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Umweltschutz : Reptilien-Quartiere für den Winter

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Angehende Abiturienten lernen beim Arbeitseinsatz das Ökosystem Moor kennen. Durch ihre tatkräftige Mithilfe kann außerdem Geld gespart werden.

Kleine Seen und feuchte Böden, bewachsen mit Moos und Gräsern, boten beste Voraussetzungen für Lernen mit Langzeitwirkung. Im Wilden Moor lernten 19 tatkräftige angehende Abiturienten von der Heinrich-Heine-Schule aus Büdelsdorf die Besonderheiten des Ökosystems Moor kennen. Mit dabei war auch ihr Lehrer Arne Schülldorf. Im Rahmen des Schwerpunkts Naturwissenschaft (NaWi) beschäftigt sich die Klasse im Unterricht mit vernetzten Öko-Systemen. Dabei geht es unter anderem darum zu verstehen, wie sich Mensch und Natur gegenseitig beeinflussen. Zu dem Themenschwerpunkt gehörte auch der Ausflug ins „Moor“ und der Bau von Überwinterungsquartieren für Reptilien.

Unter der Leitung von Dr. Kuno Brehm vom „Unabhängigen Kuratorium Landschaft Schleswig-Holstein“ (UKLSH) wurden zwei Überwinterungshilfen für Reptilien fertiggestellt. Kleine Hügel aus einer etwa 80 Zentimeter dicken Unterlage aus Torf mit sternförmig angelegtem Altholz, Stroh und Feldsteinen bilden Winterquartiere für Insekten und Kleintiere. Damit ist sichergestellt, dass die im Moor üblichen Höhenschwankungen des Oberflächenwassers Insekten, Reptilien und Schlangen nicht erreichen. Sternförmig werden die Althölzer als „Eingangsflur“ ins Innere des Überwinterungsquartiers, auch Reptilienhügel genannt, gelegt. In den Zwischenräumen der Feldsteine finden die Klein-Lebewesen genügend sicheren Raum, um die kalte und nasse Jahreszeit frostfrei und trocken zu überstehen.

Durch die Mithilfe von Arne Schülldorf, seinem Trecker und Anhänger sowie der Klasse 12b kann der Naturschutzverein bis zu 1400 Euro pro Winterquartier einsparen. Das ist jedoch nur ein Nebeneffekt. Nachhaltig beeindruckt war die 12b von Kuno Brehms Wissen über die Wichtigkeit der Moore für den Kohlendioxid-Haushalt. Um alle Zusammenhänge des ökologischen Gleichgewichts zu verstehen, sei langfristiges Denken nötig. „Das Moor ist etwa 7000 Jahre alt. Die Biomasse der Moore auf der Nordhalbkugel speichert so viel Kohlendioxid wie zusammen alle Wälder der gesamten Erde. „Sie tun hier und heute Gutes für die Tiere, ohne sie zu sehen“, hatte Kuno Brehm seiner Führung auf dem Weg zu den beiden Winterquartier-Bauplätzen vorangestellt.

Das stimmte nicht lange, denn schon bald entdeckten die Schüler unter einem Blech eine junge Blindschleiche. Zunächst noch von der morgendlichen Kälte gelähmt, erwachte das kleine Tier schnell zum Leben und kringelte sich rasch in den warmen Schülerhänden. Auch wenn die Echse nicht zur Familie der Schlangen gehört, war das nichts für Marie Thodt. Seit sie im Alter von zwölf Jahren einen Horrorfilm gesehen hat, leidet sie an einer Schlangenphobie. Anders der Rest der Klasse, der sich redlich bemühte, das kleine Tier zu berühren. Damit wurde der Tag im Wilden Moor auch zu einer Natur-Tour mit vielen Entdeckungen, zu denen auch das feine, weiche Wollgras, mit dem früher Kopfkissen ausgestopft wurden, gehörte. Ein arbeitsreicher, ergiebiger Tag, bei dem auch der Spaß beim Treckerfahren nicht zu kurz kam. „Echt Gold“, lobte Marie Thodt die Exkursion und den Unterricht von Arne Schülldorf. Auch wenn Steine, Holz und Stroh schleppen anstrengend war und so gar nichts mit dem Theorie-Unterricht in der Schule zu tun hatte, waren sich alle bei der Abschlusspizza am Nachmittag einig: „Wir machen das gern.“
 

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