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Rendsburg : Rathaus bereitet sich auf 100 Asylbewerber vor

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ab 1. Juli ist die Stadtverwaltung für die Unterbringung zuständig. Jetzt werden dringend Wohnungen gesucht.

shz.de von
erstellt am 05.Jun.2015 | 11:40 Uhr

Die Zeit drängt: In knapp vier Wochen werden die ersten von 100 Flüchtlingen erwartet, für deren Unterbringung die Rendsburger Stadtverwaltung zuständig ist. Für knapp 60 von ihnen hat die Stadt bereits Wohnungen reserviert. Weitere Domizile werden gesucht, zumal die Flüchtlingswelle noch weiter anschwellen könnte. Bürgermeister Pierre Gilgenast schließt bei steigenden Asylbewerberzahlen nicht aus, dass Rendsburg mittelfristig für mehr als 200 Menschen aus Krisengebieten wie Syrien und Afghanistan zu einer neuen Heimat wird.

Ab dem 1. Juli ist die Stadtverwaltung in der Pflicht. Bisher war für die in Rendsburg eingetroffenen Flüchtlinge ausschließlich die Kreisverwaltung in der Verantwortung. Sie brachte die Menschen zunächst in der Gemeinschaftsunterkunft an der Kaiserstraße unter. Doch die Kapazitäten sind erschöpft. Vor drei Monaten erfuhr die Stadt, dass sie sich ab der zweiten Jahreshälfte ebenfalls kümmern muss. Zwei Mitarbeiter (eineinhalb Stellen) hat Bürgermeister Gilgenast damit beauftragt, die Flüchtlinge zu betreuen.

Die wichtigste Aufgabe ist zunächst, den Neubürgern ein Dach über den Kopf zu bieten. „Der Wohnungsmarkt hat sehr sensibel reagiert. Uns liegen schon viele Angebote von Hauseigentümern und Wohnungsbaugesellschaften vor“, sagt Gilgenast. Doch nicht jedes Angebot kann angenommen werden. Die Stadt muss sich streng am Asylbewerberleistungsgesetz orientieren. Einem alleinlebenden Menschen steht demnach eine Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnung mit maximal 50 Quadratmetern zu. Die Kaltmiete ohne Nebenkosten darf höchstens 247 Euro betragen. Eine vierköpfige Familie hat Anspruch auf eine Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnung mit bis zu 85 Quadratmetern, die Obergrenze der Netto-Kaltmiete liegt bei 390 Euro. Die Kosten für die Unterbringung übernimmt das Land. Die Stadt erhält eine einmalige Integrationspauschale von 900 Euro pro Flüchtling. Diese Summe zahlt das Land zunächst an den Kreis, der es wiederum an das Rathaus überweist. Davon sollen beispielsweise Deutsch-Kurse und Dolmetscher bezahlt werden. Ebenso darf die Stadt das Geld dafür verwenden, die ehrenamtliche Arbeit der Flüchtlingsbetreuer zu unterstützen.

Gilgenast will den Asylbewerbern das Gefühl geben, in Rendsburg willkommen zu sein. Und das fängt bereits da an, wo die Flüchtlinge das erste Mal einen Fuß in die Stadt setzen. „Die Menschen werden am Bahnhof von ehrenamtlichen Helfern der Christkirchengemeinde empfangen“, so Gilgenast. Zudem hat das Rathaus ein kommunales Integrationskonzept erarbeitet. Der Entwurf enthält eine Fülle an Vorschlägen. Unter anderem: Interkulturelle Schulungen für die Verwaltungsmitarbeiter, um auf Bedürfnisse und Mentalität von Menschen mit Migrationshintergrund besser eingehen zu können; Sprachförderung im Kindergarten; Personalanteil von Menschen mit Migrationshintergrund in der Stadtverwaltung steigern.

Der Bürgermeister schließt nicht aus, einzelne sanierungsbedürftige Gebäude und Wohnungen für die Asylbewerber herzurichten. 30 Prozent der Kosten müsste die Stadt übernehmen, den Löwenanteil könnte sie über Zuschüsse finanzieren. Damit rückt eine Option in den Blickpunkt, die seit längerem angedacht wird: Die Stadt erwägt den Kauf eines Nebengebäudes der früheren Standortverwaltung. „Wir prüfen das derzeit“, sagt Gilgenast. Grundsätzlich jedoch sollen die Flüchtlinge dezentral in der Stadt untergebracht werden: „Wir wollen kein Ghetto schaffen.“

Im Kreis Rendsburg-Eckernförde werden in diesem Jahr mehr als 2000 Asylbewerber erwartet – doppelt so viel wie im Vorjahr.

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