Aktion im Dorf : Rätselhafte Kuh zieht durch die Gärten

Mysteriös und gesellschaftskritisch: Die Holzkuh hat klare Ansichten zu Themen wie Globalisierung und Massentierhaltung.
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Mysteriös und gesellschaftskritisch: Die Holzkuh hat klare Ansichten zu Themen wie Globalisierung und Massentierhaltung.

Rind aus Holz steht unangemeldet vor der Haustür. Initiator der Aktion unbekannt .

shz.de von
27. Mai 2018, 09:00 Uhr

Aukrug | Eine ebenso mysteriöse wie robuste Holzkuh sorgt in Aukrug-Homfeld für jede Menge Gesprächsstoff. „Gerda Muh“ hat eine eigene E-Mail-Adresse und dezidierte Ansichten zu Themen wie Massentierhaltung und Globalisierung. Zur Ausstattung des Rinds gehören Getränke, Snacks und Hebegeschirr für den Weitertransport. „Gerda Muh“ möchte nämlich im Laufe des Sommers in allen Homfelder Gärten grasen und Diskussionen anregen. Der Initiator der Aktion hat sich bislang noch nicht zu erkennen gegeben.

„Na, zum Glück müssen wir sie nicht füttern!“, meint Silke Bargheer über die Kuh, die seit Donnerstag auf dem Rasen vor ihrem Haus an der Ecke Homfelder Straße/Wiesenstraße steht: „Und ausmisten müssen wir auch nicht.“ Silke Bargheer hat die „wunderschöne Holzkuh“ schon in ihr Herz geschlossen. „Keiner weiß, woher sie kommt – das Dorf steht vor einem Rätsel.“

Das Mysterium begann am Pfingstsonntag, als Ortswehrführer Torben Halft morgens um 4.15 Uhr per E-Mail mitgeteilt bekam, dass vor seiner Haustür – auf dem Wendehammer im Bereich „Wetten“ – etwas abgeladen worden sei. Die E-Mail-Adresse des Absenders: homfeld@gerdamuh.de. Am Morgen entdeckten auch die anderen Anwohner im Bereich „Wetten“ den vierbeinigen Gast. „Uns ist eine Kuh zugelaufen, hat mein Mann zu mir gesagt“, erzählt Antje Kreutz. In einem Begleitschreiben stellte sich das Holzrind wie folgt vor: „Hallo, mein Name ist Gerda Muh. Ich bin ein etwas zu groß geratenes Breitenburger Rind, zwölf Jahre alt und – ja, ich bin tragend. Für ein paar Tage möchte ich in fast jedem Homfelder Garten weiden.“

Über ihre eigene WhatsApp-Gruppe vereinbarten die „Wetten“-Anwohner ein abendliches Treffen, bei dem sie über den mysteriösen Weidegast beratschlagen wollten. Was offenbar genau den Intentionen der Holzkuh entspricht, denn „Gerda Muh“ hat in einem geräumigen Fach an ihrem Hinterende allerhand gebunkert, was man bei geselligen Zusammenkünften gebrauchen könnte: Knabberkram, Süßigkeiten, Selter, Cola, Sekt und Whisky sowie Becher und Gläser.

Auch für Gesprächsstoff ist gesorgt, denn es gibt noch einen zweiten Begleittext, in dem „Gerda Muh“ die Frage beantwortet: „Warum ziehe ich durch die Homfelder Gärten?“ Vor 100 Jahren sei vieles besser gewesen, denn da gab es in Homfeld „579 Rinder und 23 Kuhställe, meine Schwestern wurden meist über zwölf Jahre alt, im Winter wurden wir jeden Tag gestriegelt, und wenn uns kalt war, bekamen wir eine Kuhdecke, und von den 275 Einwohnern konnten etwa 200 melken.“ Heutzutage gibt es in Homfeld (inklusive Bucken) nur noch drei Milchviehbetriebe. „Heute werden wir keine sechs Jahre alt, und der Bauer gibt uns nicht mal mehr einen Namen.“ Mechanisierung, Industrialisierung und Globalisierung hätten „nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch unsere dörfliche Welt tiefgreifend verändert: Wir brauchen heute keine fünf Nachbarn mehr zum Rübenhacken oder Heufahren.“ Auf diese Weise sei „das dörfliche Leben als komplexer sozialer Kosmos verloren“ gegangen, philosophiert „Gerda Muh“ und fragt, ob es nicht längst an der Zeit sei, sich um folgende Dinge zu kümmern: „ein besseres dörfliches Miteinander, eine naturnahe Landwirtschaft ohne Bienensterben und Massentierhaltung sowie die Bewahrung dessen, was wir von unseren Eltern erhalten haben und was wir an unsere Kinder zur pflegenden Sorge weiterreichen wollen.“

Mit einem Verweis auf das Geheimfach an ihrem Hinterende, in dem sich auch Hebegeschirr für einen Frontlader befindet, bittet „Gerda Muh“ ihre Gastgeber: „Wenn meine Tage (drei bis fünf) bei Dir/Euch um sind, stellt mich bitte ‚heimlich‘ in den Garten Eures Nachbarn!“ Was die „Wetten“-Anwohner bereitwillig taten – und was nun auch die Bargheers gern in Angriff nehmen wollen. „Ich frag‘ meinen Nachbarn, ob er mir mit seinem Frontlader aushilft“, kündigte Klaus-Peter Bargheer an, „und dann stellen wir die Kuh Anfang kommender Woche an einen neuen Platz.“

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