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Nach Unfall am Nord-Ostsee-Kanal : Rendsburger Schwebefähre: So geht es jetzt weiter

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Wie lange werden die Reparaturarbeiten dauern? Wie kommen die Kinder zur Schule? Viele Fragen sind noch offen.

shz.de von
erstellt am 10.Jan.2016 | 19:12 Uhr

Rendsburg | Das Schicksal der Schwebefähre ist weiter offen. Ab Montag werden Experten der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) ermitteln, welche Schäden bei der Kollision mit einem Frachter am Freitag um 6.38 Uhr entstanden sind.

Die Rendsburger Schwebefähre ist über 100 Jahre alt. Sie bringt täglich Pendler und Schüler von einer Seite des Nord-Ostsee-Kanals auf die andere. Sie müssen sich nun einen anderen Weg über das Wasser suchen.

Dieses Video zeigt den Unfall:

 

Fotos von der beschädigten Fähre zeigen, dass nicht nur die Aufbauten schwer in Mitleidenschaft gezogen worden sind, sondern ebenso mindestens einer der Stahlträger im unteren Bereich des Fahrzeugs. Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) wollte bisher keine Einschätzung darüber abgeben, wie lange etwaige Reparaturarbeiten dauern können. Aus Behördenkreisen verlautete jedoch, dass man mit allem rechnen müsse – eine Ausfallzeit von mehreren Monaten sei ebenso denkbar wie von über einem Jahr. Im schlimmsten Fall könne die Fähre überhaupt nicht mehr in den Regelbetrieb gehen.

Die beschädigte Schwebefähre am Freitagvormittag.

Die beschädigte Schwebefähre am Freitagvormittag.

Foto: dpa
 

Die Schwebefähre hatte seit dem vergangenen Sommer immer wieder mit technischen Pannen zu kämpfen, die mehrmals zu Ausfällen führten. Etwa ein Dutzend Mal stand sie still. Zur Frage, ob zwischen der Pannenserie und dem Unfall am Freitag ein Zusammenhang bestehen könnte, sagte Michael Friedrich, Sprecher des Havariekommandos in Cuxhaven: „Nach derzeitigem Kenntnisstand kann man davon ausgehen, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Bei einem technischen Defekt bleibt die Fähre normalerweise stehen. Zur Zeit des Unfalls war sie aber in Bewegung.“ Für eine endgültige Aussage sei es aber noch zu früh.

Hat der Unfall Auswirkungen auf die Bewerbung als Unesco-Weltkulturerbe?

Bürgermeister Pierre Gilgenast kommt am Montag mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt zu Beratungen zusammen. Dabei geht es um die Zukunft der Fähre und wie mit der veränderten Verkehrssituation umzugehen ist. Gilgenast: „Die Fähre ist unter mehreren Gesichtspunkten wichtig für die Stadt. Sie befördert täglich 520 Fahrzeuge und 1700 Personen.“ Wichtig sei auch, zu erörtern, welche Auswirkungen der Schaden auf die für 2017 geplante Bewerbung der Fähre als Unesco-Weltkulturerbe haben wird.

Wie kommen Schüler zur Schule?

Schüler aus Osterrönfeld, die in Rendsburg eine Schule besuchen und bisher die Schwebefähre nutzten, müssen ab sofort auf den Fußgängertunnel ausweichen. Einen Bus-Ersatzverkehr wird es nicht geben. Dies hat eine Prüfung ergeben, die von Landrat Rolf-Oliver Schwemer und Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast veranlasst wurde.

Demnach haben Schüler der 5. und 6. Klasse erst ab einem Schulweg von mehr als vier Kilometern einen Anspruch auf Beförderung, von der 7. Klasse an ab sechs Kilometern. Aus Osterrönfeld besuchen 75 Kinder eine Schule in Rendsburg, davon 26 die Herderschule und 28 das Helene-Lange-Gymnasium, so Schwemer. Vom Ortsmittelpunkt Osterrönfeld bis zur Herderschule beträgt der Weg 3,1 Kilometer. Die Christian-Timm-Schule ist mit 3,6 Kilometer am weitesten entfernt (der Weg über die Schwebefähre beträgt 3,2 Kilometer). Das heißt, die Schüler müssen weiterhin auf eigene Initiative und Kosten zur Schule gelangen. „Wir haben uns aber vom Wasser- und Schifffahrtsamt versichern lassen, dass die Begehbarkeit und Nutzbarkeit von Fußgängertunnel und Fahrstuhl in jedem Fall sichergestellt sind“, betont Bürgermeister Gilgenast.

Dass die Schwebefähre den Rendsburgern viel bedeutet, wurde am Wochenende an der Unglücksstelle deutlich. Zahlreiche Schaulustige waren vor Ort. Im Internet gibt es viele Kommentare. Mehrere Autoren kritisierten, dass die Fähre nur von einem einzigen Fährmann gesteuert worden ist. Bis 2004 galt der Zwei-Mann-Betrieb.

 

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