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Planungen laufen : Rader Hochbrücke: So gelingt der Neubau bei fließendem Verkehr

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Skizzen zeigen den möglichen Ablauf. Häufig gestellte Fragen zum größten Straßenbauprojekt der kommenden Jahre – und die Antworten.

shz.de von
erstellt am 18.Mär.2015 | 06:00 Uhr

Die Jahre sind gezählt. Bis 2026 muss für die Rader Hochbrücke ein Ersatz her. Die staatseigene Autobahngesellschaft Deges hat den Auftrag bekommen, für das altersschwache Viadukt im Verlauf der A  7 ein Nachfolge-Bauwerk zu errichten. Das Berliner Unternehmen soll die neue Brücke zwischen der Anschlussstelle Rendsburg/Büdelsdorf und dem Kreuz Rendsburg so planen und bauen, dass auf ihr in elfeinhalb Jahren der Verkehr rollen kann. Während das Großprojekt noch am Anfang steht, liegen erste Skizzen vor, wie der Neubau bei fließendem Verkehr gelingen kann (Grafik). Neu entsteht neben Alt, Schritt für Schritt und zeitlich ineinander verzahnt – das ist die Strategie. Ein Abriss der alten Brücke und ein Bau der Nachfolgerin erst danach würde bedeuten, dass die A7 für Jahre unterbrochen werden müsste – angesichts des Kanals als natürliches Hindernis ein undenkbares Szenario.

Eine Deges-Sprecherin betonte, dass dies nur eine von mehreren Möglichkeiten sei. Wie der Bau tatsächlich ablaufen wird, ist noch nicht entschieden. Dem Deges-Bereichsleiter Bernd Rothe ist jedoch kein anderes Brückenprojekt dieser Größe im Bund bekannt, bei dem die Abfolge anders gewesen sei.

Darüber hinaus stellen sich zur neuen und alten Rader Hochbrücke viele Fragen. Die Antworten beruhen auf Angaben aus dem Kieler Verkehrsministerium sowie auf Aussagen des Direktors des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV), Torsten Conradt, und des Deges-Ingenieurs Bernd Rothe bei einer Veranstaltung in Büdelsdorf.

 

>Wann endet die Restlaufzeit der alten Rader Hochbrücke konkret?

2014 wurde die Rader Hochbrücke von Statikern aufwändig untersucht. Das Gutachten bescheinigt ihr noch eine Lebensdauer bis 2026. Dann sollen die ersten Fahrzeuge über den ersten Teil der neuen Brücke rollen. Ein auf den Tag oder Monat genaues Ablaufdatum für die alte Brücke gibt es nicht.

 

>Warum darf der Seitenstreifen nicht mehr befahren werden?

Die Randbereiche sind aus statischer Sicht sicher und können im Notfall befahren werden. Gesperrt sind sie für den normalen Verkehr, um die Restlebensdauer der Brücke nicht zu gefährden. Sie wurde nach einem komplizierten Rechenmodell ermittelt. Durch die Sperrung des Standstreifens konnte die rechnerische Verkehrslast deutlich reduziert werden. Erklärtes Ziel ist es, den Strom an Fahrzeugen möglichst bis 2026 auf zwei Spuren je Fahrtrichtung über das Bauwerk zu führen.

 

>Welche Einschränkungen wären denkbar, falls die Brücke vor 2026 schlappmacht? Oder falls eine Klage den Bau des Ersatzes verzögert?

Die geltenden Einschränkungen – Tempo 60, Überholverbot und 25-Meter-Abstand auch im Stau für Laster – wurden nach der Bauwerksprüfung im vergangenen Jahr verhängt. Sollten weitere Mängel auftreten, zum Beispiel gerissene Schweißnähte und Schäden im Beton, wären weitere Restriktionen denkbar – zum Beispiel die Sperrung einer Spur pro Richtung. So wie im Sommer 2013, als schwere Schäden am Brückenkörper festgestellt worden waren. Wegen maroder Pfeiler mussten Lkw-Fahrer lange Umwege in Kauf nehmen. Schon jetzt ist klar, dass Schwerlaster über 84 Tonnen nie mehr über die bestehende Rader Brücke fahren dürfen.

 

>Wie oft muss die Brücke durch den Statik- und Material-„Tüv“?

Früher wurde die Hochbrücke alle drei bis sechs Jahre Meter für Meter auf Schäden untersucht. Jetzt erfolgt diese Prüfung einmal im Jahr. Einzelne Bereiche und Bauteile werden noch häufiger unter die Lupe genommen, sobald es Anzeichen für Materialermüdung gibt.

 

>Warum ersetzt man die alten Pfeiler nicht durch neue und saniert den bestehenden Brückenkörper?

Der bestehende Überbau aus Stahl kann mit wirtschaftlichen Mitteln nicht dauerhaft verstärkt werden. Er ist nach fast 45 Jahren verschlissen. „Der Stahlüberbau ist das eigentliche Problem der Rader Brücke“, sagt LBV-Chef Conradt.

 

>Die Brückenachse verschiebt sich durch den Neubau voraussichtlich zur Seite. Was ist mit Grundstücken, die sich in diesem Bereich befinden? Wann werden Anwohner informiert?

Die genannte Größe von 15 Metern ist eine von mehreren Möglichkeiten. Noch steht nicht einmal fest, ob die neue Brücke östlich oder westlich des jetzigen Bauwerks stehen würde. Grundstücke, die zusätzlich überbaut werden, erwirbt der Bund. Die Anwohner werden informiert, sobald konkrete Planungen vorliegen. Die Abstimmung mit den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden erfolgt in Kürze.

 

>Wie lange wird der Abriss der alten Brücke voraussichtlich dauern?

Zunächst muss eine neue Brückenhälfte fertig gestellt sein. Der Abriss der alten Brücke ist abhängig von der Lage und der Bautechnologie der zweiten Brückenhälfte. Demontage und Neubau sind zeitlich verzahnt – deshalb ist der Abriss in einem halben Jahr zu schaffen.

 

>Wird der Schiffsverkehr dadurch beeinträchtigt?

Der Nord-Ostsee-Kanal soll während der Bauphase weiter normal befahrbar sein. Kurzzeitige Einschränkungen sind möglich, sie werden mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt abgestimmt.

 

>Können Radfahrer und Fußgänger die Kanalseitenwege während der Bauphase benutzen?

Ja, es werden im Nahbereich der Brücke Umfahrungen angelegt. Auch der Verkehr unter der Brücke auf dem Treidelweg in Borgstedt und auf der Rader Insel soll nicht behindert werden.

 

>Ab welcher Verkehrsdichte sind drei Spuren je Richtung angebracht?

Der Ausbau von Autobahnen ist in den „Richtlinien für die Anlage von Autobahnen“ (RAA) festgelegt. Demnach ist der Bau von drei Fahrstreifen pro Richtung ab einer Verkehrsstärke von rund 60  000 Fahrzeugen vorgesehen. Die letzte Zählung des Bundes liegt fünf Jahre zurück. Damals waren 42  600 Fahrzeuge pro Tag auf der Rader Brücke unterwegs. Der Lkw-Anteil betrug 12,5 Prozent. Die noch nicht bestätigte Bedarfsplanprognose des Bundes für das Jahr 2030 weist einen Verkehr von 54  000 Fahrzeugen aus, davon 13  000 Lastwagen (24 Prozent). Diese Zahlen werden derzeit mit der aktuellen Verkehrsbelastung abgeglichen.

 

>Darf das Land mitreden, was das Design der neuen Brücke angeht?

Das Erscheinungsbild der Brücke wird mit dem Land Schleswig-Holstein und dem Bundesverkehrsministerium erörtert und abgestimmt.

 

>Für welche Lasten wird die neue Brücke geplant?

Die neue Rader Brücke wird so gebaut, dass keine Last-Einschränkungen mehr verhängt werden müssen.

 

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