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Rendsburg : Rettungsaktion für die kleine „Wuschel“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Hündin in Not: An der spontanen Suche nach einer herrenlosen Hündin in Rendsburg beteiligten sich viele Menschen. Als bekannt wurde, dass das Tier angefahren wurde, kannte die Hilfsbereitschaft keine Grenzen.

Rendsburg | Eine scheinbar herrenlose Hündin im Alter von etwa einem halben Jahr hielt am Donnerstagabend zahlreiche Rendsburger Tierfreunde in Atem. Stundenlang suchten freiwillige Helfer in der Innenstadt nach dem verletzten Tier und konnten es in der Nacht mit vereinten Kräften finden, zum Tierarzt und in eine Pflegefamilie bringen.

Alles begann mit einem Foto, das am späten Nachmittag in der Facebook-Gruppe „Rendsbook/Faceburg“ auftauchte: Es zeigte, wie ein kleiner Hund auf einer blauen Decke im Dunkeln in einer Grünanlage liegt. Die Fotografin versuchte auf diesem Wege herauszufinden, ob jemand den Hund vermisst oder kennt. In der daraufhin aufbrandenden Diskussion (mehr als 520 Kommentare in 24 Stunden) fügte die Fotografin noch einige Details hinzu: Sie habe eine Tüte Futter neben dem Hund entdeckt. Das Tier habe geknurrt und sei von ihr weggesprungen, als sie versucht hatte, sich zu nähern.

Was in den darauffolgenden Stunden geschah, lässt sich nur grob anhand der geposteten Aussagen von offensichtlichen Zeugen rekonstruieren. Scheinbar ist die menschenscheue Hündin angesichts mehrerer Fußgänger geflohen, woraufhin sich einige auf die Suche nach dem Tier machten. Über Facebook wurden immer wieder Hinweise abgegeben, wo sie als letztes gesehen wurde. So erfuhren die Tierfreunde dann auch, dass der freilaufende Vierbeiner von einem Wagen angefahren wurde und anschließend humpelnd weglief. Je mehr Leute in die Gruppe schrieben, dass sie sich nun auch auf die Suche machen würden, desto lauter wurden die Stimmen derer, die vor einer „Hetzjagd“ warnten. Darunter war auch Saskia H., die dazu aufrief, den verängstigten Hund nicht durch die ganze Innenstadt zu treiben. Sie selbst hatte neben ihren beiden eigenen Hunden häufig Pflegetiere aus Bulgarien im Haus und daher schon Erfahrung mit Angsthunden. Sie beteiligte sich ab 20 Uhr an der Suche, sowohl mit dem Auto als auch zu Fuß mit der Taschenlampe. In der Innenstadt lernte sie andere Suchende kennen und schloss sich mit ihnen zusammen. „Das war echt toll, wie viele da zusammengearbeitet haben. Ich schätze, dass im Verlauf des Abends bis zu 60 Leute gesucht haben“, sagte sie gestern. Nach einer Weile gelang es den Helfern, die Hündin zu umzingeln, als sie sich vor dem Schwimmzentrum unter einem Wagen versteckt hatte. Später beim Tierärztlichen Notdienst wurde sie geröntgt. Ein Vorderbein war gebrochen, an der anderen Pfote war die Kralle verletzt. „Sie muss wahnsinnige Schmerzen gehabt haben“, sagte Saskia H. – ihrer Meinung nach war das Tier zwar wohl genährt, aber „komplett verwahrlost und voller Ungeziefer“. Von den turbulenten Stunden völlig erschöpft, sei die Hündin beim Arzt eingeschlafen.

In Absprache mit der Polizei, die am Fundort sofort hinzugerufen worden war, nahm Saskia H. die Hündin mit nach Hause, wo sie jetzt „Wuschel“ gerufen wird. Dort sahen gestern zwei Mitarbeiter des Rendsburger Tierheims nach ihr, da das Fundtier nun offiziell zum Tierheim gehört. Gemeinsam wurde beschlossen, es bis Montag in der Pflegefamilie zur Ruhe kommen zu lassen. Wie es dann weitergeht, werden die Tierheimmitarbeiter Montag entscheiden. Auch das Ordnungsamt wird dann die Lage prüfen und Vorwürfen nachgehen müssen, die den bisherigen Hundehalter betreffen.

Bis dahin kann sich „Wuschel“ erst einmal ausruhen. Im Vergleich zum Donnerstagabend ging es ihr gestern schon deutlich besser. Ihre Scheu hat sie weitestgehend abgelegt, ist Menschen und Tieren gegenüber aufgeschlossen, aber nicht stubenrein. Entgegen der Vermutung des Tierarztes, hindern „Wuschel“ die Verbände nicht am Laufen. Die quirlige Hündin humpelt zwar, sprang aber schon gestern mit einem großen Satz über die Rückenlehne auf ein Sofa.

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