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Nepal: Suche unter Trümmern : Rendsburger Hundeführer ist jetzt nah am Epizentrum

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bernd Laarsen (58) sucht seit gestern nordwestlich von Kathmandu nach Verschütteten.

Der Rendsburger Bernd Laarsen hilft in Nepal weiter bei der Suche nach Verschütteten und Verletzten. Gestern erreichten der 58-jährige Rettungshundeführer und weitere Mitarbeiter der Organisation I.S.A.R. Germany die schwer zugängliche Region Gorkha etwa 70 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Kathmandu. In dem Distrikt an der Grenze zu Tibet liegt das Epizentrum des Erdbebens der Stärke 7,8, das am vergangenen Sonnabend große Teile des Himalaya-Gebirges erschütterte und mehrere tausend Menschenleben kostete.

Rund um den Herd des Bebens sind bis zu 90 Prozent der Gesundheitsversorgung nicht funktionsfähig. „Die medizinische Infrastruktur liegt am Boden“, sagte I.S.A.R.-Sprecher Simon Pake. „Wir treffen auf massive Schäden, vor allem in den Außengebieten der Hauptstadt Kathmandu.“ Aber auch in abgelegenen Tälern und Dörfern warten die Menschen verzweifelt auf Hilfe von Außen. Von einem Notlandeplatz auf einer Bergkuppe aus werden mit dem Hubschrauber Hilfspakete in die am meisten betroffenen Gebiete geflogen. 52 Mitarbeiter des Hilfswerks sind seit Dienstag in Nepal, darunter neben Bernd Laarsen sechs weitere Hundeführer aus ganz Deutschland. Im Einsatz sind auch Experten zur Ortung Verschütteter, Bergungsspezialisten sowie Ärzte, Pfleger und Sanitäter.

Die Informationslage für die Helfer sei problematisch, berichtete Stefan Heine, der für I.S.A.R. vor Ort ist. Die Zeit werde knapp, um Verschüttete noch lebend retten zu können. Die Struktur der Trümmer sei leider so kleinteilig, dass die Wahrscheinlichkeit sehr gering sei, Überlebende zu finden, sagte Heine in einem Telefonat mit der Landeszeitung. Zwischen den Bruchstücken der Häuser gibt es kaum Hohlräume, in denen Menschen mehrere Tage überleben könnten. Die Lage stelle sich je nach Region sehr unterschiedlich dar, führte Heine weiter aus. In manchen Gegenden herrschten große Probleme bei der medizinischen Versorgung, in anderen seien vor allem Lebensmittel knapp.

Bernd Laarsen wurde gestern in der Bergung eingesetzt. Einen Rettungshund hatte er nicht dabei, jedoch modernstes technisches Ortungsgerät. Eine Searchcam – eine Kamera mit Mikrofon an einem langen Teleskoparm – erlaubt Blicke durch kleinste Lücken. Und mit einem Geophon können selbst leiseste Kratz- oder Klopfgeräusche unter Schuttbergen ausgemacht werden.

Erschwerend für die Rettungsarbeiten ist, dass auf den Straßen viel Geröll liegt. „Ein Durchkommen ist kaum möglich“, sagte Sprecher Pake. Viele Menschen schlafen unter freiem Himmel. Durch die Regenfälle sind einige vollkommen durchnässt. Das sei vor allem für die Kranken ein Problem. Für die Überlebenden sei auch die Versorgung mit Trinkwasser schwierig, sagte Pake. Unruhen in der Bevölkerung hätten die Mitarbeiter der Hilfsorganisation nicht beobachtet.

Wie lange Laarsen und die anderen Helfer noch in der Region Gorkha eingesetzt werden, stand gestern nicht fest. Der Katastrophenhelfer, der als Hausmeister im Jugendfeuerwehrzentrum tätig ist, wird vermutlich noch eine Woche im Himalaya bleiben. Siehe auch Panorama

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erstellt am 30.Apr.2015 | 06:00 Uhr

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