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Blick auf den Weihnachtsmarkt : Rendsburg: Webcam im Visier des Datenschutzes

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die oberste Aufsichtsbehörde Schleswig-Holsteins hält neue Live-Aufnahmen vom Schiffbrückenplatz für unzulässig. Passanten sind zu erkennen.

shz.de von
erstellt am 02.Dez.2015 | 18:00 Uhr

Rendsburg | Die Webcam hängt an einem Geländer etwa vier Meter über dem Schiffbrückenplatz. Seit wenigen Tagen liefert sie Live-Aufnahmen vom belebtesten Pflaster Rendsburgs (siehe www.rd-cam.de). Alle zehn Sekunden wird ein neues Standbild gezeigt. Zu sehen sind Eisbahn, Buden, Schiffbrückengalerie – und in der unteren Bildhälfte ein Teil der Fußgängerzone. Die Aufnahmen sind so scharf, dass Personen, die sich im Vordergrund aufhalten, klar zu erkennen sind. Genau hier liegt das Problem.

Datenschützer kritisieren Webcams im öffentlichen Raum. Sind Personen zu sehen, werden Persönlichkeitsrechte verletzt.

„Wenn Personen identifizierbar sind, ist der Einsatz unzulässig“, sagt Barbara Körffer, stellvertretende Landesbeauftragte für Datenschutz. Selbst bei schlechten Sichtverhältnissen seien Passanten im vorderen Bereich deutlich zu sehen und könnten beispielsweise von ihren Bekannten gesichtet werden.

So sieht die Webcam am Schiffbrückenplatz aus der Nähe aus.
So sieht die Webcam am Schiffbrückenplatz aus der Nähe aus. Foto: sra
 

Wobei es nicht darauf ankommt, ob das Gesicht zu sehen ist. Es reicht, wenn der Betreffende eine markante Jacke trägt oder einen auffälligen Hund mit sich führt – und anhand dieser Merkmale zu erkennen ist. „Wir bitten den Betreiber der Webcam jetzt um eine Stellungnahme“, so Körffer. Die Cam dürfe so nicht weiter betrieben werden. „Wir könnten sogar die Deaktivierung anordnen“, sagt die Datenschützerin und betont, dass man sich bisher immer im Guten geeinigt habe.

Probleme bereiteten Webcams im öffentlichen Raum vor allem an den Küsten. Dort sind die künstlichen Augen häufig auf Promenaden gerichtet. Die Rendsburger Fall sei der Erste ihr bekannte in diesem Jahr an einem Weihnachtsmarkt. Betrieben wird die Kamera vom Schacht-Audorfer Unternehmen Syntaksis EDV-Systemhaus. Inhaber Jan-Henning Grell hatte sich nach eigener Aussage vorher über den Datenschutz informiert. „Wenn die Webcam in die Verantwortung des Rendsburger Stadtmarketings übergeht“, und daran arbeite man, „zählt nicht mehr das Bild mit den Passanten, sondern das Stadtbild, das gezeigt wird“, meint Grell.

Würde man die strengen Maßstäbe der Datenschützer überall anlegen, argumentiert er weiter, dürfte es überhaupt keine Webcams an öffentlichen Straßen mehr geben. Als Beispiel nennt Grell die Webcam vom Dach der Sparkasse Mittelholstein am Röhlingsplatz. Bei der sei jede Person mit einem amputierten Bein sofort zu erkennen.

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