Wartungsarbeiten : Rendsburg: Frust über gesperrte Schwebefähre

Die Schwebefähre gilt als das Wahrzeichen der Stadt Rendsburg: In knapp zwei Minuten bringt sie Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer über den Nord-Ostsee-Kanal.
Die Schwebefähre gilt als das Wahrzeichen der Stadt Rendsburg: In knapp zwei Minuten bringt sie Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer über den Nord-Ostsee-Kanal.

Urlauber müssen in den Sommerferien auf eines der beliebtesten Fotomotive im Land verzichten: Die Schwebefähre steht sechs Wochen still.

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21. Juli 2015, 05:55 Uhr

Für Touristen ist die über 100 Jahre alte Schwebefähre einer der Höhepunkte beim Besuch der Stadt Rendsburg. Doch anstatt begeisterter Gesichter bei der Überfahrt sieht man in den Sommerferien enttäuschte Mienen am Kanalufer. Denn das Wahrzeichen ist wegen Wartungsarbeiten bis zu sechs Wochen gesperrt (wir berichteten). Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) hat seine Gründe, die Arbeiten in die Ferienzeit zu legen. Touristiker und Lokalpolitiker wünschen sich dagegen eine Verschiebung der Inspektion.

Bewusst legen die Verantwortlichen beim WSA die regelmäßigen Wartungsarbeiten in die schleswig-holsteinischen Sommerferien. So soll den zahlreichen Schülern, die täglich mit der Fähre von Osterrönfeld nach Rendsburg pendeln, der Umweg über den Fußgängertunnel erspart bleiben, erklärte WSA-Außenbezirksleiter Jörg Winkelmann auf LZ-Nachfrage. Für Monika Heise von RD-Marketing sei dieser Umstand schon seit Jahren unbefriedigend. Schließlich kommen ihrer Ansicht nach viele Besucher gezielt in die Kanalstadt, um einmal im Leben mit der Schwebefähre zu fahren. Weltweit gibt es nur sieben weitere Exemplare, die Bewerbung als offizielles Unesco-Weltkulturerbe ist bereits eingereicht.

Inzwischen habe sich das Team von RD-Marketing mit der Sperrung des Wahrzeichens abgefunden. Seit Jahren schon falle die Inspektion in die Ferienzeit, so Heise. Jetzt gehe es darum, die Besucher rechtzeitig zu informieren. „Wir müssen die Infos über alle uns möglichen Kanäle verbreiten. Und wir wollen den Urlaubern zeigen, dass Rendsburg noch mehr zu bieten hat.“ Ratsherr Lothar Möhding (SPD) sieht es nicht ganz so locker wie das Marketing-Team. „Wir leben von den Touristen. Viele kommen extra deshalb hierher. Und das ist für uns Negativreklame.“ Deshalb bittet er das Wasser- und Schifffahrtsamt, den ausgewählten Zeitraum für die Zukunft noch einmal zu überdenken. Möhding schlägt vor, die Arbeiten aufzuteilen – und zwar auf die Oster- und Herbstferien. So würde in der Hauptsaison im Sommer die Fähre für Urlauber zur Verfügung stehen.

Dass die Auszeit für Touristiker und Besucher ärgerlich ist, könne man beim WSA zwar verstehen, doch ändern werde das nichts am bisherigen Vorgehen. Winkelmann: „Man kann es nicht allen Recht machen. Die Wartung muss nun mal sein. Und für uns ist die Schwebefähre in erster Linie ein Verkehrsmittel.“ Eine Teilung der Arbeit auf die anderen Ferien hält er für weniger sinnvoll. Die Arbeiten sollen seiner Ansicht nach in einem Stück erledigt werden.

Zu den notwendigen Maßnahmen am Baudenkmal gehört unter anderem die Überprüfung der Elektromotoren, die an der Hochbrücke für den Antrieb der Fähre sorgen. Diese werden in den nächsten Tagen komplett abgebaut und von einer Fachfirma überprüft. Außerdem bekommt das Transportmittel einen neuen Anstrich, die Holzplanken werden ausgewechselt, die Fahrbahnmarkierungen erneuert und eine gründliche Reinigung steht ebenfalls an. „All das passiert auf Osterrönfelder Seite, denn dort sind die Fundamente bereits aufgebaut“, erklärte der Bezirksleiter.

Einen kleinen Lichtblick gibt es für alle Urlauber, die ihren Ausflug nach Rendsburg für das Ende der Ferien vorgesehen haben: „Ich hoffe, dass wir früher fertig werden. Versprechen kann ich aber noch nichts“, sagte Winkelmann.

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