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Landestheater : Rendsburgs Bürgermeister: „Das wird Arbeitsplätze kosten“

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast glaubt zwar an die Rettung des Landestheaters, sieht aber zu Einsparungen keine Alternative.

Mit ihrer Entscheidung gegen einen Theater-Neubau bringt die Schleswiger Ratsversammlung das Landestheater in existenzielle Schwierigkeiten – und setzt die Stadt Rendsburg unter Zugzwang. Bürgermeister Pierre Gilgenast hat die Hoffnung jedoch noch nicht aufgegeben, dass das Landestheater und damit auch die Rendsburger Spielstätte gerettet werden können. In jedem Fall fürchtet er den Abbau von Arbeitsplätzen, wie er im Gespräch mit unseren Redaktionsmitglied Dirk Jennert deutlich machte.

Herr Gilgenast, derzeit läuft alles darauf hinaus, dass Schleswig ab 2017 keine Spielstätte mehr vorhalten kann. Hat Sie die Ratsentscheidung überrascht?Gilgenast: Ich bin mehr als erstaunt darüber, dass es nicht zu einem Neubau kommt. Was mich genauso überrascht, ist der Grund, der zu dieser Entscheidung führte. Offenbar ist ein Teil der Ratsversammlung der Auffassung, dass der Traditionsstandort des Schleswiger Stadttheaters erhalten bleiben kann. Mir ist im Aufsichtsrat der Theater GmbH immer signalisiert worden, dass das Gebäude am Lollfuß akut einsturzgefährdet ist und nicht mehr gerettet werden kann. Nun muss man den Eindruck gewinnen, dass die Prüfung nicht vernünftig abgearbeitet worden ist. Am 11. März wollen die Schleswiger Gremien darüber beraten, ob man den Lollfuß noch retten kann. Das hätte früher geschehen müssen.

Offenbar hat Schleswig hier Fehler gemacht.
Ich bin von der Informationspolitik der Schleswiger Stadtverwaltung enttäuscht. In der Kommunikation mit der Stadt hat man uns immer deutlich gemacht, dass man den Lollfuß hinreichend geprüft habe.

Wie kritisch ist denn jetzt die Situation?
Ich glaube, dass die Situation für das Landestheater sehr kritisch ist. Die Verunsicherung ist groß. Zwar ist der Betrieb bis zur Spielzeit 2016/2017 gesichert, aber was geschieht dann? Mein Wunsch ist es, dass Schleswig – wie geplant – zur Spielzeit 2017 / 2018 eine Spielstätte zur Verfügung stellen kann. Das ist das wichtigste Ziel. Dennoch müssen wir darüber nachdenken, was wir tun können, wenn Schleswig als Theaterstandort komplett verschwindet. Mit dem Landestheater steht und fällt ein wichtiges Stück der Kultur in Schleswig-Holstein.

Das lässt sich eins zu eins auf Rendsburg übertragen. Das Stadttheater gilt als der herausragende Leuchtturm der Rendsburger Kulturszene.
Das ist richtig. Unser Theater ist in jeder Hinsicht gesund. Damit meine ich nicht nur den Zustand des Gebäudes, sondern auch das Interesse des Publikums. Wir haben steigende Zuschauerzahlen. 24000 Menschen haben im vergangenen Jahr die Vorstellungen besucht. Rendsburg liegt im Zentrum des Gebietes, das vom Landestheater bespielt wird. Sollte Schleswig, was ich nicht hoffe, komplett für das Theater ausfallen, muss daher geprüft werden, ob die Theaterverwaltung mit der Generalintendanz nach Rendsburg umziehen sollte. Die entsprechenden Räumlichkeiten könnte die Theater-Gesellschaft in der Stadt anmieten. Es wäre sogar Platz für eine weitere Probebühne vorhanden.

Wenn Schleswig neben Flensburg und Rendsburg nicht mehr zu den Säulen der Theater GmbH zählen sollte, wird dies ein großes Loch in den Etat des Theaters reißen. Derzeit steuern Schleswig und Rendsburg jeweils eine halbe Million Euro pro Jahr bei, um den laufenden Betrieb zu finanzieren. Würde Rendsburg zumindest einen Teil des Schleswiger Anteils kompensieren müssen?
Für Rendsburg sage ich ganz klar: Das halte ich für ausgeschlossen. Aufgrund unserer Haushaltslage können wir unseren Beitrag keinesfalls erhöhen. Ich erwarte aber vom Land eine entsprechende Unterstützung. Immerhin war Kiel bereit, einen möglichen Theaterbau in Schleswig mit einer Millionensumme zu fördern. Dann sollte es doch möglich sein, die möglicherweise wegfallenden Zahlungen aus Schleswig zu kompensieren, um die Existenz des Landestheaters zu sichern.

Die laufenden Kosten des Theaters würden durch den Wegfall der Schleswiger Spielstätte ja nicht wesentlich geringer werden. Wenn Sie den städtischen Anteil nicht erhöhen können, läuft also alles auf Kostenreduzierungen hinaus?Ich rechne nicht damit, dass man die Einnahmen so erhöhen kann, dass das entstehende Defizit ausgeglichen wird. Daher wird es jetzt Aufgabe des Generalintendanten Peter Grisebach sein, uns Vorschläge über Einsparungen vorzulegen. Am 28. März tagt der Aufsichtsrat. Und ich gehe davon aus, dass Herr Grisebach bis dahin Ideen entwickelt hat. Ich befürchte: Das wird Arbeitsplätze kosten.

Der größte Kostenfaktor des Landestheaters ist das in Flensburg angesiedelte Sinfonieorchester. Wenn man kürzen muss: Hat das Orchester noch eine Zukunft?
Das Orchester ist in der Tat der größte Kostenfaktor. Allerdings generiert es auch erhebliche Einnahmen. Ich kann die Frage nicht derzeit beantworten, in welchen Sparten und in welchem Umfange gekürzt werden müsste. Da ist wohl jeder Gesellschafter gut beraten, zunächst die Vorschläge des Intendanten abzuwarten. Zudem baue ich an dieser Stelle auch auf die Hilfe von Kulturministerin Anke Spoorendonk. Sie setzt sich sehr für die Stabilisierung der Theaterlandschaft in Schleswig-Holstein ein. Das ist in den vergangenen Wochen deutlich geworden.

In den vergangenen Monaten ist wiederholt gesagt und berichtet worden, dass ein Wegfall des Theaterstandortes Schleswig das Ende des Landestheaters bedeuten würde. Sie hingegen stimmen noch keinen Totengesang an?
Nein, das werde ich keinesfalls tun. Ich kann und will mir nicht vorstellen, dass man auf dieses Landestheater ernsthaft verzichten will. Alle vernünftigen Kräfte werden daran mitwirken müssen, diese Kultureinrichtung zu erhalten.

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erstellt am 28.Feb.2014 | 13:23 Uhr

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