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Umstellung auf Doppik : Rendsburg berechnet Mehrkosten durch die doppelte Buchführung

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Systemwechsel erfordert bis 2017 zusätzliche Ausgaben von insgesamt 75 000 Euro. Danach fallen jedes Jahr 45 000 Euro Folgekosten an.

shz.de von
erstellt am 02.Okt.2013 | 17:14 Uhr

Büdelsdorf hat gewechselt, Schacht-Audorf ebenfalls. Auch in den Ämtern Fockbek, Hohner Harde, Jevenstedt und Mittelholstein wurde die altmodische Kameralistik zu den Akten gelegt. Die Buchhaltung arbeitet nun nach der in der Wirtschaft üblichen doppelten Buchführung (Doppik). Rendsburg wägt noch ab, ob sich die Umstellung rechnet. Am Dienstag wurden dem Finanzausschuss Vergleichszahlen vorgelegt. Die Gesamtkosten einer „Einführung Doppik“ wurden dem Preis einer „Fortführung Kameralistik“ gegenübergestellt. Ergebnis: Doppik kommt teurer, soll der Politik aber eine zielgenauere und deutlicher in die Zukunft weisende Verwendung der Mittel ermöglichen. Nach den Berechnungen des Fachbereichs Finanzen im Rathaus entstehen allein durch den Systemwechsel bis 2017 Mehrkosten von insgesamt 75 000 Euro. Danach fallen jedes Jahr 45 000 Euro Folgekosten an.

Im Gegensatz zur bisherigen Bilanzierung, die grundsätzlich allein Einnahmen und Ausgaben des jeweiligen Haushaltsjahres abbildet, ermöglicht die Doppik auch die Erfassung des sogenannten Werteverzehrs. Damit sind etwa Abschreibungen oder Rücklagen für Pensionszahlungen gemeint. Oder andere, später entstehende Kosten – zum Beispiel für eine Mülldeponie, die in 30 Jahren rekultiviert werden muss. Mit der Doppik kann der städtische Haushalt zudem nach Ressourcenverbrauch und Wirkung gesteuert werden. Beispielsweise ist es möglich, die Freigabe von Geld für Kindertagesstätten an Fortschritte beim Entwicklungsstand der Heranwachsenden zu koppeln. Die entsprechenden Zielvorgaben würden durch die Kommunalpolitik festgelegt.

Angesichts der Kosten überwogen im Ausschuss die kritischen Stimmen. „Der Kreis hat es bis heute nicht geschafft, Zielvereinbarungen zu treffen“, merkte Ratsherr Norbert Klan (Grüne) an. Ratsherr Peter Krasemann (CDU) fragte: „Hat die Umstellung auf Doppik bei den Gemeinden zu einem sparsameren Denken geführt?“ Als Ausschuss brauche man jetzt „mehr Infos und mehr Zeit“, fasste der Vorsitzende Klaus Brunkert (CDU) zusammen. Das Thema gehöre in die Haushaltsberatungen.

Im Folgenden präsentierte Kämmerer Herwig Schröder die Rahmendaten für den Haushaltsentwurf 2014. Mit dem Hinweis, dass es sich nur um eine Grobschätzung handele, bei der wichtige Parameter wie Steuerschätzung, Einwohnerzahlen und der Datenvergleich mit dem Kreis noch fehlten, kam Schröder auf einen Fehlbetrag von rund 484 000 Euro. Um den wieder wettzumachen, schlug die Verwaltung eine Erhöhung der Realsteuer-Hebesätze um 10 Punkte vor. So seien rechnerisch Mehreinnahmen von rund 474000 Euro möglich. Brunkert bat die Verwaltung, bis zur nächsten Sitzung die aktuellen Hebesätze anderer Kommunen im Wirtschaftsraum zu recherchieren. Zu einer inhaltlichen Diskussion, wie das Haushaltsminus darüber hinaus aufgefangen werden könnte, kam es nicht.

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