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Blick auf die Stadt : Rendsburg-Ansichten aus der Ferne

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Mit Abstand betrachtet: Wie Fachleute aus Schleswig und Neumünster unsere Stadt beurteilen.

shz.de von
erstellt am 19.Aug.2015 | 01:11 Uhr

„Ist das schön hier!“ So urteilen dieser Tage viele Urlauber über Rendsburg. Sie schwärmen vor allem von der gemütlichen Innenstadt und der Nähe zu den Schiffen auf dem Kanal.

Aber was denkt man eigentlich in den Zentren nördlich und südlich der Region über unsere Stadt? Wir haben uns bei Fachleuten aus den Bereichen Wirtschaft und Tourismus umgehört und nach ihrem Blick auf Rendsburg befragt. Sie sind nah genug dran, um sich ein Urteil bilden zu können – und weit genug weg, um unbefangen zu sprechen.

Henning Voigt von der Spedition Voigt-Logistik in Neumünster fallen zu Rendsburg spontan gute und schlechte Aspekte ein. „Große, erfolgreiche, international renommierte Firmen wie ACO, Hobby und Peter Wolters“, nennt der landesweit bekannte Spediteur auf der Positiv-Seite. Auch die kulturellen Aktivitäten von ACO-Chef Hans-Julius Ahlmann („Eine unternehmerische Persönlichkeit“) nehme man weit über die Region Rendsburg hinaus zur Kenntnis. Negativ-Faktoren seien die marode Rader Hochbrücke und die Dauerbaustelle Kanaltunnel. „Die Hochbrücke ist eine Katastrophe, für die Rendsburg nichts kann. Man bringt sie mit der Stadt aber trotzdem in Verbindung.“ Gleiches gelte für das Fiasko am Tunnel. Die Abstimmung zwischen der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung und der Landesregierung sei in diesem Punkt „unzulänglich“, urteilt Voigt.

Auch bei Rendsburgs Nachbarn weiter nördlich blickt man nicht konkurrierend, sondern freundschaftlich verbunden an den Kanal. Wolfgang Harm, Vorsitzender des Gewerbevereins St. Jürgen, dem 90 Schleswiger Betriebe aus Handel, Gewerbe und Dienstleistung angehören, beneidet die Rendsburger um ihre beiden großen Alleinstellungsmerkmale: „Rendsburg hat den Kanal und die Eisenbahnhochbrücke, wir die Schlei.“ Rendsburg empfinde er eher als Arbeiterstadt, während in Schleswig viele Beamte wohnten. Ansonsten stecke Rendsburg in einer ähnlich schwierigen Situation wie die Schlei-Stadt. „Wir versuchen alles, um an Identität zu gewinnen.“ Leider mangele es oft an innovativer Kraft, Effekte durch die Landesgartenschau vor Jahren seien verpufft. Sollten sich Rendsburg und Schleswig verbünden, um Kunden und Kaufkraft in den Binnenstädten zu halten? Harm hat da erhebliche Zweifel.


„Aus zwei Kranken wird
nicht automatisch ein Gesunder“


„Aus zwei Kranken wird nicht automatisch ein Gesunder. Wir müssen selber versuchen klarzukommen.“ Die Verknüpfungen zwischen den Städten seien ohnehin nicht allzu groß. „Ich spiele mit meiner Band beim Rendsburger Herbst – aber das ist schon alles.“

Auch Andrea Simons von der Ostseefjord Schlei GmbH sieht Rendsburg nicht als Gegenspieler, sondern als Partner im Werben um die Gunst der Touristen. „Wenn bei uns Anfragen speziell zum Nord-Ostsee-Kanal landen, leiten wir sie selbstverständlich nach Rendsburg weiter“, sagt die Tourismus-Expertin. Auch auf Messen trete man gemeinsam mit Rendsburg und auch Eckernförde auf. Und was fällt ihr persönlich spontan ein, wenn der Name Rendsburg fällt? „Die Schwebefähre, da war ich als Kind oft“, sagt Andrea Simons. Die Lage Rendsburgs an Eider und Kanal sei herausragend. Als Event bleibe der jährliche Ruder-Marathon am meisten in Erinnerung.

Iris Meyer, Chefin der Wirtschaftsagentur Neumünster, schaut mit Anerkennung auf die Entwicklung am südlichen Kanalufer. „Rendsburg ist ein dynamisches Mittelzentrum, das eine stetige Entwicklung nach oben aufweist.“ Insbesondere der Rendsburg Port biete großes Potenzial, von dem auch Neumünster profitiere. „Die Güter auf der Schiene werden bei uns umgeschlagen.“ Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft unter Leitung von Pascal Ledune leiste hervorragende Arbeit. Auch wenn man „im selben Teich um die Unternehmen buhle“, pflege man zu den Rendsburgern ein kooperatives Verhältnis. Privat falle ihr als Erstes die schöne Rendsburger Innenstadt ein, so Iris Meyer – aber natürlich kaufe sie in erster Linie in Neumünster ein.

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