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Sanierungsstau und Probleme bei Altersversorgung : Rendsburger Waldorfschule: Träger beantragt die Insolvenz

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sie war die erste Waldorfschule in SH - doch jetzt steckt die Rendsburger Einrichtung in einer finanziellen Krise. Der Unterricht läuft aber weiter.

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erstellt am 18.Okt.2017 | 06:57 Uhr

Der Trägerverein der Rendsburger Waldorfschule und der Waldorf-Kita hat am 13. Oktober beim Amtsgericht Neumünster Insolvenz beantragt. Das ließ der vorläufige Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Reinhold Schmid-Sperber aus Kiel, am Dienstag über seinen Sprecher Michael Walther mitteilen.

„Der Schulbetrieb für die Schüler der Waldorfschule wird unverändert fortgeführt, mit allen Schülern und Arbeitnehmern in Schule und Kindergarten. Die Bezahlung der Gehälter für die 95 Mitarbeiter ist dank der vorhandenen Liquidität sichergestellt“, sagt Schmid-Sperber. Walther bezeichnete die Liquidität sogar als „erstaunlich gut“. Auch Konzerte in der Aula der Waldorfschule und andere Angebote externer Veranstalter können nach Informationen der Landeszeitung wie geplant stattfinden.

Die Mitarbeiter sollen am Mittwoch über das Insolvenzverfahren informiert werden. „Für die Schüler und Eltern wird es am ersten Schultag Anfang November eine entsprechende Informationsveranstaltung geben,“ kündigte Thomas Felmy, Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen in Schleswig-Holstein, an.

Schmid-Sperber erklärte: „Eine wesentliche Ursache für die Insolvenz ist der demographisch bedingt schleichende Rückgang der Schülerzahlen sowie der zu erwartende Sanierungsaufwand für die Schulgebäude.“ Wie berichtet, sank die Schülerzahl während der vergangenen elf Jahre von 429 Personen auf 300 und damit um ungefähr 30 Prozent. Felmy hatte Anfang Oktober darüber hinaus Finanzierungslücken bei den Pensionszusagen genannt. Schmid-Sperber und sein Expertenteam haben mit einer betriebswirtschaftlichen und insolvenzrechtlichen Bestandsaufnahmen begonnen und Schritte für die Fortführung des Betriebs eingeleitet.

Wie berichtet, hoffte der Verein vor etwa 14 Tagen noch auf einen Rettungsschirm aus Zuwendungen des Bundesverbands und von Stiftungen. Nach Informationen der Landeszeitung fehlen vier Millionen Euro.

Den finanziellen Problemen gingen zwischenmenschliche Auseinandersetzungen voraus. Wie Henning Kullak-Ublick, Sprecher des Bunds der Freien Waldorfschulen, berichtete, kam es nach der Entlassung eines Mitarbeiters im September 2014 zu einer tiefen Spaltung der Schulgemeinschaft. Schulleitung und Trägerverein setzten daraufhin einen Interimsvorstand mit Detlev Schiewe aus Hannover, Klaus-Michael Maurer aus Harburg und Matthias Zaiser aus Hamburg ein. Als sie sich um die zwischenmenschlichen Konflikte kümmerten, stießen sie auf die Deckungslücken bei der Altersversorgung und einen Sanierungsstau bei den Gebäuden.

Die Rendsburger Waldorfschule wurde 1950 als erste in Schleswig-Holstein gegründet. Inzwischen werden Schüler in den Jahrgängen 1 bis 13 unterrichtet. Im Kindergarten der Freien Waldorfschule in Rendsburg-Hoheluft an der Felix-Mendelssohn-Straße werden 90 Kinder betreut. Wie berichtet, führte Rechtsanwalt Reinhold Schmid-Sperber jüngst die Privatschule Mittelholstein aus der Insolvenz. Zur Kehrtwende trug dort die Gründung eines Trägervereins bei.

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