Erneut wegen Totschlag vor Gericht : Rendsburger soll Freundin getötet haben

Tatort Oeverseestraße: Die kleine Familie lebte in einfachen Verhältnissen. In der Nacht auf den 23. Mai 2014 kam es im Haus mit der Nummer 27 zu der schrecklichen Tat.höfer
Tatort Oeverseestraße: Die kleine Familie lebte in einfachen Verhältnissen. In der Nacht auf den 23. Mai 2014 kam es im Haus mit der Nummer 27 zu der schrecklichen Tat.

Ein 29-Jähriger soll seine Freundin erwürgt haben – bereits 2004 brachte er seinen Großvater bei einem Angelausflug an der Eider um.

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06. Januar 2015, 15:17 Uhr

Rendsburg | Die Anklage lautet wieder auf Totschlag: Ein heute 29-jähriger Mann aus Rendsburg soll zum zweiten Mal innerhalb von zehn Jahren einen Menschen umgebracht haben. Seit heute muss er sich deshalb vor dem Kieler Landgericht verantworten. Die Anklage warf ihm zu Prozessbeginn vor, seine Freundin in der Nacht auf den 23. Mai 2014 im Stadtteil Schleife nach einem heftigen Streit erwürgt zu haben. Tatort war die gemeinsame Wohnung des Paares. Die Frau war 23 Jahre alt, sie hinterließ ein neun Monate altes Baby.

Die Leiche der jungen Mutter soll der Angeklagte – und Vater des Säuglings – auf einem Feldweg nahe der A7-Raststätte Hüttener Berge abgelegt haben. Dort wurde sie später von Spaziergängern entdeckt. Der 29-Jährige sitzt in Untersuchungshaft. Für das Verfahren vor der 8. Strafkammer des Landgerichts sind fünf Verhandlungstage vorgesehen. Die Mutter des Opfers ist Nebenklägerin. Das Gericht hat elf Zeugen sowie einen psychiatrischen Gutachter und einen Rechtsmediziner geladen. Das Urteil wird am 29. Januar erwartet.

„Im Verlauf des Streits soll der Angeklagte in Wut geraten sein, die Geschädigte gepackt und mit beiden Händen am Hals gewürgt haben, bis diese durch Ersticken verstarb“, heißt es in der Prozessankündigung des Leitenden Oberstaatsanwalts. Die gemeinsam geführten Ermittlungen der Kieler Mordkommission, der Rendsburger Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft Kiel hatten im Frühsommer des vergangenen Jahres auf die Spur des 29-Jährigen geführt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Kiel legte der Rendsburger in einer Vernehmung drei Wochen nach der Tat ein Geständnis ab.

Vor seinem Geständnis im Juni 2014 hatte der 29-Jährige offenbar versucht, seine Schuld am plötzlichen Wegbleiben der 23-Jährigen zu kaschieren. Kurz nach dem tödlichen Streit soll er sie bei der Polizei als vermisst gemeldet haben. Doch es gab keine Öffentlichkeitsfahndung. Die kleine Familie lebte in einfachen Verhältnissen. Mehrfach zuvor soll die Getötete tagelang verschwunden sein, sie kehrte aber immer wieder zurück. Davon ging die Polizei auch damals aus. Bis die bereits stark verweste Leiche der Frau am 9. Juni in der Nähe der Autobahn 7 gefunden wurde.

Bereits vor zehn Jahren hatte der Rendsburger sich wegen Totschlags vor Gericht verantworten müssen. Damals tötete er seinen Großvater (66) beim Angeln. Laut Urteil wurde der damals 18-Jährige „ohne eigene Schuld zur Tat hingerissen“, als er bei einem Angelausflug an die Eider nahe Hamdorf mit ansah, wie sein Großvater (66) seinen Stiefbruder sexuell missbrauchen wollte. Der Enkel ging dazwischen und tötete den Mann. Die Leiche des Großvaters wurde mit durchgeschnittener Kehle und schweren Schlagverletzungen am Oberkörper von Spaziergängern im Schilf gefunden.

Die Jugendkammer ging damals von Totschlag in minder schwerem Fall aus. Denn nach Feststellungen des Gerichts hatte sich der Großvater jahrelang an seinen Familienmitgliedern vergangen und sie vergewaltigt, auch seine Enkel und die Mutter des Angeklagten. Die Großmutter soll die Taten gedeckt haben. Der Angeklagte wurde Ende 2005 zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, kam aber vorzeitig wieder frei. Die Hoffnungen des Gerichts, er könne Tat und Vorgeschichte in der Haft aufarbeiten, erfüllten sich offenbar nicht.

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