Lesung : Rettung vor dem sicheren Tod

Stellte sein Buch vor: SZ-Redakteur Ronen Steinke (Mitte). Eingeladen hatten unter anderem Günther Neugebauer (Verein „Gegen Vergessen – für Demokratie“, links) und Carsten Fleischhauer (Leiter des Jüdischen Museums).
Stellte sein Buch vor: SZ-Redakteur Ronen Steinke (Mitte). Eingeladen hatten unter anderem Günther Neugebauer (Verein „Gegen Vergessen – für Demokratie“, links) und Carsten Fleischhauer (Leiter des Jüdischen Museums).

SZ-Redakteur Ronen Steinke stellte sein Buch „Der Muslim und die Jüdin" vor.

shz.de von
05. Juni 2018, 10:27 Uhr

Rendsburg | Es gab keinen einzigen leeren Stuhl bei der Lesung von Dr. Ronen Steinke im Betsaal des Jüdischen Museums. Seine juristische Doktorarbeit über Kriegsverbrechertribunale von 1945 bis heute wurde von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als „Meisterstück“ gelobt. Der Redakteur und Autor der „Süddeutschen Zeitung“ las aus seinem Buch „Der Muslim und die Jüdin".

Dazu eingeladen hatten der Verein „Gegen Vergessen – für Demokratie“, der Landesbeauftragte für Politische Bildung Schleswig-Holstein und das Jüdische Museum Rendsburg. Steinke, Redakteur der Süddeutschen Zeitung, hatte als Thema seiner Doktorarbeit entdeckt, dass die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem bis heute zwar mehr als 25 000 mutige Männer und Frauen geehrt hat, die während des Zweiten Weltkriegs Juden retteten, dass aber mit Mohammed Helmy nur ein Araber dabei ist. Der Ägypter durchlebte während des Krieges in Berlin einen spannenden Balance-Akt zwischen Anpassung und Subversion. Raffiniert trickste er Nazis aus und rettete das Leben der Jüdin Anna Boros. Aus heutiger Sicht kaum zu glauben, dass es im Berlin zur Weimarer Zeit kaum Feindlichkeit den Juden gegenüber gab.

Der Rückblick in die Geschichte führte zu einer Diskussion, im Rahmen derer die problematische Quellenlage und teils sehr genaue Dokumentationen besprochen wurden. Steinke hatte großen Aufwand betrieben, war sogar nach New York gereist, um mit Zeitzeugen zu sprechen. Junge Muslime sollten das Buch kennen, Auszüge daraus in Schulen verteilen – waren Vorschläge aus dem Publikum. Gelte es doch, im derzeit offenen palästinensisch-israelischen Konflikt, weitere Tote und Kämpfe zu vermeiden. Auch Gegenwind kam von Seiten der Zuhörer: „Den Islam“ gebe es nicht, protestierte einer der Besucher. Zuletzt empfahlen Zuhörer gemeinsam, genauer zwischen verschiedenen Richtungen des Judentums, des Christentums und des Islams zu unterscheiden sowie auch andere Teile der Religion – wie das Bild der Frau – in einer zersplitterten Welt zu betrachten.

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