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Streit mit Hausverwaltung : Rendsburger lebt seit zwölf Tagen in Lebensgefahr

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Rendsburger BGP-Mieter sorgt sich: Eine Störung verursacht zu hohe Kohlenmonoxid-Konzentration in Gastherme.

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2017 | 08:48 Uhr

Rendsburg | Jens und Kerstin Holland-Letz bangen um ihr Leben. Das Paar wohnt in Rendsburg an der Oeverseestraße in einer 50-Quadratmeter-Wohnung der BGP-Hausverwaltung in Berlin. Das Unternehmen bat im Mai 685 Rendsburger um ihr Einverständnis zu einer Mieterhöhung.

Vor zwölf Tagen heftete der Bezirksschornsteinfeger an die Gastherme in der Küche der Familie Holland-Letz einen roten Aufkleber. „Achtung! Diese Feuerstätte ist nicht betriebssicher. Bei Abgasaustritt besteht Lebensgefahr. Die festgestellten Mängel müssen unverzüglich durch einen Fachbetrieb beseitigt werden“, ist zu lesen. Handschriftlich trug der Kaminkehrer einen Kohlenmonoxidwert (CO) von 1965 Millionstel (ppm) ein. Das entspricht einer Konzentration von 1,965 Promille.

Durch einen Wasserschaden hat sich unter dem PVC-Fußboden Schimmel gebildet.

Durch einen Wasserschaden hat sich unter dem PVC-Fußboden Schimmel gebildet.

Foto: Jan-Hendrik Frank

Thomas Albrecht, Pressesprecher des schleswig-holsteinischen Landesinnungsverbands der Schornsteinfeger, erläuterte die Bedeutung: Bei jeder Verbrennung entsteht Kohlenmonoxid. Bei Gasfeuerstätten liegt der CO-Wert im Normalfall bei 100 ppm. Sobald der Wert die Grenze von 1000 ppm übersteigt, muss der Schornsteinfeger den Aufkleber anbringen und den Eigentümer schriftlich unterrichten. Abstellen darf er die Anlage nicht.

Der Vermieter muss sie in einer Frist von fünf Tagen reparieren lassen. „Wenn man einen Installateur informiert, wird er das in der Regel umgehend beheben.“ Im Fall der Familie Holland-Letz verstrich die Frist jedoch ohne eine Wartung der Therme.

Die Konzentration in dem Gerät beträgt fast das 20-Fache des Normwerts. „Diese Konzentration haben wir nicht jede Woche. Das ist schon ein Notfall“, sagte Albrecht. Kohlenmonoxid ist ein hochgiftiges, aber geschmack-, farb- und geruchloses Gas. „Man kann es nicht wahrnehmen. Wenn die Abgase austreten würden, wäre das Kohlenmonoxid in dieser Konzentration in der Raumluft, was lebensgefährlich ist“, erläuterte der Pressesprecher.

Bei Familie Holland-Letz dringt das Gas offensichtlich noch nicht heraus, sonst hätte der Schornsteinfeger die Anlage sofort abgestellt. Der hohe Wert zeigt aber eine Funktionsstörung an; bei einer Prüfung am 11. Januar betrug er nur 143 ppm. „Der Zustand wird sich verschlechtern. Irgendwann kann es dazu kommen, dass durch eine Funktionsstörung Abgase in den Raum zurückströmen“, warnte Albrecht.

Jens Holland-Letz berichtete, dass der Bezirksschornsteinfeger ihn aufforderte, permanent die Fenster zu öffnen. Zudem habe der Handwerker die Immobiliengesellscahft BGP über das Problem informiert. „Aber die BGP ändert es nicht“, klagte Holland-Letz. Bei einem Anruf im Rendsburger Büro habe sich ein Mitarbeiter damit entschuldigt, dass die Bearbeitung der Anfragen aufgrund von Urlaub und Krankheitsfällen nur langsam vorangeht.

Familie Holland-Letz befürchtet, dass ihre Gesundheit bereits unter dem Zustand leidet. „Wir haben seit geraumer Zeit mit Müdigkeit zu kämpfen“, sagte der 46-Jährige. Aber nicht nur die Gastherme bereitet ihnen Sorgen. Ihr Badezimmer besteht aus einer drei Quadratmeter großen Kabine aus Kunststoffwänden ohne Abzug und Fenster.

Unter dem PVC-Boden bildete sich Schimmel. Handwerker hätten den Schaden angesehen und vermutet, dass das Wasser durch rissige Fugen der Badewanne in den Boden gelaufen sei. „Angeblich soll das die Versicherung der BGP zahlen. Aber es wurde nichts gemacht.“ Die Pressestelle der BGP äußerte sich zu den Mängeln gestern nicht.

Auch Familie Holland-Letz wurde um ihr Einverständnis in eine 15-prozentige Mieterhöhung gebeten. Zweimal drohte die BGP deshalb eine Klage an. Doch das Paar willigte aufgrund der Mängel nicht ein.

Mehr zum Dauerärger mit der BGP gibt's hier, hier und hier.

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