Emkendorf : Randalierer zerstören Ort der Trauer

In zwei Teile gebrochen: Der untere Teil des Kreuzes steckt noch in der Erde. Den oberen Teil haben Marlies Kock (links) und Monja Balzer davor gestellt. Es ist nicht das erste Mal, dass die Gedenkstätte zerstört wird.
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In zwei Teile gebrochen: Der untere Teil des Kreuzes steckt noch in der Erde. Den oberen Teil haben Marlies Kock (links) und Monja Balzer davor gestellt. Es ist nicht das erste Mal, dass die Gedenkstätte zerstört wird.

Zum wiederholten Male wird die Gedenkstätte eines tödlich verunglückten Motorradfahrers beschädigt. Freunde sind entsetzt über diese Tat.

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09. Januar 2015, 06:00 Uhr

Fassungslos stehen Monja Balzer und Marlies Kock an der Unglücksstelle, an der vor gut zwei Jahren ihr bester Freund bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen ist. Um trauern zu können, haben die Freunde ein Kreuz aufgestellt und Grablichter angezündet. Neben dem Tod des geliebten Menschen belastet die beiden Frauen aber vor allem eins: Die Gedenkstätte wird immer wird von Randalierern zerstört.

Als sie die Schreckensnachricht im April 2013 erreichte, haben sich Monja Balzer, Marlies Kock und weitere Freunde zusammengetan und ein Kreuz am Unfallort auf der K45 zwischen Bokelholm und Brammer aufgestellt. Auch Mitglieder des Motorradclubs des Verunglückten stellten ein Kreuz aus Ästen auf. Grablichter, der Helm des Motorradfahrers sowie kleine Engelsfiguren machten den Gedenkort komplett. Nur wenige Monate später dann der Schock: „In einer Nacht- und Nebelaktion war plötzlich alles verschwunden“, berichtet Marlies Kock. Nicht nur die Kreuze, auch der Helm, die Figuren und Grablichter waren nicht mehr an Ort und Stelle. Irritiert von dem Vorfall rief die 34-Jährige bei der zuständigen Straßenmeisterei an, die kurz zuvor Bauarbeiten an der Stelle ausführte. Die Mitarbeiter versicherten jedoch ihre Unschuld. Und nicht nur das: Berührt von dem Schicksal sammelten die Arbeiter Geld und gaben so für ein neues Kreuz dazu. „Das war eine ganz tolle, rührende Aktion“, lobt Monja Balzer den Einsatz. Das neue Kreuz wurde schließlich in einen Betonfuß gegossen, so dass zukünftige Randalierer keine Chance haben, das Symbol zu stehlen. Vor zwei Tagen nun jedoch der neue Schock: Das Kreuz wurde zerstört. Zwei Teile liegen an der Gedenkstätte. „Jemand wollte das Kreuz aus der Erde herausziehen“, ist sich Monja Balzer sicher. Da dieses jedoch einbetoniert war, zerbrach es letztlich, wurde in zwei Hälften geteilt. „Man sieht richtig, wie das Holz auseinandergebrochen ist.“

Die Frage, die sich die beiden stellen: „Wer hat daran Interesse?“ Der Unglücksort liegt auf der Strecke zwischen Bokelholm und Brammer. Weder ein Rad- noch ein Fußgängerweg läuft entlang der K45. Der oder die Täter müssten also bewusst an der Stelle anhalten. „Sowas kann man sich einfach nicht vorstellen“, sagt Monja Balzer, „das ist einfach respektlos dem Toten gegenüber.“ Ein Aufruf im Internet brachte keinen Erfolg. Keiner habe etwas gesehen. Legal sei das Aufstellen der Kreuze. Polizeisprecher Sönke Hinrichs sagte dazu, dass dieses Vorhaben in der Regel toleriert wird. Sollte die Gedenkstätte durch die Größe und auch Nähe zur Straße für Autofahrer eine potenzielle Gefahr darstellen, müsste jedoch eingegriffen werden. „Aber so etwas ist mir nicht bekannt“, betonte Hinrichs. Das Errichten eines Kreuzes oder ähnlichem werde geduldet, da es sich um besondere und tragische Umstände handelt, so Hinrichs weiter. Dass andere Gedenkstätten bewusst beschädigt worden sind, sei bislang nicht vorgekommen. Der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein teilte mit, dass es keine gesetzlichen Richtlinien dazu gibt. Lediglich der Eigentümer der Straße, ob Bund, Land, Kreis oder Gemeinde müsse dem Vorhaben zustimmen.

Zwar können die Freunde auch auf den Friedhof gehen, wo ihr Freund begraben ist, „aber zu diesem Ort hier haben wir einen ganz anderen Bezug. Hier war er als letztes“, betonen Kock und Balzer. „Wir verstehen einfach nicht, warum jemand so etwas tut.“ „Ich bin nicht nur traurig, sondern auch unendlich wütend“, sagt Marlies Kock. Für sie steht fest: „Wir werden wieder ein neues Kreuz aufstellen. Und selbst, wenn es dann wieder zerstört oder geklaut wird. Wir werden immer und immer wieder ein neues anbringen.“ „Das hat er verdient. Er war der beste Freund, den man sich vorstellen konnte“, schwärmt auch Monja Balzer. „Wir hoffen, dass die Schuldigen uns und vor allem ihn endlich in Ruhe lassen.“

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