Rendsburg : Rendsburg verkauft Naturschutzgebiet

Idylle am Nord-Ostsee-Kanal: Die Spülflächen Schachtholm wurden 1995 als Naturschutzgebiet anerkannt. Foto: org
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Idylle am Nord-Ostsee-Kanal: Die Spülflächen Schachtholm wurden 1995 als Naturschutzgebiet anerkannt. Foto: org

120 Hektar Spülfelder Schachtholm: Das Naturschutzgebiet wurde verkauft - um mit den Einnahmen von über 400.000 Euro den Haushalt zu sanieren.

shz.de von
18. Juli 2012, 11:49 Uhr

Rendsburg | Dass die Stadt Rendsburg auf der Südseite des Nord-Ostsee-Kanals mehr als 120 Hektar Land besaß, war lange ein gut gehütetes Geheimnis. Und das aus gutem Grund - schließlich handelt es sich bei den so genannten Spülfeldern Schachtholm um ein wertvolles Naturschutzgebiet, das sich seit über 30 Jahren mehr oder weniger selbst überlassen war. So konnten sich seltene Orchideen und andere Arten ansiedeln, die in Schleswig-Holstein vom Aussterben bedroht sind wie die Mondraute, der Bunte Schachtelhalm und das Kleine Knabenkraut.
Jetzt hat die Stadt dieses Naturschutzgebiet verkauft. "Der Pächter war verstorben, deshalb haben wir die Fläche zum Verkauf ausgeschrieben", erklärte Hans Peter Robin, der als erster Stadtrat und Vorsitzender des Umweltausschusses gleich doppelt mit der Angelegenheit befasst ist.
Über 400.000 Euro
Aber warum Verkauf? "Im Rahmen der Haushaltskonsolidierung gab es noch unter Bürgermeister Andreas Breitner Überlegungen, sich von allen Flächen zu trennen, die wir als Stadt nicht brauchen", so Robin. Die Stadt habe das Gelände schätzen lassen und letztlich jemanden gefunden, der weit mehr für die 78 Hektar geboten habe als alle anderen Interessenten. Über 400.000 Euro hat der Verkauf des Naturschutzgebietes gebracht.
"Als Vorsitzendem des Umweltausschusses hat sich mir zunächst der Magen umgedreht", bekannte Robin, dennoch stimmte auch er dem Verkauf zu. "Alles ist mit der unteren Naturschutzbehörde und dem zuständigen Ministerium besprochen worden - und es kam kein Widerspruch. Vor allem aber gelten die strengen Bestimmungen des Landesnaturschutzgesetzes weiter. Die sind unabhängig vom Eigentümer", sagte Robin. Zudem übernimmt die Stadt Rendsburg noch für fünf Jahre die biologische Aufsicht.
Biotope und zwei Teiche
Das Gebiet um den Flugplatz besteht aus Spülflächen, die beim Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals entstanden sind - mit ausgedehnten Trockenrasen-, Niedermoor- und Gebüschbiotopen sowie zwei Teichen.
Nach dem Verkauf der größeren Teilfläche mit Eigenjagd-Berechtigung hat die Stadt dem neuen Eigentümer auch noch die restlichen 52 Hektar Naturschutzgebiet verkauft. Dies allerdings ohne die Zustimmung der Ratsversammlung, weil die Fläche ohne die Jagd weit weniger wert ist und deshalb darüber nach Einschätzung der Verwaltung der Bürgermeister ohne politisches Votum entscheiden kann.
Kritik von Naturschützern
Harsche Kritik am Verkauf gibt es von Naturschützern: Horst Bertram, 2. Vorsitzender des Botanischen Vereins, fährt schweres Geschütz auf: "Diese Schätze zu bewahren wäre eigentlich Aufgabe der Stadt gewesen. Stattdessen hat sie diese Kostbarkeiten gegen möglichst hohe Einnahmen abgestoßen." Es sei ein Unding, dass nicht die sachkundige und erfahrene Naturschutzstiftung des Landes den Zuschlag erhalten habe, sondern ein privater Interessent. Die Stadt habe das Geschäft durchgezogen, als handle es sich um ein Baugrundstück.
Klaus Schaffner, Fraktionsvorsitzender der Grünen, hatte in der Ratsversammlung gegen den Verkauf gestimmt. Schaffner äußert zumindest indirekt Zweifel daran, dass der Naturschutz zu den Spülflächen Schachtholm auch künftig gewährleistet ist - obwohl er den neuen Eigentümer persönlich nicht kennt: "Wenn solche Flächen von einem Privatmann übernommen werden, dann läuten bei mir die Alarmglocken."

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