"Prima Textilpflege" in Rendsburg : Reinigung mit unsauberen Methoden

Gereinigt und gebügelt: Mindestens 200 frische Hemden hängen  noch im Laden. Foto: RIE
Gereinigt und gebügelt: Mindestens 200 frische Hemden hängen noch im Laden. Foto: RIE

Warum die "Prima Textilpflege" in Rendsburg so plötzlich geschlossen wurde, ist weiter ein Rätsel. Vier Mitarbeiterinnen bangen um ihre Jobs.

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06. Dezember 2012, 08:26 Uhr

Rendsburg/Hamburg | Der Inhaber ist abgetaucht. Heinz K., Chef der Reinigung "Prima Textilpflege", lässt nicht nur seine vier Rendsburger Mitarbeiterinnen darüber im Unklaren, wie es für sie weitergeht. Auch seine Kunden wussten lange nicht, wie und wann sie an ihre gereinigte Kleidung kommen. Mindestens 200 frische Hemden hängen noch im Geschäft - Mittwochvormittag sollen sie ausgegeben werden.
Am Dienstag traf die Landeszeitung dort eine Aushilfe an, die vereinzelt Hemden herausgab. Auch der Sohn des Betreibers äußerte sich am Telefon. "Vogel-Strauß-Taktik" - so beschreibt er das Verhalten seines Vaters: "Es ist ein Albtraum. Und ich kann auch nichts machen, weil der Laden mir nicht gehört." Der Sohn ist nach eigenen Angaben Inhaber des Hauses am Schiffbrückenplatz. Sein Vater habe die Räume von ihm gemietet, sagt er. "Mein Vater hat aber schon seit einem Dreivierteljahr keine Miete mehr gezahlt", berichtet der Sohn. Er betreibt selbst neun Zweigstellen unter dem Namen "Prima Textilpflege" in Hamburg und im Umland, nach eigener Aussage aber getrennt vom Unternehmen seines Vaters - "nach einem Streit haben wir privat und geschäftlich nichts mehr miteinander zu tun".

Ohne Vertrag bei Billiglohn?

Der Junior gibt an, er habe die Marke "Prima Textilpflege" vor 20 Jahren aufgebaut. Zusammen mit seinem Vater hätte er in guten Zeiten 14 Betriebe gehabt, die nach einem Franchise-Modell geführt wurden. Sein Vater habe zuletzt drei Zweigstellen betrieben. Angeblich ist eine in Quickborn noch geöffnet. Eine weitere befand sich in Hamburg - diese schloss Heinz K. Anfang des Jahres, ebenfalls in einer Nacht-und-Nebel-Aktion. Durch den unsauberen Abgang seines Vaters auch in Rendsburg fürchtet der Reinigungs-Unternehmer um seinen eigenen Ruf in der Region. "Ich habe mit Anwälten gesprochen, der Mietvertrag soll gekündigt werden - so schnell wie möglich." Mit Interessenten für den Standort am Schiffbrückenplatz will er ebenfalls schon in Gesprächen sein. Diese sollen den Betrieb unter einem neuen Namen weiterführen, wenn es nach seinen eigenen Vorstellungen geht - "dann ist das Drama hoffentlich demnächst zu Ende. Es wird weitergehen, der Standort ist gut", bekräftigt der Hamburger. Und fügt noch hinzu: "Die Kunden werden ihre Kleidung zurückbekommen."
Derzeit sind die vier Noch-Mitarbeiterinnen in Rendsburg die einzigen, die das übernehmen können. Zwei offenbar als Festangestellte, zwei als Aushilfen. Eine von ihnen, Mutter eines Kindes, sprang für etwa vier Jahre in Urlaubs- und Krankheitszeiten ein. Und wenn sie gerade dringend gebraucht wurde. So wie am Dienstag. Dankbar holten mehrere Kunden ihre Hemden ab.
Die Frau möchte ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Doch eins kann sie versprechen: "Am Mittwochvormittag zwischen zehn und elf Uhr können unsere Kunden ihre Kleidung abholen. Das wurde gerichtlich erlaubt, so lange kein Insolvenzverfahren eröffnet ist." Sie besitzt noch einen Schlüssel zum Geschäft. Nur: Der Strom ist abgestellt, seit Anfang vergangener Woche schon. Im Laden ist es kalt. Die Aushilfe hat, so scheint es, mehr Mitleid mit den betroffenen Kunden als mit sich selbst. Bezahlt wird sie, davon geht sie fest aus, für diesen Einsatz nicht. Die Rendsburgerin wurde zu niedrigen Stundenlöhnen beschäftigt, über die sie nicht öffentlich sprechen möchte. Einen Vertrag gab es offenbar nie - "das wollte der Chef nicht." Der habe sich ohnehin kaum blicken lassen, höchstens nach Feierabend. "Er hat den Laden schlecht gemanagt, sich um nichts gekümmert", sagt die Frau. "Wir wussten hier alle, dass es irgendwann zu Ende ist. Nur nicht, dass es so schnell geht."

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