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„USC Oktogon Riverstate Science Center“ : Rendsburg und der geplatzte 60-Millionen-Traum vom Hotel

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Kein „USC Oktogon Riverstate Science Center“ mehr: Der Projektentwickler hat die Pläne für die ehemalige Feldwebel-Schmid-Kaserne gestoppt.

shz.de von
erstellt am 16.02.2016 | 11:45 Uhr

„Sieben Monate und ein Tag“ – dieses Ziel gab Peter Y. Köhler im vergangenen Jahr aus. Der Projektentwickler aus dem Kreis Steinburg versprach Anfang Oktober beim Tag der offenen Tür im Oktogon, das Stabsgebäude der ehemaligen Feldwebel-Schmid-Kaserne an der Schleswiger Chaussee zu einem Hotel mit 156 Betten umzubauen. Bis Mai werde es fertig sein. Im Gebäude nebenan sollten 85 Zimmer für Langzeitgäste entstehen. Insgesamt 60 Millionen Euro an Investitionen stellte Köhler in Aussicht. Mit nationalen und internationalen Geldgebern wollte er ein Gründer-, Forschungs- und Dienstleistungszentrum errichten. Name: „USC Oktogon Riverstate Science Center“. Möglich seien bis zu 1500 Arbeitsplätze, so Köhler damals.

Am Montag ist dieser Traum geplatzt. Auf Anfrage des sh:z erklärte der Unternehmer, er habe Bürgermeister Pierre Gilgenast schriftlich darüber informiert, dass die Pläne gestoppt seien. Bis Freitag habe man sich darum bemüht, das Vorhaben doch noch in die Tat umzusetzen. Dann seien jedoch die Investoren ausgestiegen.

Mehrere Gründe hätten dazu geführt, so Köhler, der seinen zweiten Vornamen Yves stets abkürzt. Ein Businessplan sei nicht fertig geworden, die Schuld daran trage ein „Geschäftspartner“, den der Steinburger nicht weiter benannte. „Wir wollen keine Schlammschlacht.“ Auch der Bau der Erstaufnahmeeinrichtung für bis zu 2000 Flüchtlinge in unmittelbarer Nachbarschaft des fraglichen Komplexes habe die Investoren bewogen, von den Plänen Abstand zu nehmen. Bis zuletzt habe er noch versucht, das Thema Flüchtlinge in sein Konzept mit aufzunehmen. Köhler: „Wir haben ein Migranteninternat angeboten, aber das wollte die Stadt nicht.“

Jetzt werde eine Rückabwicklung des Notarvertrages erfolgen, kündigte Köhler an. Das Geld für den Kauf der Gebäudegruppe im Zentrum des Oktogon habe er noch nicht gezahlt. Bisherige Eigentümerin ist die Thielen Projektträgergesellschaft aus Goch am Niederrhein, die das Militärareal im Februar 2012 vom Bund übernommen hatte.

Er selbst habe mit seiner Firma N.E.T. Plan Gruppe bisher 2,5 Millionen Euro in das Projekt investiert, gab Köhler an. Das Geld werde er zurückfordern. „Wir werden Schadensersatzansprüche gegen den Verursacher geltend machen.“

Überrascht zeigte sich Heinz Schouten von der Thielen Projektträgergesellschaft. Er erfuhr am Montag durch die Anfrage des sh:z von Köhlers Ausstieg. Schouten bestätigte, dass es Probleme gegeben habe. „Es hakt immer noch.“ Aber das Aus für das Gesamtprojekt? „Das wäre mir neu. Ich wundere mich, dass er die Flinte ins Korn schmeißt.“

In der Stadt wuchsen die Zweifel an dem ehrgeizigen Vorhaben mit jeder weiteren Woche, in der auf dem menschenleeren Abschnitt des Kasernengeländes nichts passierte. Das Einzige, was sich im Kern des Oktogon bewegt, sind die Zeiger der Uhr auf dem Dach des einstigen Stabsgebäudes. Und Maulwürfe. Sie fördern auf den ungenutzten Rasenflächen zwischen den im Achteck (Oktogon) angeordneten Militärbauten unablässig Erde zu Tage.

 

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