Sehestedt im Wandel (2) : Reicher Kaufmann mit 17 Kindern

Eine große Familie: Kaufmann Ingward Martin Clausen (Mitte mit Vollbart) im Kreise seiner Kinder und Kindeskinder. Er kaufte für seine Tochter Therese Carlota das Gut Freienberg. Fotos: Dorfmuseum
1 von 5
Eine große Familie: Kaufmann Ingward Martin Clausen (Mitte mit Vollbart) im Kreise seiner Kinder und Kindeskinder. Er kaufte für seine Tochter Therese Carlota das Gut Freienberg. Fotos: Dorfmuseum

Aus Bauernhöfen wurden Wohnhäuser. Diese Entwicklung machte auch vor den Gütern in Sehestedt nicht halt. Freienberg und Hohenfelde haben ihre Ländereien verpachtet.

von
07. Januar 2019, 16:17 Uhr

Ingward Martin Clausen war ein erfolgreicher Mann – sowohl in finanziellen Angelegenheiten als auch bei der Familienplanung. Der dänische Kaufmann machte in Südamerika das große Geld, heiratete eine Mexikanerin und erfüllte sich dann einen Traum: Er kaufte Gut Knoop.

Juliane Rumpf, geboren und aufgewachsen auf Gut Freienberg, kann erklären, was Clausen mit Sehestedt und ihrer Familie zu tun hat. „Er war mein Ur-Ur-Großvater.“ Clausen sorgte für seine insgesamt 17 Kinder. Er kaufte Höfe, die er ihnen dann überließ. Auf diese Weise kam 1889 der ehemalige Meierhof von Gut Sehestedt – denn als solcher war Freienberg um 1800 erbaut worden – in den Besitz von Clausen-Tochter Theresa Carlota.

Im Sommer 2018 beschäftigte sich eine Ausstellung im „Haus der Geschichte“, dem Sehestedter Dorfmuseum, zum zweiten Mal mit dem Wandel in der Kanalgemeinde. Dieses Mal standen die Höfe im Mittelpunkt – zu denen auch das Gut Sehestedt zählt und damit dessen ehemalige Meierhöfe Freienberg und Hohenfelde. Viele Sehestedter schauten in ihren Privatarchiven nach Fotos. So auch Kreispräsidentin Juliane Rumpf – und stellte dem Dorfmuseum dabei neben zahlreichen Bildern aus der Landwirtschaft das Bild der Familie Clausen zur Verfügung.

Henning Oldekop, der zuBeginn des 20. Jahrhunderts eine „Topographie des Herzogtums Schleswig“ vorlegte, schreibt in seinem Werk unter anderem über Freienberg: „Die Ländereien sind besonders gut. Wenig Wiesen, sechs Hektar Moor“. In den 50er und 60er Jahren gab es auf Freienberg noch Schweine- und Kuhstall, Hühner und Enten.

Über Hohenfelde ist in alten Aufzeichnungen wenig zu erfahren. Das Gut liegt heute südlich des Kanals außerhalb des Ortes und wird (wie Freienberg) nicht mehr bewirtschaftet; die Ländereien sind verpachtet. Der Hof war 1951 von Kuno Bornhöft gekauft worden, der das 200 Jahre alte Herrenhaus 1961 abbrechen und noch im selben Jahr ein neues Wohnhaus errichten ließ. Hier lebt heute seine Schwiegertochter Karin Bornhöft, die sich gesellschaftlich und politisch in der Region engagiert.

Das 1282 erstmals erwähnte Gut Sehestedt war und ist der größte Landeigner in der Gemeinde. 1542 wurde beispielsweise Schirnau als Meierhof errichtet und Gut Sehestedt zugeschlagen. Erst 1806 wurde es unter Friedrich Jürgen Stehen ein selbstständiges Gut. Einst lag es am Ufer des Schirnauer Sees und verfügte über einen Lösch- und Ladeplatz. Der See ist in den Nord-Ostsee-Kanal aufgegangen. Auf dem Gut, das heute zur Gemeinde Bünsdorf gehört, betreibt jetzt die Familie Fedder einen bekannten Kartoffelhof und eine Kochschule.

„1798 kaufte Friedrich Jürgen Stehen von Schirnau zwei Vollhufen vom Gut Sehestedt, ließ sie niederlegen und an ihrer Stelle, an der alten Landstraße von Sehestedt nach Borgstedt ... einen neuen Hof erbauen“, schreibt Deert Lafrenz in seinem Werk „Gutshöfe und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein“. 1806 wurde der Hof zum adeligen Gut erhoben, wechselte dann mehrfach den Besitzer, wurde 1928/29 aufgesiedelt und gehört heute ebenfalls zur Gemeinde Bünsdorf.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen