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Ruhestand : Rendsburgs ältester Taxifahrer sagt Tschüs

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Er liebte seinen Beruf, und dennoch hat er ihn jetzt an den Nagel gehängt. Im Alter von 78 Jahren ist Taxifahrer Günter Gimm am Wochenende in den Ruhestand gegangen

shz.de von
erstellt am 16.Dez.2013 | 07:45 Uhr

Rensburg | Man kennt sich unter den Kollegen. Deshalb weiß Günter Gimm genau: „Ich war in den letzten Jahren der älteste Taxi-Fahrer in Rendsburg.“ Jetzt hat er diesen „Titel“ abgegeben. Denn mit 78 Jahren ist der Rendsburger am Wochenende endgültig in den Ruhestand gegangen.

Den Ruhestand hatte er sich schon einmal verdient, aber es wurde ihm langweilig. Um wieder etwas zu tun zu haben, machte er Anfang 2004 den Personen-Beförderungsschein für Taxen. „Belastbarkeit, Reaktionsfähigkeit, Stadtkenntnisse – das war ein harter Test, und ich habe ihn bestanden“, erinnert sich Gimm nicht ohne Stolz. Seitdem fuhr er für das Taxiunternehmen Callsen zweimal in der Woche, in den vergangenen beiden Jahren immer nur nachts.

Das Geld habe nicht die große Rolle gespielt bei der Entscheidung für das Taxifahren im Ruhestand, betont Gimm. „Man kommt herum und ist unter Menschen, man kann reden“, das sei für ihn wichtig gewesen. Und er habe sich nie gelangweilt. „Nachts spielt sich allerhand ab, auch hier bei uns in der Provinz. Man kann kaum glauben, wer da so unterwegs ist.“ Darüber könnte er Bücher darüber schreiben. Aber es gibt unter Taxifahrern einen Ehrenkodex. Es gehöre sich, über die Details zu schweigen. Das gilt auch für die vielen Gespräche, die er mit seinen Fahrgästen geführt hat. Die Menschen vertrauten Günter Gimm, berichteten ihm sogar von persönlichen Problemen und Krankheiten.

Mitten in der Nacht nach Tetenhusen oder zu einer Diskothek im Nordwesten der Stadt, Warten auf den letzen Zug um 1.02 Uhr oder in aller Hergottsfrühe zum Hamburger Flughafen – das alles hat Günter Gimm nichts ausgemacht. Früher ist er noch viel weiter unterwegs gewesen. Als hauptberuflicher Chauffeur von Konsul Paul Heinrich Entz von Zerssen steuerte er die Limousine seines Chefs durch halb Europa. 50 000 Kilometer seien da im Jahr zusammen gekommen. Er erinnert sich gern an die Fahrten für die Reederei von Hafen zu Hafen. „Amsterdam, Calais, Dünkirchen, Brest, Antwerpen, Stockholm und Kopenhagen -eine spannende Zeit.“

Aus der Zeit, als er für die Reederei arbeitete, kommt auch seine Verbindung zur Seefahrt. Die lebt Günter Gimm seit zwölf Jahren im Shanty-Chor „Neptun am Nord-Ostsee-Kanal“ aus. „Wir haben ständig Auftritte. Das Singen bringt mir unglaublich viel Spaß.“

Jetzt freut sich Gimm auf Silvester. Er weiß aus eigener Erfahrung, dass diese Nacht die arbeitsreichste für einen Taxifahrer ist. Für ihn nicht mehr. Er will feiern.

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