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Feuergefahr im Hochhaus : Rendsburg: Ostlandhaus stand vor der Räumung

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Fehlende Rauchmelder, Deckenverkleidung aus Plastik: Bauaufsicht schreitet wegen schwerer Mängel beim Brandschutz ein.

shz.de von
erstellt am 18.Nov.2017 | 09:30 Uhr

Rendsburg | Das höchste Wohnhaus Rendsburgs ist wegen möglicher Feuergefahr ins Visier der Bauaufsicht geraten. Im Oktober stand das Ostlandhaus offenbar kurz vor der Räumung. Nur weil der Hausbesitzer auf Drängen der amtlichen Kontrollinstanz eine 24-stündige Brandwache stellte, während eiligst die gröbsten Mängel beseitigt wurden, durften die Mieter bleiben.

So schildert es ein langjähriger Bewohner, der die jüngsten Ereignisse in dem elf Stockwerke hohen Turm protokolliert hat. Der Besitzer des Wahrzeichens von Mastbrook wiegelt ab. Man habe die ersten Brandschutzmängel behoben und die Dekra beauftragt, zusammenzustellen, was noch verändert werden muss, versichert Markus Schwarz (49) aus Hamburg. „Ich bringe niemanden in Gefahr. Alle Veränderungen werden in Abstimmung mit der Bauaufsicht zeitnah vorgenommen.“

 

Dr. Wolfgang Reinke schildert die Situation anders. Seit 1977 belegt der letzte niedergelassene Allgemeinarzt des Stadtteils mit seiner Praxis die oberste Etage. Er beklagt seit Jahren den desolaten Zustand des Hauses. Im Sommer habe es eine Begehung durch die Bauaufsicht gegeben, erzählt der 68-Jährige. Die Behörde sitzt im Rathaus, ist aber dem Innenminister unterstellt.

Das Grote-Ressort hatte nach dem Hochhausbrand von London mit 71 Toten einen landesweiten Erlass zum Check aller Wohnbauten ab 22 Metern erteilt. In Rendsburg ist nur das Ostlandhaus so hoch. Die Aufsicht habe schwere Fehler festgestellt und den Eigentümer aufgefordert, diese umgehend abzustellen, erklärt Reinke. Unter anderem gab es in den Fluren keine funkvernetzten Rauchmelder, Flurdecken war mit leicht entflammbarer Folie verkleidet, Feuerschutztüren fehlten oder waren undicht.

Als bei einer zweiten Überprüfung im September keine grundlegende Verbesserung zu erkennen war, sei die Lage eskaliert, berichtet Reinke. Die Bauaufsicht habe dem Besitzer daraufhin ein Ultimatum gestellt: entweder wird im Oktober nachgebessert, ohne Verzug und begleitet von einer Brandschutzwache, die rund um die Uhr vor Ort ist – oder es wird geräumt. So wie bei ähnlichen Hochhäusern in Wuppertal und Dortmund geschehen.

Das saß. Anfang Oktober wurde laut Reinkes Protokoll plötzlich bis nachts „laut und umfänglich“ auf allen Etagen gearbeitet. Plastikdecken landeten im Müll, korrekte Rauchmelder wurden angebracht, Stockwerksangaben an Türen gesprüht, Löcher in Stahltüren zugeschweißt. Der Hausherr sagt, er habe die Brandschutzwache nicht auf Drängen des Amtes gestellt, sondern es habe Lieferprobleme bei den Rauchmeldern gegeben. Um bis zu deren Installation mögliche Gefahr abzuwenden, habe er einen Wachdienst engagiert. Laut Schwarz ist das Ostlandhaus vollvermietet. Nur eine oder zwei von 56 Wohnungen sind wegen Mieterwechsels verwaist. Als er das Haus Anfang 2015 übernahm, lag die Leerstands-quote noch bei 63 Prozent.

Ute Goßmann von der Bauaufsicht im Rathaus bestätigt auf Nachfrage nur, es habe eine klare Anordnung an den Hausbesitzer gegeben, was gemacht werden müsse. Die Fassade habe nicht dazu gezählt. Sie enthält – anders als in London – kein feuergefährliches Material. Einiges sei nacharbeitet worden, einiges müsse noch gemacht werden, so Goßmann. Stand eine Räumung im Raum? „Das würde ich nicht beantworten“, antwortet die Expertin für Bauvorschriften.

Und Dr. Reinke? Fühlt er sich nun sicher? „Nein“, sagt er und erinnert an eine alte Mitteilung an die Mieter: „Wir wurden 2004 angewiesen, die Balkone wegen statischer Mängel nicht mehr zu betreten. Diese Einschränkung ist nie aufgehoben worden.“ Erneuert wurden die Balkone ebenfalls nicht. Sorge machen auch die Fahrstühle. Vom 19. September bis zum 18. Oktober streikten sie laut Reinkes Protokoll neun Mal wegen technischer Defekte.

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