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Menschen des Jahres 2015 : Rendsburg hilft: Mehr als 1800 „Freunde“ heißen Flüchtlinge willkommen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Facebook-Gruppe zeigt in Rendsburg seit Einrichtung des Erstaufnahmelagers im Sommer Flagge. Etliche Helfer packen tatkräftig an.

von
erstellt am 05.Nov.2015 | 10:27 Uhr

Während einige auf der Straße ausländerfeindliche Parolen brüllen, heißen andere die Flüchtlinge herzlich willkommen. Die Initialzündung zu der Aktion „Rendsburg hilft“ löste im Sommer bei Jörg Löbe der Artikel in der Landeszeitung aus, dass Rendsburg ein Erstaufnahmelager erhalten sollte. „Endlich kann ich etwas tun!“, dachte er erleichtert, nachdem er die Bilder von den Flüchtlingsströmen gesehen und sich gewünscht hatte, „sie auf einer Etappe ihrer Flucht unterstützen zu können.“

Jörg Löbe gründete auf Facebook die Hilfe-Gruppe. Schnell stießen weitere Mitglieder hinzu, unter anderem Anja Alff, die ihn als Administratorin unterstützt. „Ich war erstaunt über die große und positive Resonanz“, sagt Löbe. Mehr als 1800 Mitglieder sind inzwischen registriert. Auch wenn nicht alle von ihnen tatkräftig anpacken – sie setzen ein Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit und für ein freundliches Deutschland. Daher legen Jörg Löbe und Anja Alff auch Wert darauf, dass die Anerkennung als „Menschen des Jahres“ nicht ihnen, sondern der ganzen Gruppe gebührt.

Die 31-jährige Anja Alff hatten die Bilder aus dem Osten Deutschlands schockiert. Ihr Anliegen war es, zu beweisen: „Hier in Rendsburg ist es anders!“ Das ist gelungen und zeigte sich bereits beim Einzug der ersten Flüchtlinge im Lager, bei dem von den Rendsburgern Kuchen verteilt und bei der Erstregistrierung geholfen wurde. Letztere Aufgabe hat inzwischen das Team SH übernommen, doch unter dem Dach des Roten Kreuzes helfen Rendsburger weiterhin auf vielfältige Weise. Sie sortieren beispielsweise im Oktogon die Kleiderspenden, organisieren Zusammentreffen zwischen Flüchtlingen und Einheimischen – oftmals in Kooperation mit dem Flüchtlingsnetzwerk und anderen Hilfs-Gruppen. Außerdem gibt es diverse Arbeitsgruppen wie die Nähgruppe, die ihre Erzeugnisse unter anderem am 7. und 8. November in der Nordmarkhalle anbietet. Mit dem Erlös wird die Flüchtlingsarbeit unterstützt, zum Beispiel Unterwäsche gekauft.

Außerdem gibt es jeden dritten Mittwoch im Monat um 19 Uhr im Kulthaus ein Netzwerktreffen der Helfer. Jeden Dienstag von 16 bis 19 Uhr ist dann im „Café Kult“ reger Austausch angesagt. „Es funktioniert tatächlich“, freut sich Anja Alff über das Miteinander. Sie und Löbe sorgen auf Facebook dafür, dass Anfragen beantwortet und Fahrdienste koordiniert werden. Ganz und gar ehrenamtlich und neben ihrer Erwerbsarbeit – genauso wie die anderen Helfer. Der 49-jährige Löbe bekennt: „Familie und Freizeit rücken in den Hintergrund“. Dass der Einsatz nicht nach wenigen Wochen vorbei sein würde, war ihm immer klar. „Ich habe allen gesagt: Das ist ein Marathon“.

 
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