Reit- und Fahrverein Brekendorf : Reitverein: Vorsitzender vor Gericht

Mehr als 50 Pferde eines Reitvereins aus Brekendorf wurden im Februar beschlagnahmt – einige wurden inzwischen wieder zurückgegeben.
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Mehr als 50 Pferde eines Reitvereins aus Brekendorf wurden im Februar beschlagnahmt – einige wurden inzwischen wieder zurückgegeben.

Vorwurf der Tierquälerei an vier Brekendorfer Schulpferden durch Unterlassen. Verhandlung wird am 13. August in Eckernförde fortgesetzt

shz.de von
27. Juli 2015, 16:16 Uhr

Der erste Prozess im Fall der beschlagnahmten Pferde des Reit- und Fahrvereins Brekendorf hat gestern vor dem Amtsgericht Eckernförde begonnen. Angeklagt ist Arno Krause (64), der als Vorsitzender den vier Schulpferden des Vereins „lang anhaltendes Leid“ durch Unterlassen zugefügt haben soll. Wie bereits zu Beginn der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft vor mehr als einem Jahr (wir berichteten) weist er die Schuld von sich: „Von Tierquälerei kann keine Rede sein“, betonte er gestern.

Ende Januar 2014 und in den Wochen danach waren 60 Pferde vom Hof des Vereins in Brekendorf beschlagnahmt worden. Der Grund: Die Tiere sind dem Vorwurf zufolge nicht ausreichend versorgt worden, viele seien abgemagert gewesen. Im Prozess gegen Arno Krause ging es ausschließlich um die vier vereinseigenen Schulpferde. Die Anklage zählte auf, welche Mängel bei ihnen während der Beschlagnahmung festgestellt wurden: Darin war unter anderem von hochgradigem Wurmbefall, Haken und Kanten im Gebiss, schmerzhafter Auflösung von Zahnwurzeln, abgebrochenen Hufen und magerem Ernährungszustand die Rede. Zudem habe das Futter einen schlechten Hygienestatus aufgewiesen. Krause habe nichts unternommen, „um die unhaltbaren Zustände abzustellen“, hieß es in der Anklage. Krause betonte, dass er den Tieren schon allein deshalb keine lang anhaltenden Leiden habe zuführen können, weil er erst im November 2013 Vereinsvorsitzender geworden sei – rund zweieinhalb Monate vor der Beschlagnahmung . Ihn wundere nicht, dass bei der Untersuchung Verwurmung festgestellt worden sei, schließlich sei die nächste Wurmkur für das Frühjahr 2014 geplant gewesen. Den Zustand der Gebisse hält Krause für normal. „Wenn Haken und Kanten nicht zu Verletzungen im Maul führen, ist es nicht nötig, die Zähne zu raspeln“, sagte er. Das Alter der Pferde sei immer zu berücksichtigen, wenn es um die Behandlung gehe. Zudem seien ausgebrochene Stellen in den Hufen üblich, wenn Pferde im Winter ohne Hufeisen laufen. Die Haltung der Tiere weitgehend im Freien sei Konsens im Verein. Unter den Bedingungen sehen die Tiere ihm zufolge eben nicht so gepflegt aus wie Pferde, die nur für einen Ausritt aus dem Stall geholt werden.

Die Amtstierärztin beschrieb als Zeugin die Mängel von zunächst zwei Pferden, die sie und eine mit der Untersuchung beauftragte Tierarzt-Praxis festgestellt hatten. Eines der beiden Tiere habe erhebliche Schmerzen durch ungleichmäßig abgenutzte Zähne und einen gekippten Backenzahn „auf jeden Fall“ beim Fressen erlitten. Dadurch habe es weniger gefressen. Der Wurmbefall habe den mäßigen Ernährungszustand verschärft – die Darmparasiten entziehen ihr zufolge die Nährstoffe aus dem Futter. Im Fall des anderen Pferdes musste die Amtstierärztin einräumen, dass sie weder Verletzungen im Maul durch die scharfkantigen Zähne noch Schwierigkeiten durch die Verwurmung festgestellt habe. Auch die Ausbrüche an den Hufen haben keine schweren Folgen. Sie sehe dennoch einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, weil Leiden zu erwarten gewesen wären. Ihre Meinung: Arno Krause hätte sich mehr um die Gesundheit der Pferde kümmern müssen. Die Verhandlung wird am 13. August um 9 Uhr in Eckernförde fortgesetzt.

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