lange Gymnasiums. Die ist ja schon voll, wenn wir nur mit allen drin sind.“ An ein Training sei abgesehen von theoretischem Unterricht überhaupt nicht zu denken. Sobald es die Witterungsbedingungen zulassen, geht es nach draußen auf den Rasen. Auf dem Sportplatz Nobiskrug wurde den Knigths ein Platz zugewiesen – ein Fußballplatz wohlgemerkt. Gott sei Dank gelten auf der Amateurebene abweichende Abmessungen für die Größe des Spielfeldes, so dass ein Fußballfeld auch als offizielle Spielstätte genutzt werden kann. Die Linien hingegen müssen stets neu gezogen werden. Damit man sie zu den Fußballmarkierungen unterscheiden kann, mit gelber Kreide. Und natürlich müssen Footballtore her. „Die kosten im Einkauf jeweils dreitausend Euro. Um diese Kosten zu minimieren“, so Ahrens, „wollen wir diese bauen lassen.“

Die finanziellen Anforderungen stellen den größten Felsbrocken auf dem Weg zu einem nachhaltig agierenden Verein dar. Und auf diese Nachhaltigkeit legt der Vereinsboss wert: „Wir wollen hier etwas für die Ewigkeit schaffen.“ Anträge, Genehmigungen, Ausrüstung, Gebühren: Vieles, wenn nicht gar alles hänge am Geld. Derzeit putzt Ahrens viele Klinken. „Ich versuche rund um die Uhr, Sponsoren zu gewinnen, aber das ist nicht einfach“, sagt er, der an ein Scheitern nicht denken will. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir das hinbekommen.“ Dafür investiert Ahrens viel Zeit. „Wenn ich so etwas mache, dann zu einhundert Prozent.“ Während die Mannschaft mit einem großen sportlichen Ehrgeiz an die Sache herangeht, sieht Ahrens auch einen sozialen Aspekt. „Ich denke, dass es wichtig ist, den jungen Leuten ein sportliches Angebot zu machen, um sie von der Straße und von der Spielkonsole wegzubekommen.“ Zwar werden die Knights vorerst „nur“ mit einer Herrenmannschaft (ab 18 Jahre) an den Start gehen, „aber wir haben sehr viele Anfragen von Jugendlichen, so dass wir von einem Nachwuchsteam träumen“, blickt Ahrens in die Zukunft.

Priorität aber genießt zunächst einmal die Aufnahme des Spielbetriebs. Am 27. April steigt der so genannte „First Kickoff“, wenn die North Eastern Emmets aus Flensburg zum ersten Saisonspiel an den Nobiskrug kommen „Die ersten drei Jahre sind entscheidend. Wenn wir danach immer noch da sind, haben wir es geschafft.“ Und auch wenn noch einige Klippen zu umschiffen sind, Angst haben Ahrens und seine Mitstreiter davor nicht. Sie sind eben Ritter ohne Furcht und Tadel.

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erstellt am 05.Feb.2014 | 09:55 Uhr

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