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Rendsburg : Rettungshubschrauber wirbelt Stadtpolitik auf

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Kaum noch Notfall-Patienten aus der Luft: Parteien wollen den innerstädtischen Landeplatz neu hinterfragen.

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2015 | 17:00 Uhr

Der LZ-Bericht über den Rettungshubschrauber an der Imland-Klinik alarmiert die Politik in der Stadt. „Dass kaum noch Notfallpatienten nach Rendsburg geflogen werden, war mir und wohl allen Mitgliedern der SPD-Fraktion neu“, sagt Ratsherr Helge Hinz. Recherchen unserer Zeitung hatten ergeben, dass – anders als bislang bekannt – die Hubschrauber-Plattform an der Imland-Klinik für medizinische Notfälle nur noch selten genutzt wird. Die Entfernung zwischen ihr und der Notaufnahme des Krankenhauses ist zu groß. Wenn jede Sekunde zählt, um das Leben eines Patienten zu retten, bevorzugen die fliegenden Doktoren Kliniken, die über einen Landeplatz direkt neben der Notaufnahme verfügen. Diesen Zusammenhang hatte die gemeinnützige DRF Luftrettung als Betreiber des Rettungshubschraubers „Christoph 42“ am Mittwoch erstmals bestätigt.

Seit langem beschweren sich Anwohner gegen die Lärmbelästigung durch den Hubschrauber mit dem Rufnamen „Christoph 42“. Die Maschine ist rund um die Uhr startbereit und hob im vergangenen Jahr zu 1568 Einsätzen ab. Die meisten Kritiker stellen nicht den Hubschrauber selbst in Frage, sondern dessen Standort inmitten der Stadt. Neu entfacht wurde die seit Jahren schwelende Diskussion durch die Pläne für das Gelände der ehemaligen Eiderkaserne. Da dort nach den Vorstellungen der Stadt unter anderem hunderte Wohnungen entstehen sollen, wurden in der Politik Befürchtungen laut, künftige Investoren könnten durch den Hubschrauberlärm abgeschreckt werden.

Man werde sich jetzt selbst Informationen einholen und dann über das weitere Vorgehen beraten, sagt SPD-Fraktionschef Helge Hinz. „Sobald wir eine Entscheidung gefällt haben, werden wir uns öffentlich äußern.“ Eine schnelle Veränderung, was den Standort angehe, sei jedoch nicht zu erwarten, so Hinz. „Der Hubschrauber ist ja in ein Gesamtkonzept eingebunden.“

Auch CDU-Fraktionschef Thomas Krabbes will das Thema auf der nächsten Fraktionsklausur seiner Partei auf die Tagesordnung setzen. „Welchen Nutzen hat die Imland-Klinik davon, dass der Hubschrauber ausgerechnet hier stationiert ist?“, fragt der Ratsherr. Und wie steht das im Verhältnis zur Lärmbelästigung für Anwohner und auch für die Patienten in der Klinik?“

Für Klaus Schaffner von den Grünen kommt die neue Entwicklung nicht überraschend. Dass der Rettungshubschrauber an der Imland-Klinik vor allem für Verlegungsflüge eingesetzt werde, haben man schon mehrfach zur Sprache gebracht. „Von der Verwaltung kam immer nur ein Achselzucken.“ Neu war aber auch für den Grünen-Frontmann die Tatsache, dass so gut wie alle medizinische Notfälle nicht mit dem Flieger, sondern im Rettungswagen nach Rendsburg gebracht werden. „Die Notwendigkeit, dass der Hubschrauber mitten in Rendsburg startet und landet, gibt es dadurch nicht mehr.“ Der Fraktionsvorsitzende kündigte an, dass sich seine Partei im nächsten Bauausschuss für eine Verlegung des Hubschraubers nach Hohn oder Schachtholm einsetzen werde. „Nachts darf er hier nicht mehr starten“, stellte Schaffner fest.

Wie wichtig eine geeignete Landemöglichkeit ist, wenn es um Leben und Tod geht, bestätigte ein Sprecher der Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH). Sie betreibt die Rettungswache, auf deren Dach sich das Hubschrauber-Deck für „Christoph 42“ befindet. „Die meisten Kliniken, die neue Landeplätze bauen, bauen sie auf dem Dach“, sagte RKiSH-Sprecher Christian Mandel. Als Beispiel nannte der Notfallexperte das Klinikum Itzehoe, auf dessen Dach vor wenigen Jahren eine Hubschrauber-Landeplattform mit großem technischen Aufwand nachgerüstet wurde. Vorteil für die fliegenden Retter und nicht zuletzt den Patienten: Der Weg aus dem Flieger ins Klinikinnere ist unschlagbar kurz. Per Fahrstuhl landen Notarzt und Patient direkt auf der Intensivstation.

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