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Debatte über Tierschutz : Rendsburg: Tierisch dreiste Bettelmethode

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Im Internet kocht die Diskussion über die Bettler in Rendsburg hoch. Ihnen werden Misshandlungen ihrer Hunde vorgeworfen.

Große Augen, tapsige Pfoten, weiches Fell – beim Anblick von niedlichen Welpen wird vielen sofort warm ums Herz. Für Bettler kann dieser Dackelblick geschäftsfördernd sein: Vor dem leerstehenden Hertie-Gebäude, in der Hohen Straße oder im Durchgang unter dem Alten Rathaus sieht man in Rendsburg an manchen Tagen gleich mehrere Hunde, die auf Decken neben ihren bettelnden Herrchen liegen. Die Debatte um das Fundtier „Wuschel“, das von einem Bettler ausgesetzt worden sein soll, um durch einen Welpen ersetzt zu werden, hat dazu in Rendsburg eine Debatte über Tierschutz und Tiermisshandlungen ausgelöst.

Unter welchen Umständen ist das Betteln mit tierischer Begleitung in der Rendsburger Innenstadt überhaupt gestattet? Matthias Galow ist im Rathaus als Fachdienstleiter Ordnung und Verkehr auch für Tierschutz und Gefahrenabwehr zuständig. Er erklärt: Betteln ist verboten, wenn sich Passanten belästigt fühlen, wenn der Bettler aufdringlich oder aggressiv wird. Das so genannte „stille Betteln“ hingegen sei erlaubt – genauso wie das Mitführen eines Hundes, „so lange er tiergerecht gehalten wird.“ Impfbescheinigungen oder andere Dokumente müssten die Halter nicht vorweisen können, so Galow. Seinen Angaben nach dürfen Welpen ab einem Alter von sechs bis acht Wochen zum Betteln mitgenommen werden. „So lange die Besitzer nichts Verbotenes tun, haben wir keine Handhabe“, so Galow weiter.

Im Internet kocht die Diskussion über die Bettler in Rendsburg hoch. In mehreren Kommentaren wird geschildert, wie Bettler ihre Hunde getreten haben sollen oder sie auf andere Weise misshandelten. Auch gegenüber der Landeszeitung haben Bürger von solchen Beobachtungen berichtet. In diesen Fällen oder bei anderen Anzeichen von nicht artgerechter Haltung sind die Mitarbeiter des Ordnungsamtes die richtigen Ansprechpartner. „Wenn jemand Zweifel hat, soll er lieber einmal zu viel anrufen“, betont Galow. Innerhalb weniger Minuten könne dann ein Mitarbeiter in der Innenstadt sein und den Fall überprüfen. Sollten dann immer noch Zweifel bestehen, ruft das Ordnungsamt das Veterinäramt hinzu, um den Zustand des Hundes fachmännisch begutachten zu lassen. Schlimmstenfalls wird das Tier eingezogen.

In drastischen Fällen kann das Ordnungsamt auch Hundehaltungsverbote aussprechen. Dies sei jedoch in den vergangenen Jahren nur fünf Mal vorgekommen, sagt Galow. Er betont, dass die bekannten Bettler in der Innenstadt kein Tierhaltungsverbot in Rendsburg haben.

Was konkret lässt sich gegen das Betteln mit Hunden tun? Galow rät dazu, auf Geldspenden zu verzichten. „Wenn sich das nicht rentieren würde, würde in der Innenstadt keiner sitzen.“ Wer dem Tier etwas Gutes tun möchte, solle lieber auf Sachspenden wie Decken oder Futter zurückgreifen. Ein generelles Verbot für das Betteln mit Tieren in der Innenstadt könne die Stadt nicht beschließen, sagt der Ordnungsamtleiter. Gegen das Betteln im Allgemeinen könne eine Satzung erhoben werden, aber da müsse es eine landesweite Regelung geben. Zu der sieht Galow derzeit jedoch keinen Anlass: „Das Betteln ist kein großes Problem, das lief hier immer unauffällig. Die Einzelfälle, in denen es nicht so ist, kriegen wir schnell heraus. Aber das waren maximal zwei Fälle in den vergangenen zwei Jahren.“

Bis zum Fall „Wuschel“ sei das der am wenigstens auffällige Aspekt seines Zuständigkeitsbereichs gewesen, sagt Galow. Nun, da die Rendsburger für das Thema sensibilisiert sind, wird das Ordnungsamt häufiger verständigt. Galow: „Wenn Bürgern ordnungsrechtlich etwas auffällt, können sie sich gern bei uns melden – nicht nur wenn der Hund niedlich ist.“

> Ansprechpartnerin im Ordnungsamt ist Ilka Milbradt unter Telefon 0 43 31 / 20 66 27.

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