Verkehr : Regionalbahn kommt ins Rollen

Die Bahn kommt – und wurde 2016 zwischen Kiel und Rendsburg häufiger genutzt als im Vorjahr.
Die Bahn kommt – und wurde 2016 zwischen Kiel und Rendsburg häufiger genutzt als im Vorjahr.

Nach dem Stotter-Start der Linie 75 zwischen Rendsburg und Kiel steigen die Fahrgast-Zahlen – liegen aber weiter unter den Erwartungen.

shz.de von
20. Juni 2017, 13:21 Uhr

Mehr Menschen als 2015 nutzten im vergangenen Jahr das Bahn-Angebot für die Strecke Rendsburg – Kiel. Das ergab eine Anfrage der Landeszeitung beim Nahverkehrsverbund Nah-SH. Demnach stiegen 2016 im Durchschnitt täglich insgesamt 2278 Menschen an den Haltestellen ein oder aus. Das entspricht einem Anstieg von fast zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr (2078 Ein- und Aussteiger pro Tag). „Die Zahlen sind deutlich gestiegen. Das ist eine erfreuliche Entwicklung“, sagte Nah-SH-Sprecher Dennis Fiedel.

Einmal pro Stunde verkehrt die Regionalbahn 74 zwischen Rendsburg und Kiel. Seit Januar 2015 fährt zudem die Regionalbahn 75 stündlich und steuert auch kleinere Bahnhöfe an. In den ersten Monaten nach Einführung des neuen Angebots gab es noch deutliche Probleme: Neben Verspätungen blieben außerdem die Fahrgastzahlen weit hinter den Erwartungen zurück. Fiedel gab damals zu: „Wir müssen deutlich sagen, dass die Qualität nicht gestimmt hat.“ Die Pünktlichkeitsprobleme habe man weitestgehend in den Griff bekommen, erklärte Fiedel nun. Und die Zahl der Fahrgäste in Achterwehr, Felde, Melsdorf und Schülldorf war 2016 deutlich höher als im Vorjahr. „Wir sind jetzt auf dem Wachstumspfad, den wir uns vorstellen und gehen davon aus, dass noch mehr Menschen das Angebot für sich entdecken werden.“

Nach dem Stotter-Start ist die Regionalbahnlinie 75 beliebter geworden. In Schülldorf stiegen 2015 beispielsweise täglich 109 Menschen ein oder aus. 2016 waren es schon 128. Allerdings liegt dieser Wert immer noch deutlich unter den Erwartungen für die Haltestelle: Nah-SH hatte ursprünglich mit rund 200 Fahrgästen pro Tag kalkuliert. Schacht-Audorfs damaliger Bürgermeister, Eckhard Reese, hatte vor zwei Jahren aufgrund zu weniger Nutzer den Shuttlebus, der seine Gemeinde mit Schülldorf verbindet, infrage gestellt. Fiedel zeigte sich angesichts der neuen Zahlen auf Nachfrage trotzdem zufrieden: „Das ist für die Station völlig in Ordnung. In zwei, drei Jahren noch mal zehn Prozent mehr, und wir wären hochzufrieden.“

Auch der Vorsitzende des Regionalentwicklungsausschusses, Tim Albrecht (CDU), sprach von einer erfreulichen Entwicklung. Ausschussmitglied Martin Tretbar-Endres (SPD) schloss sich an: „Ich bin selbst Bahnfahrer zwischen Kiel und Flensburg. Die Zahlen bestätigen meine subjektive Wahrnehmung. Es ist erfreulich, wenn es jetzt etwas aufwärts geht.“ Sich vom Auto auf die Bahn umzustellen falle vielen Menschen schwer. „Ich erlebe sehr häufig überraschte Reaktionen im Bekanntenkreis, wenn ich erzähle, dass die Verbindung inzwischen eigentlich ideal ist.“ Viele überlegten dann, ob das nicht auch etwas für sie wäre, erzählte Tretbar-Endres. „Aber vom Überlegen zum Machen – das dauert. Vor allem im Bereich der Verhaltensänderungen.“

Derzeit bereiten die Politiker die Ausschreibungen für den Überlandverkehr vor. „Ein Thema soll dann beispielsweise sein, wie die Anbindung in den Gemeinden zwischen Bus und Bahn verbessert werden kann.“ Tretbar-Endres regte außerdem an, dass Land und Bahn über die Einführung von günstigen Sammeltickets nachdenken könnten.

Mangelnde Werbung ist anscheinend kein Problem: Die neue Bahnlinie ist in der Region inzwischen gut bekannt. Das hatte eine Umfrage im Auftrag von Nah-SH ergeben. „Eventuell geben wir trotzdem dieses Jahr noch einmal Infomaterial an die Haushalte“, sagte Fiedel.

Alle Bewohner an der Strecke wird man wohl trotzdem nicht zum Umsteigen in die Bahn überzeugen. „Unsere Schüler pendeln von Bredenbek oder Bovenau mit dem Bus“, sagte Martina Schmelz, Sekretärin am Beruflichen Gymnasium „Erneuerbare Energien“ in Osterrönfeld. Und sie selbst? „Ich pendle seit neun Jahren zwischen Kiel und der Haltestelle Deula. Der Bus der Linie 4630 könnte zwar regelmäßiger fahren, aber ich muss nicht umsteigen und zahle 60 Euro weniger im Monat.“

Die Regionalbahn 75 ist weiterhin kein Selbstläufer.

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