zur Navigation springen

Streit mit BGP eskaliert : Rendsburger Mieter verklagt Wohnungskonzern

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Massive Mängel, eine Mieterhöhung und mangelhafte Kommunikation haben den 63-Jährigen verärgert.

von
erstellt am 09.Aug.2017 | 11:28 Uhr

Horst-Jürgen Kuberna hat die Faxen dicke. Der 63-jährige Rendsburger wird in den nächsten Tagen die BGP-Hausverwaltung auf Beseitigung von Mängeln in seiner Mietwohnung verklagen. „Ich bin bereit zu kämpfen“, sagte er. Seine Anwältin Dana-Kristin Gerngroß von der Kanzlei Kühl hat die Klageschrift bereits verfasst.

Wie berichtet, lebt Kuberna seit dem 1. Juni 2015 in Mastbrook an der Kolberger Straße. Schon bei seinem Einzug in die 30-Quadratmeter-Wohnung hingen im Bad die Tapeten von den Wänden. In der Küche platzte die Farbe ab. „Ich dachte: Hier bleibste nicht lange.“ Aber ihm fehlte das Geld für eine bessere Wohnung. Inzwischen fallen ihm die Fenster entgegen, wenn er sie öffnen will. Die Dichtungen haben sich an einigen Stellen gelöst. Bei Regen läuft Wasser aus der verstopften Dachrinne auf den Sims und dringt in die Wohnung ein. Der Heißwasserboiler und die Heizung streiken immer wieder.

Kürzlich bildete sich an der Decke im Badezimmer bei den Heizungsrohren ein feuchter Fleck. Nachdem Kuberna den Schaden gemeldet hatte, sah sich der Hausmeister die Stelle an. Einen Reparaturauftrag hatte die BGP ihm dafür aber nicht erteilt. Seine Anwältin riet ihm, die Kaltmiete wegen aller Mängel um 30 Prozent zu kürzen.

Vor einige Wochen hatte die BGP eine Mieterhöhung von 349 auf 397 Euro ankündigt. „Aber bei dem Mängelzustand sehe ich das nicht ein“, sagte Kuberna. Er lebt von 799 Euro Rente und muss auf jeden Cent achten. Die Zustimmung zur Mieterhöhung verweigerte er. Stattdessen forderte seine Anwältin die BGP-Hausverwaltung außergerichtlich zu einer Mängelbeseitigung auf und setzte eine vierwöchige Frist. „Diese verstrich ergebnislos“, sagte sie. Die BGP sei mit ihrer Leistung im Verzug. „Jetzt hilft nur noch der Klageweg effektiv weiter.“

Sie erläuterte: Mieter und Vermieter haben vertragliche Pflichten. Ersterer muss die Mieter zahlen. Letzterer muss ihm die Wohnung in einem „zum vertragsgemäßen Gebrauch geeigneten“ Zustand überlassen und diesen auch erhalten. So schreibt es das Bürgerliche Gesetzbuch in Paragraf 535 vor. Schönheitsreparaturen muss der Mieter zwar teilweise selbst vornehmen. Die Mängel in Kubernas Wohnung lassen sich aber mit etwas Farbe nicht beheben.

Das Amtsgericht wird zunächst über Kubernas Antrag auf Prozesskostenhilfe entscheiden. Es wird nur dann Grünes Licht geben, wenn nach Ansicht des Richters der Prozess für den Kläger Aussicht auf Erfolg hat. Dann wird die Klage der BGP zugestellt. Sie hat zwei Wochen Zeit, um ihre Bereitschaft zur Verteidigung anzuzeigen, und weitere zwei Wochen, um ihre Sicht der Dinge vorzutragen und Anträge zu stellen. Sobald der Richter alle erforderlichen Informationen zusammengetragen hat, kommt es zur Verhandlung.

Wenn Kuberna gewinnt, droht der BGP eine Zwangsvollstreckung. Wenn sie die Mängel nicht selbst behebt, darf Kuberna einen Vorschuss für Handwerker beantragen. Wenn er den Prozess verliert, bleibt alles so, wie es ist. Seine Anwältin geht aber davon aus, dass er gewinnen wird. Sie betreut bereits mehrere Mandanten, die Ärger mit der BGP haben. Mit Kuberna beschreitet sie erstmals den Klageweg. Weitere Verfahren stehen unmittelbar bevor.

Kuberna würde gern umziehen und hat sich schon an etliche Wohnungsgesellschaften gewendet. Es gibt aber keine Ein-Zimmer-Wohnungen. Zudem reagierten einige Vermieter reserviert, als sie hörten, wie wenig Geld er hat.

Mehr zum Dauerärger mit der BGP gibt's hier, hier und hier.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen