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Landeszeitung

22. Oktober 2017 | 21:47 Uhr

Motorsport : Rasend schnell

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Westerrönfelder Rallye-Duo um Fahrer Olaf Gennat und Co-Pilot Jörn Andresen blickt auf das erfolgreichste Jahr ihrer Laufbahn zurück.

von
erstellt am 12.Dez.2013 | 09:15 Uhr

Das hätte er sich vor der Saison nicht träumen lassen. Zwar konnte es nach dem mäßigen Abschneiden in 2011 und 2012 eigentlich nur besser laufen, aber dass sich Olaf Gennat (38/Foto oben) am Ende dieses Jahres zu den besten Rallyefahrern Norddeutschlands zählen darf, hatte auch er nicht erwartet. Gemeinsam mit seinem Co-Piloten Jörn Andresen (25/Foto unten) gewann er unter anderem den Norddeutschen ADAC Rallye-Cup. „Besser ging es kaum“, lautet sein Fazit.

Im Jahr 1994 begann der Westerrönfelder seine Motorsport-Laufbahn und seit 2007 ist er regelmäßig bei Rennen in ganz Deutschland am Start. Die Infektion mit dem Rallye-Virus erfolgte im Jahr 1981. Im zarten Alter von sechs Jahren hatte ihn sein Vater zur Sachs-Rallye Baltic mitgenommen. „Da habe ich zu ihm gesagt, dass ich so etwas auch mal fahren will.“ Mit einem lapidaren „Ja, ja“ und einem müden Lächeln habe der das damals noch als kindliche Träumerei abgetan. Über 30 Jahre später ist Vater Ewald mittlerweile der Teamchef des erfolgreichen Rallye-Teams. Der aktive Einstieg gleicht dem von so vielen Rennfahrern. Auch Gennat erfuhr als Jugendlicher im Kart erstmals den Rausch der Geschwindigkeit. Für den KFZ-Meister aber erzeugt der Rallyesport noch einen ganz anderen Kick, weil er viel facettenreicher daherkommt als andere Motorsportklassen. „Auf einem Rundkurs auf Asphalt ist es doch irgendwie immer das Gleiche. Beim Rallyefahren ist es die Kombination aus verschiedenen Untergründen und Witterungsverhältnissen, die zu bewältigen sind. In der Formel 1 oder bei der DTM sagen sie bei zu viel Regen auf der Strecke, heute fahren wir nicht. Wir hingegen fahren immer, selbst wenn Schnee liegt. Das macht die Faszination aus“, erklärt Gennat. Hinzu kommt der Streckenverlauf als die große Unbekannte. Vor dem Rennen kann man den Kurs einmal abfahren und den Aufschrieb machen, den die Rallyefahrer liebevoll „Gebetbuch“ nennen. „Und danach geht es schon auf Zeit.“

Damit die Hatz nach der Bestzeit kein absoluter Blindflug wird, kommt dem Beifahrer eine ganz besondere Bedeutung zu. Das Zusammenspiel zwischen dem Piloten und seinem Co. entscheidet nicht unwesentlich über Erfolg oder Misserfolg. „Bei uns sagt man auch gerne: Das Gehirn sitzt rechts“, sagt Gennat mit einem Schmunzeln auf den Lippen, weiß aber genau, dass es ohne Beifahrer nicht geht: „Ihm muss der Fahrer blind vertrauen können. Er weiß, wann welche Kurve kommt oder wie es hinter einer Kuppe weitergeht.“ Umso bemerkenswerter ist der Erfolg dieses Jahres, weil Gennat im Frühjahr mit Jörn Andresen einen neuen Beifahrer an seiner Seite begrüßt hat. Andresen war zuvor für die Pressearbeit verantwortlich und tauschte den bequemen Schreibtischstuhl mit dem heißen Sitz des Co-Piloten. „Aber er hat sich super eingefügt“, sagt der 38-Jährige.

Nicht nur von Defekten, auch von Crashs blieben die beiden Rennfahrer in diesem Jahr weitgehend verschont. Wirklich heftig ist es für Gennat, zumindest als Fahrer, in seiner Rennfahrerkarriere auch noch nicht geworden. „Richtig schwere Unfälle habe ich Gott sei Dank noch nicht erlebt. Aber sie kommen leider doch immer wieder vor, auch Todesfälle. Man muss sich der Gefahr bewusst sein“, so Gennat. Der Motorsport ist und bleibt gefährlich und zudem ein äußerst kostspieliges Unterfangen. Auch wenn sein Rallye-Team mittlerweile sieben Mitglieder umfasst, sind Gennat und seine Mitstreiter Amateure. Die Bezeichnung „teures Hobby“ aber trifft es wahrlich nicht mehr. Es geht weit darüber hinaus. Auf 15 000 bis 20 000 Euro belaufen sich die Kosten für eine Saison. „Und da sind schwere Schäden am Fahrzeug noch nicht einkalkuliert“, sagt Gennat. In der letzten Saison standen er und Andresen 14-Mal an der Startlinie. Maximal ein Viertel dieses Jahresetats ist durch Sponsorengelder abgedeckt. „Der Rest kommt aus dem eigenen Portemonnaie.“ Nicht zu verachten ist zudem der zeitliche Aufwand. Nur fünf Prozent würden das Rennen als solches ausmachen. 95 Prozent der Zeit stehen Gennat und Co. in der Werkstatt und tüfteln am Auto. „Das geht im Anschluss an den eigentlichen Job dann schon mal bis spät in den Abend hinein“, gesteht Gennat. Und wann kommt die Familie zu ihrem Recht? Die ist zumindest im Fall Gennat ebenfalls vom Rallye-Virus infiziert. Ehefrau Sandra (37) und der zweijährige Sohnemann Finn-Ole sind so oft es geht mit dabei. „Ohne ihre Unterstützung könnte ich das nicht machen“, stellt Gennat klar.

Die Planungen für die neue Saison laufen. „Wir hoffen, dass wir auch im neuen Jahr so viele Rennen wie zuletzt fahren können. Das hängt davon ab, wie stark wir alle beruflich eingespannt sind.“

Die Erfolge des Jahres 2013

1. Platz im Norddeutschen

ADAC Rallye-Cup

2. Platz im ADAC Rallye-Cup

Schleswig-Holstein

4. Platz im DMSB Rallye-Pokal

5. Platz im Rallye-Nord-Cup

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