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Landeszeitung

22. August 2017 | 17:11 Uhr

Boxen : Reifeprüfung

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Im Rahmen der Willi-Haase-Boxgala bestreitet der 16-jährige Alex Dittmann am Sonnabend seinen ersten Kampf.

Bamm, bamm, bamm. Unaufhörlich drischt Alex Dittmann auf seinen Widersacher ein. Bamm, bamm, bamm. Rechts, links, rechts. Immer wieder finden seine Fäuste haargenau das Ziel. Bamm, bamm, bamm. Doch Gegenwehr hat Dittmann nicht zu erwarten. Der 16-jährige Hohenwestedter malträtiert einen Boxsack, der von der Decke hängt. Hier in der spartanisch eingerichteten Sporthalle der Rendsburger Christian-Timm-Schule bereitet sich der Schüler auf seinen ersten Kampf vor. Im Rahmen der Willi-Haase-Boxgala gibt Dittmann am Sonnabend sein Debüt im Seilgeviert. Es ist seine Reifeprüfung. Der Teenager steht dann einem Gegner gegenüber, der – im Gegensatz zu dem Boxsack – die Schläge nicht einfach so schlucken wird. „Ich bin schon sehr aufgeregt und gespannt, was mich erwartet“, sagt Dittmann. Aber Angst? Nein, die hat er nicht. „Warum auch? Ich bin gut vorbereitet und brenne darauf, endlich zu kämpfen.“ Den Worten will er Taten folgen lassen. Und schlägt auf den Boxsack ein, als stünde sein kommender Gegner bereits vor ihm. Bamm, bamm, bamm.

Vor knapp einem Jahr hat sich Dittmann erstmals die Boxhandschuhe übergestreift. „Ich war schon von klein auf vom Boxen fasziniert. Mit meinem Vater habe ich mir viele Kämpfe im Fernsehen angeschaut und wollte das schon immer mal ausprobieren“, erzählt der Sohn eines Deutschen und einer US-Amerikanerin. Doch zunächst versuchte sich der Teenager in anderen Sportarten. „Es hat mir aber nichts so richtig gut gefallen. Ich brauche etwas, um mich auszupowern. Das kann ich beim Boxen.“ Deshalb wird er auch nicht müde, auf den Boxsack einzuschlagen. Bamm, bamm, bamm.

Trainer Artjom Daschjan steht etwas abseits und verfolgt aufmerksam die Bewegungen seines Schützlings, gibt Anweisungen, korrigiert Körper- und Armhaltung. „Alex verfügt über großes Talent“, sagt Daschjan. Der 28-Jährige hat einen Blick dafür, schließlich ist er selbst ein erfolgreicher Boxer, hat bis vor wenigen Wochen noch für den BSV Cottbus in der 2. Bundesliga gekämpft. Nun will er sein Wissen und sein Können an den Nachwuchs bei der FT Eintracht Rendsburg weitergeben. „Talent allein reicht aber nicht, um ein guter Boxer zu werden“, betont Daschjan im nächsten Satz. Wichtiger als gute Anlagen sei der Wille. „Ich habe schon viele Talente gesehen, die auf der Strecke geblieben sind, weil sie sich darauf ausgeruht haben.“ Weil sie sich nicht quälen wollten im Training, nicht mehr gemacht haben, als nötig war. Das ist bei Dittmann anders. „Alex hat dieses Feuer in den Augen. Er hört erst dann auf, wenn der Trainer es ihm sagt, eher sogar später. Das unterscheidet einen guten von einem sehr guten Boxer.“ Und deshalb hat Daschjan auch keine Zweifel, dass Dittmann sich am Sonnabend im wahrsten Sinne des Wortes „gut schlagen“ wird. „Auch wenn der Gegner vielleicht schon über Ringerfahrung verfügt.“ Wer ihm dann im Halbschwergewicht (bis 81 Kilogramm) gegenüber steht, erfährt der Debütant am Sonnabend erst kurz vor Kampfbeginn. „Aber das ist auch egal. Ich nehme es mit jedem auf“, sagt Dittmann selbstbewusst und lässt wieder die Fäuste sprechen. Bamm, bamm, bamm.

Keine drei Meter entfernt liegt Emil Barsegjan auf dem Boden, stemmt seinen gedrungenen Körper immer wieder in die Höhe. 10-Mal, 20-Mal, 30-Mal. Hopp, hopp, hopp. Auch der 26-Jährige bereitet sich auf sein Faustgefecht am Sonnabend vor. Insgesamt sieben Boxer der FT Eintracht Rendsburg wollen vor eigenem Publikum zeigen, was sie drauf haben. „Das ist für uns alle das erste Mal, dass wir in Rendsburg kämpfen. Das ist schon etwas Besonderes“, sagt Barsegjan. Und dann ist da ja auch noch der Namensgeber der Veranstaltung: Willi Haase. Über Jahrzehnte hatte der 2012 im Alter von 78 Jahren verstorbene Haase die Geschicke des Boxsports in Rendsburg in verschiedenen Funktionen und in verschiedenen Vereinen geleitet. „Ich hatte Glück und habe Willi noch persönlich kennen gelernt. Er war ein ganz besonderer Mensch. Es ist deshalb für mich eine große Ehre, am Sonnabend bei der Gala zu boxen“, sagt Barsegian. Auch die Brüder Karapet (22) und Karen (21) Budagjan finden nur lobende Worte für ihren langjährigen Trainer. „Er hat uns von der Straße geholt. Bevor wir mit dem Boxen angefangen haben, hatten wir viele falsche Freunde. Er war wie ein Vater für uns. Auch uns bedeutet es sehr viel, bei seiner Gala auftreten zu dürfen“, fügt der ältere der beiden an. Eine ganz besondere Beziehung zu der Rendsburger Box-Legende pflegte Artjom Daschjan. Haase sagt einst über seinen Schützling, den er zu fünf Norddeutschen Meisterschaften geführt hat: „Er war das größte Talent, das ich jemals trainiert habe.“ Nun setzt Daschjan gemeinsam mit Bayram Özdemir Haases Werk bei der FT Eintracht fort und formt Talente wie Dittmann. „Nicht nachlassen, Alex“, ruft Daschjan plötzlich in die Stille. Und dann hört man es wieder. Bamm, bamm, bamm.

Willi-Haase-Boxgala Wann? Wo? Was?

Erstmals seit 2008 veranstaltet die FT Eintracht Rendsburg am Sonnabend (28. März) wieder die Willi-Haase-Boxgala. „Wir wollen das zu einem festen Event machen und dem Boxsport in Rendsburg eine Bühne geben“, sagt Florian Nahnsen, der 1. Vorsitzende der FT. Einlass in die Nordmarkhalle ist um 18 Uhr. Die Vorkämpfe beginnen um 18 Uhr, die Hauptkämpfe um 19 Uhr. Geboxt werden bei den Herren drei Runden à drei Minuten (Damen: vier mal zwei Minuten). Karten im Vorverkauf gibt es bei Europcar Rendsburg, der Touristinfo und dem Vereinsheim der FT Eintracht Rendsburg (Alte Kieler Landstraße). Die Karten kosten im Vorverkauf zehn Euro, an der Abendkasse zwölf Euro.

> Mehr Informationen im Internet unter www.boxen-rd.de.

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erstellt am 26.Mär.2015 | 06:00 Uhr

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