Rendsburgs fleißigste Politiker

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1. Polit-Pensometer der Landeszeitung: Welche Mandatsträger und welche Parteien nahmen 2014 an den meisten Sitzungen teil?

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21. Januar 2015, 12:01 Uhr

85  000 Euro. Damit könnte man sich einen Porsche kaufen oder ein Jahr um die Welt reisen. In Rendsburg reichte die Summe aus, um den Landsknecht samt Grundstück zu erwerben – es bliebe sogar noch Geld übrig. Mit 85  000 Euro kann man aber auch ein ganzes Jahr Politik bestreiten. Zwölf Monate Kommunalpolitik.

Die vom Volk gewählten Mandatsträger arbeiten ehrenamtlich, kein Zweifel. Schließlich üben die meisten von ihnen einen normalen Beruf aus. Oder sie beziehen eine Rente oder Pension. Doch für ihren Einsatz in der Ratsversammlung und in den Ausschüssen werden die Politiker entschädigt. 85  000 Euro standen vergangenes Jahr im städtischen Haushalt bereit, um den Motor der kommunalen Selbstverwaltung am Laufen zu halten. In diesem Jahr sind es sogar 93  000 Euro. Der monatliche Entschädigungssatz für Mitglieder der Ratsversammlung und für bürgerliche Mitglieder wurde kürzlich um je zehn Euro erhöht.

Während die heutige Sitzung des Senats (17 Uhr, Altes Rathaus) das neue politische Jahr einläutet, blicken wir zurück und ziehen Bilanz. Welcher Kopf war 2014 in den meisten Konferenzen dabei? Wer war am häufigsten Gast? Wie schneiden die Parteien ab? Für das 1. Rendsburger Polit-Pensometer in der Geschichte der Landeszeitung haben wir die Protokolle aller 61 Sitzungen des vergangenen Jahres ausgewertet.

Um die Chancengleichheit zu wahren, beschränken wir uns auf die 31 Ratsmitglieder. Heraus kam Erstaunliches. Erstens: Nicht die Parteien mit den meisten Sitzen im Stadtparlament (SPD: 12, CDU: 10) sichern sich den obersten Platz, sondern Grünen-Fraktionschef Klaus Schaffner. Der 66-Jährige, der stets mit dem Fahrrad zu den Sitzungen im Alten Rathaus vorfährt, hat nur acht von 61 Konferenzen verpasst. 53-mal war Schaffner im Raum, 26-mal saß er am Tisch und durfte mit abstimmen, 27-mal stand er auf der Besucherliste.

Bemerkenswert auch das Jahrespensum von René Sartorius (62, SPD), der es auf Platz zwei schaffte: Der Sozialdemokrat war aktiv an 41 Sitzungen beteiligt, der mit Abstand höchste Wert aller Politiker in diesem Teilbereich. Insgesamt wurde Sartorius 45-mal vom Protokollführer gesichtet. Platz drei sicherte sich ein weiterer Ratsherr der Grünen: Der 44-jährige Norbert Klan verbrachte 42 Abende im altehrwürdigen Ratssaal oder im Sitzungsraum 1 nebenan.



Die CDU steckt im
Keller der Fleiß-Tabelle


Zweite Erkenntnis: Während SPD-Vertreter in der Fleiß-Rangliste sechs der ersten zwölf Plätze belegen, stecken die Politiker der CDU im Tabellenkeller. Auf den Plätzen 17 bis 31 sind sie acht Mal zu finden. Nur Anja Ilgenstein dringt in die Top 10 vor (Platz fünf).

Die Präsenz nach Parteibuch lässt sich auch anders belegen: Während die drei Grünen-Abgeordneten im Schnitt bei 42 Sitzungen anwesend waren, liegt der Mittelwert bei den zehn CDU-Politikern (ohne Wolfgang Naber, der im laufenden Jahr zum Modernen Rendsburg wechselte) nur bei 18,1. Die SPD kam pro Politiker auf 23,9 Sitzungen, Modernes Rendsburg (ebenfalls ohne Naber) auf 26, der SSW auf 29,5.

Wie viel Geld die Mandatsträger für ihr Engagement bekommen, legt die Entschädigungssatzung fest. Mit ihr werden auch jene (nicht dokumentierten) Stunden entlohnt, in denen die Gewählten ihre Hausaufgaben erledigen. Denn das Einarbeiten in die Vorlagen gehört ebenfalls zur Pflicht. Nicht zu vergessen die Gespräche mit den Parteikollegen.

Übt ein Mandatsträger mehrere Ämter gleichzeitig aus, addieren sich die Entschädigungen. Am Ende stehen Summen, die man mit einem Ehrenamt zunächst nicht in Verbindung bringt. Zu den Spitzenverdienern gehört Helge Hinz. Er ist Ratsherr, Chef und Mitglied des Senats sowie SPD-Fraktionsvorsitzender. Im vergangenen Jahr standen ihm dadurch insgesamt 4800 Euro zu, dieses Jahr sind es 4920 Euro. Das Geld muss Hinz versteuern.

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