Recherche in 42 Metern Höhe über dem Kanal

Erich Thiesen schuf ein Standardwerk über die Hochbrücke. Der Volks- und Betriebswirt und Doktor der Staatswissenschaften hat das Bauwerk während seines ganzen Berufslebens vor Augen gehabt.  1962 wurde er Redakteur des Bauernblattes und der Landeszeitung. 1969 folgte die Ernennung zum Chefredakteur des Bauernblattes. Diese Position hatte er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1994 inne. Zudem war der Journalist  Mitglied im Programmbeirat von Radio Schleswig-Holstein. Thiesen lebt mit seiner Frau in Büdelsdorf.
Erich Thiesen schuf ein Standardwerk über die Hochbrücke. Der Volks- und Betriebswirt und Doktor der Staatswissenschaften hat das Bauwerk während seines ganzen Berufslebens vor Augen gehabt. 1962 wurde er Redakteur des Bauernblattes und der Landeszeitung. 1969 folgte die Ernennung zum Chefredakteur des Bauernblattes. Diese Position hatte er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1994 inne. Zudem war der Journalist Mitglied im Programmbeirat von Radio Schleswig-Holstein. Thiesen lebt mit seiner Frau in Büdelsdorf.

Erich Thiesen schrieb Buch über die Eisenbahnhochbrücke.

shz.de von
25. April 2014, 06:00 Uhr

Höhenangst kennt Dr. Erich Thiesen (83) nicht. Das ist eine gute Voraussetzung für jemanden, der ein Buch über die Rendsburger Eisenbahnhochbrücke schreiben will. In einer Höhe von 42 Metern über dem Nord-Ostsee-Kanal hat der frühere Chefredakteur des Bauernblattes einst recherchiert. Er ließ sich von Fachleuten technische Details erklären und sah das einzige Einschussloch, das an den Angriff eines britischen Tieffliegers erinnert. Sein Buch erschien 2013 rechtzeitig zum 100-Jahr-Jubiläum der Hochbrücke. Die 1000 Exemplare waren schnell vergriffen. In diesen Tagen ließ die Bundesingenieurkammer als Herausgeberin eine zweite Auflage produzieren, diesmal sogar 3000 Stück.

Die zweite Auflage des Buches ist allerdings weit mehr als ein Nachdruck. Erich Thiesen hat sein Werk komplett überarbeitet, neu geordnet und um zahlreiche Illustrationen ergänzt. Über zwei Monate nahm der Feinschliff in Anspruch. Auch wenn Ingenieure das Buch in Auftrag gaben: Die Zielgruppe sind nicht nur Baumeister, Architekten und Statiker. Thiesen bemühte sich mit Erfolg darum, den komplexen Stoff unterhaltsam aufzubereiten. Dazu trägt bei, dass er die Grundzüge der Diskussion schildert, die vor über 100 Jahren die Spalten der Rendsburger Tageszeitung füllte. Bürger bezeichneten die geplante Brücke als „Monstrum, das das Stadtbild verschandelt“, Geschäftsleute fürchteten steigende Transportkosten, weil sich durch die Schleife die Strecke nach Hamburg verlängerte. Und manche Parallele zur Neuzeit lässt sich ziehen. Schon damals zog man Alternativpläne in Erwägung. So prüften die Fachleute, ob man den Kanal für die Eisenbahn untertunneln könne. Die damaligen technischen Möglichkeiten allerdings ließen das nicht zu.

Ein Blickfang sind die neu ins Buch aufgenommenen technischen Originalzeichnungen. Was heute in wohl allen Planungsbüros in Deutschland von Computern erledigt wird, hat man damals mühsam, aber akribisch mit Lineal und Bleistift angefertigt. Bewundernswert, wie die Ingenieure selbst an kleinste Details dachten – ein weiterer Beleg für die Meisterleistung, die die Erbauer schon bei der Planung vollbrachten. Und die Zeichnungen vermitteln noch mehr: Sie öffnen die Sinne dafür, dass die Eisenbahnhochbrücke in ihrer Filigranität ein höchst elegantes Bauwerk geworden ist.

Thiesens Buch hat das Zeug zu einem Standardwerk. Wer eine bestimmte Information sucht, gelangt dank der übersichtlichen Gliederung zügig zum Ziel. Dem Profi-Journalisten war bei der Erarbeitung der Texte daran gelegen, objektiv zu sein, aber eine Grundsympathie gegenüber der Hochbrücke wird dennoch deutlich. Damit kann Thiesen jedoch leben. „Ich mag diese Brücke“, sagt er und schmunzelt. Daher verwundert es nicht, dass Thiesen an die Zukunft des – inklusive der Rampen – 2,5 Kilometer langen Bauwerks glaubt. Er hat mit den Fachleuten gesprochen, die die Stahlkonstruktion jüngst für 170 Millionen Euro ertüchtigt haben. Diese gehen davon aus, dass die weltweit einzigartige Kombination aus Brücke und Schwebefähre weitere 50 Jahre halten wird, also deutlich länger als die von Land und Bund erwarteten 30 Jahre.

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