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Landeszeitung

11. Dezember 2017 | 16:48 Uhr

Sehestedt/Kiel : Rettung im Hubschrauberkorb

vom

Schwer erkrankter Passagier mit dem "Sea King"-Hubschrauber im Nord-Ostsee-Kanel vom Kreuzfahrtschiff "AidaCara" geborgen.

shz.de von
erstellt am 21.Mai.2013 | 07:19 Uhr

Sehestedt/Kiel | Glück im Unglück hatte am Sonnaben ein 70 Jahre alter Passagier auf dem Clubschiff "AidaCara". Gut drei Stunden nach dem Auslaufen zu einer Skandinavien-Kreuzfahrt in Kiel musste das Kreuzfahrtschiff gegen 20 Uhr im Nord-Ostsee-Kanal bei Sehestedt einen Notruf absetzen. Der Schiffsarzt hatte kurz zuvor bei dem Passagier lebensbedrohliche innere Blutungen diagnostiziert.

Zufällig startete zu dieser Zeit ein Marine-Helikopter vom Typ Westland "Sea King" in Kiel, der nach dem Transport eines schwer erkrankten Kindes von Amrum zum Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, den begleitenden Arzt zurück auf die Nordsee-Insel flie-gen wollte. Bereits wenige Minuten nach der Notfallmeldung konnte der Marine-Hubschrauber die "AidaCara" anfliegen und den erkrankten Passagier mit dem Rettungskorb aufnehmen und zur Notfallbehandlung nach Kiel fliegen. Eine Landung auf dem Kreuzfahrt-schiff war ausgeschlossen.

Vermutlich hat der schnelle Einsatz der Marine-Hubschrauberbesatzung dem 70-Jährigen das Leben gerettet, da zivile Rettungshubschrauber wegen des schlechten Wetters ohnehin nicht hätten starten können, und nicht über hydraulische Winschen verfügen oder die Möglichkeit zur Landung auf dem Clubschiff bestanden hätte.

Der Transport des schwer erkrankten Mannes musste von der Rettungsleitstelle in Bremen aus Zeitgründen auch mit einem Lotsenboot oder Kanal-Fähre verworfen werden, und eine Möglichkeit anzulegen hätte für die "AidaCara" erst knapp zwei Stunden später in Rendsburg bestanden.

Tatsächlich verfügen Kreuzfahrt-schiffe über speziell ausgebildete Schiffsärzte und Sanitäter, sowie über umfassend ausgestattete Lazarette, die bis hin zur Intensivüberwachung eine gute medizinische Versorgung an Bord sicherstellen können. Auch dies belegt den kritischen Zustand des erkrankten Passagiers, dessen Notfall-Behandlung an Bord nicht möglich war.

Nach kürzlicher Verlegung des Marinefliegergeschwaders 5 von Kiel nach Nordholz/Niedersachsen hätte der reguläre Einsatz eines Marine-"Sea Kings" im Raum Kiel deutlich länger gedauert. Da andere fliegende Einsatzmittel unter den schlechten Wetterbedingungen in Schleswig-Holstein nicht zur Verfügung standen, war auch bereits der Transportflug des "Sea Kings" mit einem kranken Kind von Amrum nach Kiel notwendig geworden.

Eigentlich werden die beinahe vierzig Jahre alten "Sea Kings" für taktische Einsätze im Flottenrahmen und zur Absicherung des militärischen Flugverkehrs über See eingesetzt. Aus diesem Grund sind sie auch kein Bestandteil der öffentlichen Rettungssystems. Tatsächlich hat jedoch die größte Zahl der Notfalleinsätze der "Sea Kings" zivilen Charakter, da in Deutschland kein weiteres derart spezialisiertes und vor allem schlechtwettergeeignetes Luftrettungsmittel zur Verfügung steht.

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