zur Navigation springen

Stress der Anwohner : Rader Hochbrücke: Lärm hat sich verlagert

vom

Heinz Fritz aus Borgstedt ist einer der wenigen Gewinner des Verkehrsdilemmas rund um die Rader Hochbrücke. Für Anna-Luise Pantel aus Osterrönfeld ist die Lage schlimmer als je zuvor.

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2013 | 06:20 Uhr

Borgstedt
Der Garten von Heinz Fritz ist etwas Besonderes. Hier trocknet die Wäsche an der Leine sogar, wenn es regnet. Der Grund dafür ist einfach: Der 77-jährige Borgstedter wohnt so nah an der Rader Autobahnbrücke wie sonst niemand. Und ein Teil seines Gartens liegt sogar unter dem mächtigen Bauwerk. Und da regnet es nicht. Dass fast 50 Meter höher zurzeit keine Lkw fahren dürfen, empfindet der Rentner als Entlastung. Er gehört zu den wenigen Gewinnern des Verkehrsdilemmas rund um die Rader Brücke.
"Das Verkehrsrauschen ist zwar immer noch zu hören, aber es ist kein Vergleich zu dem Lärm, den die großen Laster machen." 1972 kaufte Heinz Fritz das Haus am Borgstedter Treidelweg. Mit unverbaubarem Blick auf die idyllische Eider - und die gerade fertiggestellte Rader Autobahnbrücke. "An die haben wir uns längst gewöhnt", sagt der Borgstedter. Auch die Tatsache, dass die Brücke zeitweise einen mächtigen Schatten auf Haus und Grundstück wirft, stört ihn nicht.
Der Teil seines Gartens, der unter der Brücke liegt, ist nicht sein Eigentum. Diese rund 500 Quadratmeter hat er vom Bund gepachtet. "Hätten die das behalten, hätten sie vielleicht jedes halbe Jahr einmal gemäht. Ich aber habe es gern sauber - und dafür kann ich jetzt selbst sorgen." Und die Pacht ist mit 10,23 Euro pro Jahr auch erschwinglich.
Über den Lärm von der Brücke hat sich Heinz Fritz nie beschwert. Er wusste ja, auf was er sich einließ. "Aber 1972 fuhren hier 14.000 Fahrzeuge, jetzt sind es über 40.000. Was ihn wirklich stört, sind weniger Motoren- oder Reifengeräusche. "Das dauernde Klappern bei der Überfahrt von der Rampe auf die Brücke aber ist doch sehr laut. Da könnte man vielleicht was machen." Zurzeit aber herrschen in seinem Garten fast paradiesische Verhältnisse. "Von der Geräuschkulisse her ist es fast wie 1972. Und das ist sehr schön."
Osterrönfeld
Auch Anna-Luise Pantel hat sich nie über Lärm beklagt. Auch sie wusste, auf was sie sich einließ, als sie 1972 mit ihrem Mann in das Haus unter der Eisenbahnhochbrücke zog. Der zweite Pfeiler - von der Südrampe aus gezählt - steht wenige Meter neben dem Grundstück der 68-jährigen Rentnerin. Das Rattern und Quietschen der Züge sowie der Lärm durch die Grundinstandsetzung des Bauwerks ergeben eine Geräuschkulisse, die durch die Wände dringt. Selbst bei geschlossenem Fenster ist es im Wohnzimmer von Anna-Luise Pantel nie wirklich still.
Was sie und ihre Nachbarn jedoch ärgert, ist das, was sich derzeit auf der Bundesstraße 202 abspielt. An sie grenzen die Grundstücke in der Wilhelm-Hartz-Straße unmittelbar. Seitdem die Laster von der Rader Hochbrücke verbannt und über die B202 geführt werden, ist der ohnehin beträchtliche Lärmpegel ins Unerträgliche gestiegen. Und das trotz einer (zu niedrig ausgelegten) Schallschutzwand. "Wir wohnen neben der Hochbrücke und sind Lärm gewohnt. Aber nun ist das Fass übergelaufen", sagt die Rentnerin und betont, dass sie nicht für sich alleine, sondern für alle betroffenen Nachbarn in der Wilhelm-Hartz-Straße spricht.
Deren Wut richtet sich zum einen gegen die Landesbehörden, die es soweit haben kommen lassen. "Da sitzen hochstudierte Ingenieure, und trotzdem werden solche Schäden jahrelang nicht entdeckt. Das darf nicht wahr sein." Auch mit der Politik gehen Anna-Luise Pantel und ihre Nachbarn hart ins Gericht: "Maßgebliche Landespolitiker egal welcher Couleur haben über Jahrzehnte hinweg selig geschlafen und es nicht verstanden, den Politikern im Bund klarzumachen, wie wichtig eine weitere Kanalquerung ist." Weder die Rader Hochbrücke noch der Kanaltunnel seien diesem Schwerlastverkehr auf Dauer gewachsen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen