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Einweihung von Erstaufnahme : Rendsburg: Flüchtlingsdorf bereit für bis zu 1850 Menschen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bund und Land teilen sich die neue Erstaufnahme-Einrichtung in Rendsburg. Flüchtlinge mit unklarer Bleibeperspektive werden in der ehemaligen Kaserne wohnen.

shz.de von
erstellt am 20.Jun.2016 | 11:11 Uhr

Rendsburg | Fußball hebt die Stimmung. Nicht nur bei der Europameisterschaft in Frankreich, auch an der Schleswiger Chaussee. Zwei Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes stehen mit einigen Flüchtlingen auf dem Asphalt zwischen den Wohncontainern und passen sich die Bälle zu. Es wird gelacht.

Ein Junge schiebt seine jüngere Schwester im Buggy hin und her, ein anderes Kind malt mit Kreide Kreuze auf den Boden. Eine Frau trägt einen Korb mit Kleidung in den Bereich, in dem sich die Waschmaschinen befinden. Die Asylsuchenden sorgen eigenhändig für Sauberkeit. „Sie waschen ihre Wäsche selbst und reinigen auch den Raum, in dem sie leben“, sagt Ulf Döhring, der Leiter des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten, als er sich zusammen mit Innenminister Stefan Studt (SPD) Montagnachmittag ein Bild vom Camp auf dem Gelände der ehemaligen Feldwebel-Schmid-Kaserne verschafft.

Mit einem Rundgang der beiden ranghohen Offiziellen wurde die Qualifizierte Erstaufnahmeeinrichtung, so ihr amtlicher Name, nach Monaten der Vorbereitung eingeweiht. 800 Flüchtlinge mit unklarer Bleibeperspektive sollen hier vorübergehend leben, heißt es aus dem Innenministerium. Im Extremfall könnten jedoch bis zu 1850 Menschen in festen und mobilen Zimmern mit jeweils vier Betten untergebracht werden. Die ersten 57 Männer, Frauen und Jugendlichen erreichten Rendsburg bereits am vergangenen Mittwoch.

Land und Bund teilen sich die Liegenschaft, denn Rendsburg wird auch eine Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. So sollen Asylanträge direkt vor Ort und dadurch zügiger als bisher bearbeitet werden. Noch ist die Behörde allerdings nicht einsatzbereit.

Eine Kinderspielstube, ein Teeraum, Sport- und Freizeitangebote sowie ein gesonderter Bereich für Frauen stehen ebenfalls zur Verfügung. Die ehemalige Turnhalle der Feldwebel-Schmid-Kaserne wurde zu einer Mensa umfunktioniert. Bis zu 600 Menschen gleichzeitig können ihre Mahlzeiten einnehmen. Auf Schweinefleisch wird verzichtet. Angeboten werden drei Mahlzeiten am Tag. Im Fastenmonat Ramadan gibt es außerdem eine Spätausgabe nach Sonnenuntergang. Heute Mittag stehen Frühlingsrolle mit Salsa, Reis und Salat auf dem Speiseplan.

„Ich bin froh, dass dieser Standort nach einer langen Phase der Planung jetzt realisiert werden kann“, sagt Studt. „Die Einrichtung wird uns helfen, die Registrierungs- und Asylverfahren der Geflüchteten weiter zu systematisieren und zu straffen.“ Das neue Camp vervollständige das Konzept des Landes für die Erstaufnahme von Flüchtlingen. „Schutzsuchende Menschen können im Hinblick auf ihre individuelle Situation nun bestmöglich versorgt werden.“

Nach Rendsburg kommen Asylsuchende, die zuvor bereits eines der beiden Ankunftszentren in Neumünster oder Glückstadt durchlaufen haben. Ihr Aufenthalt wird nach den Erfahrungen des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten mehrere Wochen dauern. „Ob es sechs oder zehn Wochen sind, wird die Praxis zeigen“, so Studt.

Afghanistan, Armenien, Iran und die Russische Föderation sind typische Herkunftsländer von Ankömmlingen, deren Vorgeschichten eine längere Bearbeitungszeit erfordern. „Das sind nicht etwa schwierige Menschen, sondern Flüchtlinge, bei denen der Sachverhalt diffizil ist“, betont Michael Heinrich, der Leiter der Polizeistation im Camp.

6300 Flüchtlinge kamen bis Mitte Juni in diesem Jahr neu nach Schleswig-Holstein. Im laufenden Monat waren es bis zum 14. Juni laut Ministerium erst 267. Die Erstaufnahme-Einrichtungen im Land haben eine Gesamtkapazität von weit über 10.000 Plätzen. Im vergangenen Jahr waren 55.000 Asylsuchende eingetroffen, von denen 20.000 in andere Länder weitergeleitet wurden.

Wann die nächsten Flüchtlinge an der Schleswiger Chaussee eintreffen, steht noch nicht fest.

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