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Schüsse im Finanzamt : Rendsburger Todesschütze: Ein Querulant mit Waffe

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Der Richter erlässt gegen Olaf Lauenroth Haftbefehl wegen Mordes. Das Profil eines Mannes, der sich mit vielen Menschen stritt.

Fockbek/Rendsburg | In einem blauen Kleinbus der Kripo wird der mutmaßliche Attentäter von Rendsburg, Olaf Lauenroth, am Dienstag ins Kieler Amtsgericht gefahren. Als er den Fotografen bemerkt, hält er sich einen Zettel vors Gesicht. Es folgt ein über eineinhalbstündiger Termin beim zuständigen Haftrichter. Dieser erlässt gegen den 55-Jährigen Haftbefehl wegen Mordes. Dem Steuerberater legt er zur Last, am Montagmorgen den Beamten des Rendsburger Finanzamtes, Wolfgang B., in dessen Büro erschossen zu haben. Wie unsere Zeitung erfährt, wird nicht von einer verminderten Schuldfähigkeit ausgegangen.

Aus Polizeikreisen ist zu hören, dass viele Aspekte des Falles auf eine vorsätzliche Tat hindeuten. Eines der Indizien dafür ist ein Brief, den die Polizei bei der Durchsuchung von Lauenroths Wohnhaus in Fockbek entdeckt hat. Das Schreiben ist an seine von ihm getrennt lebende Ehefrau gerichtet. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa macht er darin das Finanzamt für seine finanzielle Misere verantwortlich. Er soll drastische Worte gewählt haben. Die Staatsanwaltschaft will sich zum Inhalt des Schreibens nicht äußern.

Dass Lauenroth ausfallend werden kann, weiß man in Fockbek und Rendsburg. Dennoch hätte ihm dort niemand eine Gewalttat zugetraut. Sein polizeiliches Führungszeugnis war bis Dienstag makellos. Dies war eine Voraussetzung für die Erteilung eines Jagdscheines, der zum Führen von Kurz- und Langwaffen berechtigt. Seit 2007 war Lauenroth im Besitz dieses Dokuments. Das bestätigt die Kreisverwaltung Rendsburg-Eckernförde, die 2010 und 2013 routinemäßig seine Eignung zum Besitz von Waffen überprüfte – ohne Beanstandungen. Lauenroth hatte in seinem Waffenschrank eine Pistole der Marke Beretta und sechs Gewehre. Das Opfer im Finanzamt wurde mit Schüssen aus einer Beretta getötet.

Lauenroth kam zwar bisher nicht mit dem Gesetz in Konflikt, gilt aber als streitlustiger Mensch – und als Einzelgänger. „Schon während der Zeit auf der Herderschule war er ein Außenseiter“, erinnert sich ein damaliger Mitschüler. Fockbeks Bürgermeister Holger Diehr bringt ihn mit Begriffen wie „impulsiv“ und „diskussionsfreudig“ in Verbindung. Andere gehen weniger diplomatisch mit ihm um. Sie bezeichnen Lauenroth als Querulanten, der sich auf lange Sicht mit vielen Menschen angelegt habe.

So war es auch in der Politik. Lauenroth trat als junger Mann der CDU bei. Unionsvertreter aus dem Kreisgebiet bescheinigen ihm, ein „hochintelligenter Mann mit einer sehr raschen Auffassungsgabe“ zu sein. Dennoch überwarf er sich mit seinen Parteifreunden. Nach 30 Jahren trat Lauenroth aus der Partei aus, um seiner „Exmatrikulation“ vorzubeugen, wie er damals unserer Zeitung sagte. Kurz darauf, im Frühjahr 2013, gründete er den FDP-Ortsverband Fockbek und wurde bei der Kommunalwahl im Mai 2013 über die Liste der Liberalen in die Gemeindevertretung gewählt. Bei der nächsten Wahl am 10. November 2013  allerdings scheiterte er: Lauenroth wollte hauptamtlicher Bürgermeister von Fockbek werden. Nur etwas mehr als zwei Prozent der Bürger gaben ihm ihre Stimme.

Die Fotos von Lauenroth aus jüngster Zeit zeigen einen meist angestrengt lächelnden Mann. Eingeweihte berichten, dass er sich bei einem Unfall einen Wirbelbruch zugezogen habe. Zeitweise ist er auf einen Rollstuhl angewiesen. Ganz anders hingegen wirkt er auf den Fotos, die in der Zeit vor seinem Unfall während seiner Auftritte auf der Niederdeutschen Bühne Rendsburg entstanden sind. Darauf wirkt er locker und entspannt und – wenn es die Rolle verlangte – mitreißend fröhlich. Als Laienschauspieler bekam Lauenroth die Anerkennung, die ihm auf der politischen Ebene versagt blieb. „Der hat da eine richtig gute Figur gemacht“, berichtet eine frühere Rezensentin. Seit Dienstag befindet sich Olaf Lauenroth in Untersuchungshaft.

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erstellt am 02.Sep.2014 | 12:09 Uhr

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