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"Praktiker" und "Pro Markt" : Rendsburger Eiderpark vor schweren Zeiten

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ausverkauf bei den beiden Großmietern „Praktiker“ und „ProMarkt“: Das Einkaufszentrum an der Rendsburger Friedrichstädter Straße steckt in Schwierigkeiten.

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2013 | 06:30 Uhr

Rendsburg | Die Blumenkübel vor dem Haupteingang sind frisch gestrichen, doch in ihnen wächst nichts mehr. Gleich daneben befinden sich viele Parkplätze. Die meisten sind frei. Nur alle paar Minuten betritt ein Kunde den „Praktiker“-Baumarkt im Eiderpark. Einige bleiben kurz stehen, um eines der Schilder zu lesen, die neben den Schiebetüren pappen: „Der Abverkauf startet erst am Ende der nächsten Woche!“

Ein paar Schritte weiter läuft der Leerverkauf bereits seit Wochen. „Alles reduziert“ heißt es am „ProMarkt“-Eingang. Und obwohl es auf einige Elektronik-Artikel bis zu 30 Prozent Rabatt gibt, sind die Regale noch gut gefüllt. Vom Gerangel um Schnäppchen keine Spur. Gestern Nachmittag fallen beim Gang durch das Geschäft mehr in Gelb gekleidete Verkäufer als Kunden auf.

„Schlimm, aber was soll man machen?“, sagt eine Verkäuferin in der Eiderpark-Mall, in der sich gegen 14 Uhr höchstens 50 Kunden aufhalten. Für die „ProMarkt“-Fläche könne man ja vielleicht noch einen Nachfolger finden, meint sie, aber für die weitaus größere Fläche, die noch der Bau- und Gartenmarkt einnimmt? „Das ist so groß!“

Szenen aus dem Eiderpark an einem Wochentag im September. Der „ProMarkt“ und „Praktiker“, die beiden größten Mieter, werden abgewickelt. Schuld daran ist nicht der Eiderpark, Ursache sind wirtschaftliche Probleme und Management-Fehler auf Bundesebene. Die Folgen für Rendsburg aber bleiben gleich. Denn ob es Nachfolger geben wird, ist in beiden Fällen ungewiss. Bleibt es beim Leerstand, treibt der gesamte Eiderpark schweren Zeiten entgegen. Im schlechtesten Fall droht der Stadt ein zweiter „Fall Hertie“.

Die Eigentümer-Verhältnisse erinnern bereits stark an die Vorgänge aus der Innenstadt. Seit Eröffnung des Eiderparks im Jahre 2000 gab es schon vier Hausherren. Die Hanseatische Treukontor Grundstücksgesellschaft mbH machte den Anfang. Mit ihr schlossen die Mieter ihre Verträge ab. 2005 wurde das Einkaufszentrum an eine Schwesterfirma übergeben, die Hanseatische Treukontor Eiderpark GmbH. Dabei blieb es nicht lange. Noch im selben Jahr wechselte der Komplex an die Odilo B.V. & Co. KG, die in München gemeldet ist. Ein Jahr später, kurz vor Weihachten 2006, übernahm schließlich ein ehemaliger Odilo-Gesellschafter das Zepter. Seitdem haben Holländer das Sagen. Besitzer ist die Beheermaatschappij Intermediate East-West B.V. in Amsterdam. „Schappi-Bande“ nennt die Mitarbeiterin eines Eiderpark-Geschäfts die Regenten nur noch und schimpft: „Das sind doch alles Heuschrecken!“

Immerhin gibt es auch zwei deutsche Adressen: Verwaltet wird der Eiderpark durch die Völkel Company AssetManagement GmbH in Hamburg. Haben die Einzelhändler Fragen zu buchhalterischen Angelegenheiten, ist eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Wiesbaden Ansprechpartner. Selbst Bürgermeister Pierre Gilgenast musste sich in dieses Firmenkonstrukt erst einarbeiten, nachdem er am Mittwoch von der Nachricht des bevorstehenden „Praktiker“-Ausverkaufs nach eigenen Worten „überrascht“ wurde. Gestern setzte er sich mit der Völkel Company in Verbindung und bot die Zuarbeit der Stadt an, „auch was das Baurecht angeht“. Gilgenast schloss aus, dass man durch eine Änderung des erlaubten Sortiments der Innenstadt Konkurrenz machen werde. Er sei guter Hoffnung, dass sich zumindest ein Nachfolger für den Baumarkt finden werde. Die „Praktiker“-Kette sei mit den Verkaufs- und Kundenzahlen in Rendsburg jedenfalls zufrieden gewesen. „Für einen Baumarkt ist an diesem Standort Bedarf. Beim Elekromarkt bin ich anderer Meinung, weiß aber auch nicht, was da hinkommen könnte.“

Der dritte große Name im Eiderpark ist das Famila-Warenhaus. Im Unterschied zu den anderen Geschäften ist Famila allerdings nicht Mieter, sondern Besitzer der eigenen Verkaufsfläche. Man beobachte die Entwicklung mit Sorge, wolle dem Standort aber die Treue halten, sagte eine Sprecherin.

Auch Axel Bornhöft, Inhaber nicht nur des Modehauses I.D. Sievers in der Innenstadt, sondern auch eines Sportgeschäfts im Eiderpark, ist guter Hoffnung, dass es nicht zum gefürchteten „trading-down“ (Qualitätsverlust) des gesamten Zentrums kommt. Man müsse sich jetzt „Gedanken über neue Konzepte“ machen, so Bornhöft. Das Ende des „ProMarktes“, der durch den neuen „Media Markt“ gegenüber Konkurrenz bekam, überrascht den Kaufmann noch am wenigsten: „Das ist das Ergebnis, wenn man sich auch auf der grünen Wiese kannibalisiert.“

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