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Kämpferin beim Eon Hanse Cup : Rendsburgerin läuft für ein neues Leben

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Veronika Beuck ist „stolz wie Oskar“. Sie nimmt am Triathlon im Rahmen des Eon Hanse Cups teil. Hinter ihr liegt eine dramatische Lebensgeschichte mit Missbrauch, Drogensucht, Übergewicht und Magen-Operation.

Veronika Beuck wurde als Kind missbraucht, sie spritzte Heroin, war extrem übergewichtig. Jetzt nimmt die 36-jährige Rendsburgerin am Triathlon im Rahmen des Eon Hanse Cups teil und ist „stolz wie Oskar“ – selbst wenn sie Letzte wird. Der Anzug, mit dem Veronika Beuck ins Wasser gehen will, ist außen schwarz und innen pinkfarben. „Sieht doch toll aus“, freut sich die junge Frau mit der blonden Kurzhaarfrisur über ihren Neopren-Anzug. Dass sie an einem Triathlon teilnimmt, hätte sie noch vor kurzem selbst nicht zu glauben gewagt: Bis zu einer Operation im November 2010, bei der ihr Magen zu einem Schlauch verengt wurde, wog sie bei einer Körpergröße von 1,72 Metern über 200 Kilogramm.

Der radikale Eingriff, bei dem auch der Dünndarm verkürzt wurde, half beim Abnehmen, hätte aber fast ihr Leben gekostet. Es gab Komplikationen, mehrere Notoperationen folgten. Im Jahr 2012 wog sie zwischenzeitlich nur 48 Kilo: „Mein Mann schob mich am Rollator ins Krankenhaus, und der Arzt sagte: ,Sie müssen Fleisch essen, sonst sterben Sie’“, erinnert sich die Rendsburgerin. Inzwischen hat sie mit 76 Kilo Normalgewicht – und könnte Kleidergröße 36 tragen, wenn das überschüssige Gewebe am Bauch weg wäre. Die so genannte Fettschürze blieb nach dem Gewichtsverlust übrig und lässt sich ohne Operation nicht reduzieren.

Die Hautlappen sehen nicht nur unschön aus, sie sorgen auch für dauernde Schmerzen. „Ich habe alles versucht“, sagt Beuck. „Sport, Akupunktur, chinesische Medizin – nichts hilft.“ Daher ist ihre Teilnahme am Triathlon im Rahmen des Eon Hanse Cups auch ein Signal an die Krankenkasse, die ihr bisher die Operation verweigert: „Ich will denen zeigen, dass ich alles tue, was in meiner Macht liegt.“

Eine Kämpferin ist Veronika Beuck schon immer gewesen. Als Kind erlebte sie Schläge, später Missbrauch. Sie kam in ein Heim, rannte weg, lebte in Hamburg auf der Straße. „Irgendwann fragte mich einer, was ich koste. Da war ich zwölf.“ Sie nahm Drogen, prostituierte sich. „Ich ging nach Frankfurt, da gab es Druckräume für die Fixer, das war angenehmer.“ Schule, Ausbildung? Das gab es nicht in ihrem Leben, stattdessen eine ungeplante Schwangerschaft. „Mein Sohn ist heute 19 und macht Abitur – mein größter Stolz.“ Sie gab das Kind zur Adoption frei und hat keinen Kontakt zu ihm.

1998 schaffte es Veronika Beuck, von den Drogen wegzukommen. Sie zog nach Berlin und lernte einen Mann kennen. „Er machte mir einen Heiratsantrag. Ich sagte nein. Denn wer würde mich schon heiraten wollen?“ Aber Uwe meinte es ernst. Das Paar heiratete vor 15 Jahren und zog nach Schleswig-Holstein zurück.

Der Ehemann arbeitete in Dänemark, und auch Veronika Beuck – ohne Berufsausbildung, stark übergewichtig und durch den früheren Missbrauch körperlich wie psychisch angeschlagen – fand dort einen Job als Melkerin und Hilfe für alles auf einem Bauernhof. „Die Bäuerin sagte, ich solle um halb sechs morgens da sein, ich stand um fünf auf der Matte.“

Doch Beucks gesundheitlicher Zustand verschlechtert sich, sie kam nach Deutschland zur Magen-OP. „Mein Mann kam mit und pflegte mich“, sagt sie dankbar. Auch sonst fand sie Freunde und Vertraute: Ärzte, die ihr – nach vielen schlechten Erfahrungen mit Krankenhausbehandlungen – das Leben retteten. Die Psychologin, mit der sie die Erfahrungen ihrer frühen Jahre aufarbeiten kann. Die Zeitarbeitsfirma, die sie trotz ihres lückenhaften Lebenslaufs einstellte. Und der Brücke Rendsburg-Eckernförde, die ihr mit Beratung half und die Kleidung für den Triathlon sponsert. Ob sie den ganzen Weg durchhält, weiß sie noch nicht: „Ich habe allen versprechen müssen, dass ich aufgebe, wenn ich nicht mehr kann.“ Ein wenig plagt sie die Angst, „ob alle mich ausbuhen, wenn ich die Letzte bin. Aber eigentlich bin ich stolz wie Oskar, dass ich es so weit geschafft habe.“

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